Neue Uhren jenseits des Mainstreams

Das „globale Uhrendorf“, wie die Baselworld gerne bezeichnet wird, ist ständiger Änderung unterworfen. So hat die Messegesellschaft diesmal beispielsweise im Obergeschoss der Halle 2 eine spezielle „Watch Gallery“ mit Standbau erreichtet, damit sich auch kleine unabhängige Hersteller einen ordentlichen Messeauftritt leisten können. Schade, dass nicht alle kleinen innovativen Firmen prominent im Pavillon gegenüber Halle 2 präsentiert wurden, bei vergleichbaren Standpreisen wäre dies eine bessere Starthilfe für neue Uhrenhersteller als die Watch Gallery oder die Vitrinen in Halle 2.

The watch Gallery – hier fanden sich interessante bekannte und neue Marken
Da das Handy keine mechanische Uhr hat, rüstet Luc Pellaton von watch e diese nach
Jörg Schauer mit der von Hartmut Esslinger designten Stowa Rana, zu Deutsch: Frosch
Bei Sinn präsentieren die Damen markante Herrenuhren bisweilen auch am Arm
Marcel Kuhn präsentiert uns einen von drei neuen Jean Marcel Chronographen
Jürgen Jacob und Jürgen Werner mit den brandneuen C.H. Wolf Uhren aus Glashütte
Im AHCI haben sich 33 der weltbesten Uhrmacher organisiert
Marco Lang von der Uhrenmanufaktur Lang & Heyne in Dresden
Zu Tempus Arte gehört nun auch eine Uhrwerksfertigung in Sachsen
Andreas Günther präsentiert seine Laco Fliegeruhren mit Umbau auf Zentralsekunde
Andreas Filius präsentierte uns die Neuheiten der Designmarke Jacob Jensen
Eine echte Taucheruhr an meinem Arm – diese gehörte Jaques Cousteau persönlich
Marco Biegert, einer der Erfinder des nunmehr rostigen Buchstabenblattes
Ralph und Jan Heisse mit Chronovision Uhrenbewegern und Tresoren
Heimspiel für Zeno Watch Basel – online werden Sonderserien verkauft
Am Rande der Messe in einem Hotel betreute Elysee seine Fachhändler …
… und Schaumburg Watch in einer Wohnung die ausländischen Vertriebe
Reuge Musikspieluhren in allen erdenklichen Formen, hier als Edelversion von L´Epee
Die Uhrenmanufaktur Alexander Shorokhoff residierte im avantgardistischen Pavillon
Good Bye Basel, bis zum nächsten Jahr – die Messe war wieder einmal toll

So gab es gerade auch in der Watch Gallery innovative Neuheiten kleinerer Hersteller, beispielsweise die Handy-Uhr von watch-e ( www.watche.ch ). Nein, keine App, sondern eine richtige mechanische Uhr mit wundervoll skelettiertem Werk und Handyrahmen mit Klappmechanismus. Derzeit verkauft der Neugründer seine erst seit 4 Jahren erhältlichen Uhren direkt von der Schweiz aus an den Konsumenten. Als Neuvorstellung zeigte er auf der Messe auch eine Armbanduhr mit dem gleichen schönen skelettierten Werk.

Auch Jörg Schauer mit seinen Stowa-Uhren, von Anbeginn vorwiegend direkt im Internet und jetzt mit neu gestalteter Website unter www.stowa.de erhältlich, nutzte nach jahrelanger Präsenz in einem angemieteten Raum am Rande der Messe nun die Watch Gallery zur Präsentation seiner von Hartmut Esslinger entworfenen Neuschöpfung Rana. Rana ist das lateinische Wort für Frosch, welch Wunder, Herr Esslinger ist Designer und Gründer von Frog Design und selbst Uhrensammler.

Ein Stockwerk tiefer residierte Sinn, Direktvertriebs-Pionier ( www.sinn.de ) und heute auch bei zahlreichen Juwelieren vertreten, mit der kompletten Kollektion und wie immer zahlreichen Neuheiten. Simone Richter und Sabine Kleiter präsentierten gewohnt routiniert, begeisternd und selbst merklich von den Sinn-Uhren begeistert unter anderem eine neue Finanzplatzuhr, einen Einsatzzeitmesser, einen Navigations-Chronographen und allen voran eine klassisch-funktionelle Sinn-Uhr unter 1.000 Euro, um Uhrenliebhaber mit kleinerem Geldbeutel nicht zu vergessen.

