Uhrmacherei aus Tradition – ein Museumsbesuch in Glashütte

Bereits 1881 wurde das imposante Gebäude des heutigen Deutschen Uhrenmuseums Glashütte errichtet. Hier ist die rund 170-jährige Entwicklung der Glashütter Uhrenherstellung von der Gründung 1845 durch Ferdinand Adolph Lange bis zur Gegenwart chronologisch dargestellt. Anfangs dient das Gebäude als Domizil für die 1878 gegründete Deutsche Uhrmacherschule, welche in die überregional bedeutsame Ingenieursschule für Feinwerktechnik übergeht.

Das Deutsche Uhrenmuseum Glashütte ist in einem geschichtsträchtigen Gebäude untergebracht
Astronomische Standuhr von Hermann Goertz mit ewigem Kalender und 1.756 Einzelteilen
Der Zeitstrahl durch das Museum beginnt mit den Gründungsvätern der Glashütter Uhrmachertradition
Eine historische Lehrwerkstatt zeigt dem Besucher den Arbeitsplatz und die Werkzeuge des Uhrmachers
Taschenuhren aus Glashütte
Vor der Wende produzierten die Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) insbesondere Armbanduhren für die DDR
Betriebszeitung der VEB Glashütter Uhrenbetriebe, erschienen ab 1953 unter dem Titel „GUB-Spiegel“ sowie ab 1067 unter dem Titel „Die Unruh“ nach Einbindung des Uhrenkombinats Ruhla (Rohwerke)
Historische Flugzeugborduhr aus Zeiten der DDR unter dem Namen GUB (Glashütter Uhrenbetriebe)
Ein multimedialer Projektionstisch verdeutlich den Aufbau einer mechanischen Uhr interaktiv
Der Raum Neuzeit gibt einen Überblick über die aktuell ortsansässigen Uhrenbetriebe und Manufakturen

So knüpft der Neubeginn 2008 bewusst an die Tradi­tion der Uhrmacherschule an: Heute ist ergän­zend zu den beiden Museumsetagen im Unterge­schoss des geschichtsträchtigen Gebäu­des die Uhr­macherschule „Alfred Helwig“ der ortsansässi­gen Firma „Glashütte Original“ untergebracht, wel­che vor der Wieder­ver­einigung unter dem Namen „Glashütter Uhrenbetriebe“ Uhren für die damalige DDR und den Export in andere sozialistische Län­der sowie nach Westeuropa produziert hat.

Nach der Wende beginnen neue bzw. wiederaufer­standene Manufakturen in Glashütte mit der Produk­tion neuer Armbanduhren. So entsteht der Wunsch nach einem repräsentativen Gebäude für die Exponate des ortsansässigen Uhrenmuseums. Am 22. Mai 2008 wurde das Deutsche Uhrenmu­seum Glashütte in den neuen Räumlichkeiten feier­lich eröffnet. Die Exponate stammen aus den Samm­lungen der Stadt Glashütte, der Manufaktur Glashütte Original sowie als Leihgabe aus Privatbe­sitz.

Die Eingangshalle ziert eine astronomische Stand­uhr von Hermann Goertz mit ewigem Kalender aus dem Jahre 1925. Das war die Fertigstellung. Ihre Bau­zeit betrug 33 Jahre. Die Uhr besteht aus 1756 Einzelteilen, hat 17 Zifferblätter mit 21 „Komplika­tion“ genannten Funktionen. Zur Ausstellung selbst geht es über eine illuminierte Wendeltreppe mit 24 Stufen für jede Stunde des Tages, doch man darf sie auch schneller erklimmen. Oben angekommen, fin­det sich als Prolog ein Passageinstrument zur ge­nauen Bestimmung des Höhenwinkels von Gestir­nen bei Ihrem Meridiandurchgang. Dieses wie ein Fernrohr aussehende Instrument diente als Basis für die astronomische Zeitbestimmung.

Im Historienraum „Gründung“ begrüßen die vier Grün­derväter der Glashütter Uhrmachertradition den Besucher: Ferdinand A. Lange, Julius Assmann, Adolf Schneider und Moritz Großmann. Ein Zeit­strahl begleitet ihn von hier an durch alle Räume bis in die Gegenwart. Die Ausstellung umfasst alle Ar­ten von Großuhren, Taschen- und Armbanduhren und zeigt in Form einer nachempfundenen histori­schen Lehrwerkstatt auch die Arbeitsplätze und Werk­zeuge der Uhrmacher. Die Arbeit der Restaurato­ren des Museums kann am Ende durch große Glasscheiben betrachtet werden, auf Anfrage restaurieren sie auch Glashütter Uhren von Privatper­sonen.

Unter den etwa 450 Exponaten befinden sich Raritä­ten wie eine Taschenuhr mit Schlüssel­aufzug aus den Gründerjahren, eine Taschenuhr mit Selbst­aufzug und Datum von 1900, ein Marinechro­nometer, welches 1911 zur Ausrüs­tung einer deut­schen Südpolarexpedition gehörte, eine Präzisions-Pendeluhr mit Schwer­krafthemmung von 1895, eine der ganz seltenen Tourbillon-Taschenuhren von 1925 sowie eine der ersten in Glashütte herge­stellten Arm­banduhren aus dem Jahr 1926.

Der Historienraum „DDR-Zeit“ zeigt, wie unter sozialis­tischen Produktionsbedingungen die Glashüt­ter Tradition weitergeführt wird. Ein breites Spektrum von Produkten des damaligen VEB Glas­hütter Uhrenbetriebs (GUB) ist hier ausgestellt, dar­unter auch über 200 Arm­banduhren. In den Zeiträu­men „Glossar der Zeitmessung“ und „Präzision der Einzelteile“ kann sich der Besucher multimedial über die verschiedenen Fachbegriffe und Persönlich­keiten der Uhrmacherei Informieren und das perfekte Zusammenspiel von vielen hundert Ein­zelteilen interaktiv entdecken.

Der Raum „Neuzeit“ gibt schließlich einen Überblick über die derzeit ortsansässigen Uhrenbetriebe und Manufakturen. Eine Vielzahl Glashütter Uhrenherstel­ler präsentieren hier ausgewählte Mo­delle ihrer aktuellen Kollektion. Auch die 2014 wie­der in Betrieb genommene Manufaktur Moritz Gross­mann ist bereits mit dabei.

Der Epilog führt den Besucher mit Zitaten zum Thema Zeit und zum Klang immer schneller werden­der Metronome wieder in den Alltag zurück. Wem dieser kleine Überblick nicht reicht, der wird bei einem Museumsbesuch in Glashütte sicher seine Freude haben und kann nach Voranmeldung gerne auch eine Museums­führung für bis zu 20 Perso­nen buchen.

Text: Petra Forbrig / R. R. Katterwe

Fotos: René Roland Katterwe

Adresse:

Stiftung "Deutsches Uhrenmuseum Glashütte – Nicolas G. Hayek"

Schillerstraße 3a

01768 Glashütte/Sachsen

Tel: +49 (0) 35053 46 283

Web: www.uhrenmuseum-glashuette.com

 

 

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