Der Sammler, der anders tickt

Uhrensammler gibt es viele und Sammelgebiete fast ebenso, denn jede Sammlung ist einmalig. Unser Leser, der namentlich nicht genannt werden möchte, ist so einzigartig wie seine Sammlung, die nur wenige Uhren, dafür aber ebenso interessante Gerätschaften vom Spielautomaten bis zur Kirmes-Kraftmaschine, vom Grammophon bis zum Plastik-TV enthält, welches einst als Spardose diente und heute mehr Wert ist, als Münzen hineinpassen.

Diese antiquierte Taschenuhr wird mit dem beiliegenden Schlüssel aufgezogen, die Box ist Original
Eine alte Wanduhr hinter Glas, aufgezogen wird sie bei 6 Uhr mit dem Schlüssel
Der manuelle Kalender mit Digitalanzeige hat ein analoges Herz: Kalenderanzeige per Handbetrieb!
Diese Tanksäule ist reines Spielzeug, heute hergestellt würde sie sicher „Sprit“ ausspucken
Die Wahrsagerin spuckt statt guter Worte gedruckte Pappkarten nach dem Zufallsprinzip aus
Ein Domino-Automat von 1927, gebaut in Deutschland, früher eingesetzt in England
Dieser Blechautomat entstand kurz nach 1900 und gehört zu den älteren Exponaten des Sammlers
Handgebaut in den frühen 50er-Jahren: 10 Pfennig für 15 Sekunden Spielzeit, der Hauptgewinn ist eine Mark, also 50 Cent
Lange vor der Schallplatte (um 1900) spielte dieses Symphonion bereits 1870 musikalisch auf
Dieses vermeintliche Buch besteht aus Keramik, der „Beipackzettel“ hängt noch dran

Wie kommt jemand dazu, eine solche außergewöhnliche Sammlung aufzubauen? Und noch wichtiger die Frage: Woher stammen die seltenen, teils uralten Exponate? Es gehören schon jahrzehntelange Flohmarktbesuche zu nachtschlafender Zeit dazu, eine solche Ansammlung, nennen wir es „mechanischer und elektrischer Antiquitäten und Kuriositäten“ zusammenzutragen. Ein ganz anderes Thema ist der Platzbedarf: Beim Besuch wurde mir schlagartig klar, wie schön platzsparend es doch ist, Armbanduhren zu sammeln.

Zu den sorgfältig gehorteten Zeitzeugen vergangener Epochen gehören Taschenuhren, Wecker, Tischuhren und Wanduhren ebenso wie Musikabspielgeräte – kein Wunder, denn unser Leser ist hauptberuflich Lautsprecherentwickler: Auf dem Titelfoto hält er einen Bruel&Kjaer-Schallpegelmesser aus den 70er-Jahren in Händen. Anhand der Sammlung lässt sich die Entwicklung von Spielautomaten und teils auch Uhren ebenso nachvollziehen wie die Entwicklung der Audiotechnologie: Die Exponate umfassen als eines der seltenen Highlights sogar eine Schellack-Schallplatten-Schneidemaschine. 

Da unser Leser seine Sammelleidenschaft auf mehrere Gebiete aufteilt, ist zwar keine Sammlung vollständig, die Auswahl wäre dennoch sicher eine wertvolle Ergänzung jedes Technikmuseums, das sich um vergangene Epochen kümmert. Einmal hat ein Teil der Sammlung sogar die Vitrinen eines Messestandes bestückt, der die Entwicklung des Autoradios von Anbeginn an aufzeigte. Wer mit dem Sammler Kontakt aufnehmen möchte, darf uns gerne per E-Mail unter Angabe seiner Telefonnummer kontaktieren, wir geben diese dann gerne weiter.

Text und Fotos: René Roland Katterwe

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