Nebenan im „Uhrenhimmel“ über den Premiummarken der Halle 1 zeigten Jürgen und Marcel Kuhn wiederum limitierte Neuheiten ihrer im Handel und direkt unter www.jeanmarcel24.com verkauften Marke Jean Marcel, die sich nach ihrem erfolgreichen Relaunch vor einigen Jahren durch sehr gelungene und eigenständige Designs auszeichnet. Insbesondere auf die neuen Chronographen sind die Firmeninhaber zu Recht sehr stolz.

Ein Stockwerk tiefer zeigte Nomos eine kleine Sensation: Ein automatisches Damenuhrwerk mit Nomos-eigenem Schwingsystem im Gehäuse der kleinen Nomos Tangente mit 35,5 mm Außendurchmesser, welches gerade einmal 3,2 mm hoch baut und damit ein fast genauso flaches Gehäuse wie bei der Handaufzugsversion ermöglicht.. Dennoch findet ein beidseitig aufziehender Rotor Platz und die Rotorbewegung stoppt, sobald die Uhr aufgezogen ist. Die zweite Neuheit war ein komplett neues Gehäuse für das neue Uhrwerk. Das gelungene Design würde ich persönlich auch als größere Variante für Männer begrüßen. Erhältlich sind die Uhren im Fachhandel und seit wenigen Jahren auch im Nomos Store unter www.nomos-uhren.de.

Wieder in Halle 2 angelangt, sahen wir uns bei der in Glashütte neu gegründeten Traditionsfirma C.H. Wolf gleich 6 neue Modelle an, darunter auch ein Damenmodell. Einige der im Handel und direkt unter www.c-h-wolf.de erhältlichen Neuheiten mit dem eigenen auf Eterna basierenden Manufakturwerk kannten wir bereits seit einem Firmenbesuch in Glashütte, von dem wir auch noch berichten werden. Schön an den Uhren ist neben der Produktion in der eigenen Manufaktur auch das durch spezielle Themen initiierte Design, bei dem für jeden etwas dabei ist.

Auf dem Stand der weltweiten Uhrmacher-Vereinigung AHCI wurde es dann besonders spannend: 33 unabhängige Uhrmacher sind hier organisiert und zeigten vorwiegend in liebevoller Handarbeit entstandene Einzelstücke. Weitere Infos unter www.ahci.ch

Einer der im AHCI organisierten Uhrmacher ist Marco Lang von der Uhrenmanufaktur Lang & Heyne in Dresden ( www.lang-und-heyne.de ). Zu seiner Firmengruppe Tempus Arte gehört nun dank Unterstützung globaler Investoren auch eine Uhrwerksfertigung in Sachsen, welche Uhrwerke auch an weitere ausgewählte deutsche Hersteller liefern wird.

Eine Überraschung gab es auf dem Stand von Laco aus Pforzheim: Geschäftsführer Andreas Günther präsentiert seine Fliegeruhren mit Umbau auf Zentralsekunde, denn während heutige Handaufzugswerke eine kleine Sekunde und nur Automatikwerke eine Sekunde aus der Mitte aufweisen, hatten die riesigen Handaufzugswerke der Fliegeruhren damals eine Zentralsekunde. Auch Modelle weit unter 1.000 Euro fanden unseren Zuspruch. Erhältlich sind die Uhren im Handel und direkt beim Hersteller unter www.laco.de

Andreas Filius von Filius Zeitdesign GmbH & Co. KG präsentierte uns die Neuheiten der von ihm in Deutschland vertriebenen Designmarke Jacob Jensen aus Dänemark. Hier gab es auch sehr bezahlbare Designuhren zu sehen, teils sogar unter 200 Euro, natürlich mit zuverlässigem Quarzwerk. Erhältlich sind die Uhren im Handel und direkt beim Vertrieb unter www.filius-zeitdesign.de.

Bei Doxa dann eine Überraschung: Marei Rick überreichte mir die Uhr an seinem Arm, eine sehr speziell designte und von der Größe her eher unscheinbare Taucheruhr, die sichtlich jahrelange Strapazen hinter sich hat. Diese Uhr gehörte einst dem legendären Profitaucher Jaques Cousteau persönlich und gelangte dann Jahre später über Umwege zurück zum Hersteller Doxa. Die Taucheruhren sind in Deutschland nur direkt erhältlich unter www.doxawatches.com/german.

