Besuch bei einem Uhrensammler

Uhren eigenen sich bekanntlich besonders gut zum Sammeln. Dass es sich dabei weder um Quarzuhren noch um Premiummarken handeln muss, beweist unser Besuch bei einem Uhrenfan, der neben zivilen Uhren auch alte Flieger- und Militäruhren verschiedener Länder sammelt.

Die Standuhr in seinem Büro ist ein Hinweis auf das Hobby des Uhrensammlers
Dieser Fliegerchronograph wurde von vier Firmen in gleicher Ausführung geliefert
Die Fifty Fathoms von Blancpain in der Bundeswehr-Ausführung und eine Kopie aus England
Japy aus Paris hat bis vor einem Jahr mechanische Containeruhren angeboten
Die Zifferblätter von Militäruhren wurden früher durch schlagfeste Plexigläser geschützt
Die englische Marke Time Factors orientiert sich am Design berühmter Vorbilder
Diese Uhr trägt der Uhrensammler aufgrund ihres wunderschönen Designs, nicht wegen der Marke
Diese im Direktvertrieb erhältliche Dornblüth mit Glasboden ist ein Highlight der Sammlung
Der Uhrensammler betreibt eine Audio-Consulting-Firma, die Lautsprecher entwickelt

Fliegeruhren sind heute groß in Mode, dabei waren sie früher eher klein. Allen gemeinsam sind die gute Ablesbarkeit und das mechanische Uhrwerk. Während viele Fliegeruhren heute ein automatisches Uhrwerk haben, musste man früher täglich selbst Hand anlegen und die Uhr aufziehen.

Das regelmäßige Aufziehen ihrer Uhr war vielen Menschen früher lästig. Für Uhrensammler Karl-Heinz Fink ist es ein guter Start in den Tag, ein Moment der Besinnung vor dem Denkmarathon im Büro. Alle seine Hobbys dienen dem Sammler als Ausgleich zur vielen Denkarbeit, die sein Job als Vordenker seiner Audio-Consulting-Firma für die Entwicklung von Lautsprechern erfordert.

Als technikaffiner Mensch kann sich Karl-Heinz Fink für feinmechanische Wunderwerke wie Uhren geradezu begeistern und betreibt das Uhrensammeln mit einer gewissen Ernsthaftigkeit. So besitzt er beispielsweise eine Zeitwaage zur Prüfung und Justage seiner zahlreichen Uhren: „Ich kann ja nicht jedes Mal mit einer ,Neuen’ zum Uhrmacher gehen.“ Allen Flieger- und Militäruhren gemeinsam ist ihre Robustheit. So sind ernsthafte Reparaturen nur selten erforderlich. 

Die Stabilität ist auch der Grund, warum früher für professionelle Uhren Plexigläser anstelle der kratzfesteren Mineralgläser eingesetzt wurden, denn Plexiglas ist stoßfest und kann aufpoliert werden, wenn es durch allzu viele Kratzer matt wird. Erst moderne Uhren sind mit kratzfesten Saphirgläsern ausgestattet.

Ein echter Sammler versucht ein Thema möglichst vollständig zu erfassen. So besitzt Karl-Heinz Fink von einem Fliegerchrono mit Valjoux-7733-Handaufzugswerk gleich ein Modell jeder der vier Marken, unter der dieser Chronograph erschienen ist. Bekannt ist davon heute nur noch Hamilton. Ob alle vier Uhren auch in der jeweiligen Firma hergestellt oder teilweise woanders produziert und nur mit dem betreffenden Markenlogo versehen wurden, ist allerdings unklar.

Bei Markennamen wie Hamilton oder Blancpain leuchten heute die Augen vieler Uhrensammler. Damals waren es Gebrauchsuhren, jetzt sind es Luxusmarken. So war die Blancpain Fifty Fathoms eine Zeit lang ganz normale Ausrüstungsuhr der Bundeswehr. Heute ist sie so teuer, dass ihr Design sogar von anderen Firmen nachempfunden wird.

Eine dieser Firmen, die alte Designs wieder aufleben lässt, ist beispielsweise Time Factors aus England. Wie es sich für einen anständigen Sammler gehört, besitzt Karl-Heinz Fink nicht nur die Kopien, sondern jeweils auch das Original. Wie schon gesagt, damals waren es instrumentelle Gebrauchsuhren, teuer sind sie erst heute. Die Preissteigerungen, die viele seine Uhren erfahren haben, kamen für den Sammler teils unerwartet, aber nicht unwillkommen.

Statt Premiummarken sind mir beim Betrachten der schönsten Stücke seiner Sammlung vor allem unbekannte Uhrenmarken begegnet. So gefielen mir etwa die Containeruhren der mittlerweile nicht mehr erhältlichen französischen Marke JAPY ganz ausgezeichnet. Eine Idee, die heute von vielen Firmen wieder „neu“ aufgegriffen wird. Firmeneigentümer und Tauch-Ausbilder Jean-Paul Suchel hatte die Kronenverschraubung speziell wasserdicht konzipiert.

Für Karl-Heinz Fink ist das Image der vielen Marken seiner Sammlung gleichwertig. Niemals würde er beispielsweise eine Longines oder Heuer nur wegen der Beliebtheit der bekannten Marke bevorzugt tragen, sondern ausschließlich aufgrund des tollen Designs. So legte er für die Mittagspause im Restaurant eine unter Insidern legendäre, aber dennoch unauffällige Tissot an.

Erst nach der Mittagspause wechselte Karl-Heinz Fink für ein Foto „on the Job“ auf ein Prunkstück seiner Sammlung: Eine Handaufzugsuhr des deutschen Uhrmachers Dirk Dornblüth aus Kalbe, der seine Uhren ausschließlich im Direktvertrieb anbietet. Karl-Heinz Fink war sogar dort, für einen Umbau des Zifferblattes von Blau auf Weiß und die Ergänzung eines Quattro-Arret, einer Sekundenstopp-Vorrichtung, durch die der Sekundenzeiger jeweils bei 15, 30, 45 und 60 Sekunden zur genauen Einstellung stoppt.

Text und Fotos: René Roland Katterwe

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