Jean Marcel Ultraflach 160.300.56: Die Kunst des Weglassens

Klassische Uhren steigen derzeit wieder in der Gunst der Käufer. Dabei gibt es sogar Modelle mit Quarzwerk, die ihren Platz unter den Zeitmessern höchster Uhrmacherkunst beanspruchen. Die Besonderheit dieser klassischen Zweizeigeruhr: Ihr fehlen nicht nur der Sekundenzeiger und die Datumsanzeige, sondern auch einige Millimeter Gehäusehöhe ...

Hauptsache flach: Der Stahlboden ist genauso wenig verschraubt wie die Krone
Die ultraflachen Jean Marcel Uhren sind halb so hoch wie eine normale Uhr
Trotz ihrer 40 mm Durchmesser passt die Uhr dezent unter den Hemdärmel
Zur ultraflachen Jean Marcel Quarzuhrenlinie zählen viele weitere Highlights
Die schwarze Version ist 1 mm dicker und hat ein skelettiertes Datum
Die Krone der 5,5 mm flachen quadratischen Variante sitzt in der Ecke
Die ultraflache Jean Marcel Uhr ist mit einem winzigen Quarzwerk ausgestattet
Die ultraflache Jean Marcel Uhr wird sogar in einer ebensolchen Box ausgeliefert

Unboxing

Die Jean Marcel Uhren der ultraflachen Quarzuhrenlinie werden standesgemäß in einer ebensolchen Verpackung ausgeliefert. Erster Eindruck beim Auspacken: Wo ist die Uhr? Ist sie wirklich in dieser Verpackung oder enthält die nur die Bedienungsanleitung? Doch, die Uhr ist da drin, ganze viereinhalb Millimeter hoch, damit trägt sie am Arm kaum auf. 

Design

Die ultraflache Jean Marcel Uhrenlinie ist ein Kontrapunkt zur markanten Sportuhr, sie ist Understatement für Schöngeister, passt zum Anzug, noch besser zum Smoking und ist fast zu schade für den Alltag, gleichwohl jedoch besonders gut dafür geeignet. Sie ist Uhr pur, bietet keine Datumsanzeige und nicht einmal einen Sekundenzeiger. 

Diese Uhr ist ein Statement der ganz anderen Art: Hier geht es nicht um Wiedererkennungswert, sondern um die Grundfunktion, die Anzeige der Uhrzeit bei Sonnen- bzw. Kunstlicht, denn sogar auf Leuchtmasse verzichten die edlen Zeitmesser. In der silbernen Variante mit Stahlgehäuse sind auch das Zifferblatt und sogar die Zeiger silberfarben. Dennoch ist die Uhrzeit durch die geschickte Form der Zeiger jederzeit zweifelsfrei ablesbar.

Technik

Für eine ultraflache Uhr braucht es zuerst einmal ein ebensolches Uhrwerk, dann die Zeiger und dann erst das Gehäuse. Allein die Zeiger benötigen eine gewisse Höhe unter dem Uhrglas, so dass die Ausführung als Zweizeigeruhr logisch erscheint, denn ein Sekundenzeiger beansprucht zusätzlichen Platz zwischen dem Zifferblatt und dem Uhrglas. 

Der fehlende Sekundenzeiger ist im Gegensatz zu einer Handaufzugsuhr kein Problem, da keine permanente Funktionskontrolle notwendig ist, ob man die Uhr morgens vergessen hat aufzuziehen und ob sie deshalb stehengeblieben ist. Auch auf eine Datumsanzeige wurde in der getesteten Version verzichtet, denn die Datumsscheibe würde zusätzlichen Platz zwischen dem Zifferblatt und dem Uhrwerk in Anspruch nehmen.

Ein Uhrwerk geringster Bauhöhe lässt sich bei vertretbarem Aufwand als Quarzwerk einfacher, robuster, genauer und noch flacher konstruieren. Zwar gibt es auch mechanische Uhren mit noch weniger Bauhöhe als die ultraflache Jean Marcel Uhr, allerdings erhält man für die erforderliche Investitionssumme auch schon einen Neuwagen.