Marco Biegert und Andreas Funk präsentierten auch dieses Jahr wieder neue Varianten ihrer Kult-Uhr Qlocktwo mit Buchstabenblatt. Diesmal mit angerostetem (und versiegeltem) sowie hitzegebläutem Stahl. In Ihrer Heimatstadt Schwäbisch Gmünd ist direkt vom Bahnhof aus eine riesige Qlocktwo sichtbar, deren Spezialstahl-Buchstabenblatt ebenfalls gewollt Rost angesetzt hat.

Die Qlocktwo Uhren mit Buchstabenzifferblatt sind im Handel und online erhältlich unter www.qlocktwo.com

Ralph und Jan Heisse zeigten Ihre neuen Chronovision-Uhrenbeweger, welche letztes Jahr bereits als Prototypen vorgestellt wurden. Eingesetzt werden die technologisch innovativen und qualitativ hochwertigen Uhrenbeweger auch in den Uhrentresoren aus eigenem Hause. Die Fertigung erfolgt fast komplett im eigenen Hause in Halver. Erhältlich sind sie im Handel und auf der Herstellerwebsite www.designhuette.com.

Für Zeno Watch in Halle zwei war die Messe schließlich ein Heimspiel: Der Schweizer Hersteller ist in Basel ansässig. Zwar verkauft er seine reguläre Kollektion weltweit und somit auch in Deutschland über den Handel, bietet aber gleichzeitig besondere Spezialitäten in geringer Auflage ausschließlich online an über www.zeno-shop.ch

Elysee präsentierte seine neuen Automatik- und Quarzuhren der Classic Linie und weitere bezahlbare Neuheiten in dem Tagungsraum eines Hotels am Rhein. Deren Verarbeitungsqualität würde auch so manch deutlich teurerer Uhr gut zu Gesicht stehen. Erhältlich sind die Uhren im Fachhandel und seit kurzem auch online unter www.elysee-uhren.de.

In einer Nebenstraße der Messe residierte Schaumburg Watch mit der gesamten Kollektion und rund einem Dutzend interessanter Neuheiten, darunter die Aquamatik 4.5, ein Facelift der Aquamatik 4. Erhältlich sind die Uhren aus Rinteln, einer Kleinstadt der Weserrenaissance, im Fachhandel sowie direkt vom Hersteller unter www.schaumburgwatch.com

Ebenfalls in einer Nebenstraße zentral in der Nähe der Halle 1 entdeckten wir einen etwas andern Uhrenhersteller: Reuge fertigt Musikspieluhren in allen erdenklichen Formen bis hin zum klingenden Kaffeeautomaten. Ausgesuchte Modelle sind online erhältich unter www.reuge.com/eshop.

Wer die Uhren der Uhrenmanufaktur Alexander Shorokhoff aus Alzenau bei Frankfurt am Main sehen wollte, musste gar bis Weil am Rhein reisen. Im ersten Pavillon hinter der Schweizer Grenze, dem avantgardistischen Zaha-Hadid-Pavillon, präsentierte der ehemalige Architekt und Bauingenieur sowie heutige Uhrendesigner seine teils ebenfalls avantgardistischen Uhrenmodelle, von denen die Vintage-Serie ausschließlich online zu erfreulichen Preisen erhältlich ist unter www.alexander-shorokhoff.de (in der „Manufaktur-Boutique“ unter „Modelle Internet Boutique“). Über das besondere Erlebnis im Pavillon werden wir noch berichten. 

Da der Währungskurs Anfang des Jahres von der Schweiz freigegeben wurde, verteuerten sich Schweizer Waren schlagartig um 10 % und mehr, damit eben auch Uhren, Uhrwerke, der Messeauftritt auf der Baselworld, die Hotelkosten und sogar die Verpflegung nach der Messe im Restaurant. So sagten viele ausländische Hersteller ihren Messeauftritt in Basel ab oder wichen auf gemietete Räume am Rande der Messe aus. Wie für viele deutsche Hersteller, so ist auch für die Uhrenkäufer die preisliche Schmerzgrenze erreicht und manch einer ist froh, deutsche Uhren dank Direktvertrieb weiterhin günstig kaufen zu können.

Einige der genannten Uhren finden Sie anschließend an den Messebericht im watchguide direct 2015 e-Paper mit ausführlichen Datenblättern. Viel Spaß mit den Uhrenneuheiten der Baselworld!

Text und Fotos: René Roland Katterwe

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