Die ultraflache Jean Marcel Uhr mit Quartzwerk punktet nicht nur in Sachen Robustheit, sondern auch bei der Servicefreundlichkeit: Man muss zwar die Batterie austauschen lassen, dafür ist die Uhr im Gegensatz zu extra dünnen mechanischen Werken unempfindlich gegen Stöße, bietet keine eingeschränkte Gangreserve und die langzeithaltbare Abdichtung der Krone ist auch kein Problem, da sie ja nicht zum täglichen Aufziehen der Uhr verwendet wird.

Auch der Durchmesser einer Uhr spielt für die Bauhöhe eine entscheidende Rolle: Die ultraflachen Uhren von Jean Marcel haben zeitgemäße 40 mm Gehäusedurchmesser und eine schmale Lünette. Das für diese Uhrengattung recht große Uhrglas durchmisst gut 33 mm, muss für die gleiche Stabilität dicker sein als ein kleineres und ist allein so groß wie so manche schlanke Handaufzugsuhr aus vergangenen Zeiten.

Ausstattung

Extra flache Uhren sind seit langem höchste Uhrmacherkunst und besonders edel. Deshalb wurden und werden ausgesprochen flache mechanische Uhrwerke meist auch heute noch in Edelmetallgehäuse eingeschalt. Doch so, wie bei Sportuhren selbst angesehener Premiummarken Stahlgehäuse hoffähig wurden, sind sie es heute auch bei extra flachen Uhren.

Bei der ultraflachen Jean Marcel Uhr wäre alles andere als ein Stahlgehäuse fast ein Stilbruch: Im Gegensatz zu so mancher dünnen mechanischen Uhr ist sie mit einem robusten ETA Quarzwerk, kratzfestem Saphirglas und einer Druckfestigkeit von 3 ATM rundum alltagstauglich. 

Da die Uhr nicht nur ultraflach, sondern mit 30 g auch federleicht ist, reicht die Bandbefestigung mittels Federstegen völlig aus und da schon die Dornschließe mehr aufträgt als die Uhr selbst, wäre eine Faltschließe hier fehl am Platze. Das anfangs recht steife Band wird schnell ein wenig geschmeidiger, ist auch für starke Männerarme lang genug und bietet ebenso genügend Löcher zum Einstellen für schlankere Handgelenke.

Handling

Die flache Jean Marcel Uhr hatte ich nun das ganze Wochenende am Handgelenk. Nicht in der Oper, wo sie an den Arm gehört, dafür aber beim Sport, beispielsweise beim Radfahren. Sie schmiegt sich ans Handgelenk wie eine zweite Haut und wäre die Schließe nicht deutlich dicker als die Uhr, hätte ich sie sogar zum Schwimmengehen am Arm gelassen, denn sie ist so unglaublich leicht, dass man sie dort kaum spürt.

 Die ultraflache Jean Marcel Uhr ohne Datum ist immerhin bis 3 ATM druckfest, was dem heutigen Standard einer flachen Uhr entspricht. Meine mechanischen Uhren vergleichbarer Höhe waren gerade einmal wassergeschützt, allerdings auch deutlich älter.

Wertigkeit

Das Design der ultraflachen Jean Marcel Uhr ist zunächst einmal nicht außergewöhnlich und genau darin liegt die Besonderheit: Die Uhr ist so zeitlos gestaltet, dass sie auch in Jahrzehnten noch gefällig wirken wird und das Stahlgehäuse ermöglicht dann das problemlose Aufpolieren der Uhr, falls sich überhaupt gravierende Kratzer auf der Gehäuseoberfläche einfinden, denn die entscheidenden Millimeter weniger Bauhöhe bieten deutlich weniger Angriffsfläche als eine „Tellermine“.

Das zeitlose, der Funktion folgende Design hat allerdings auch einen Haken: Der Wiedererkennungswert ist gering, obwohl die Marke Jean Marcel unter Uhrenkennern durchaus einen gewissen Bekanntheitsgrad genießt. Hinzu kommt, dass der Wiederverkaufswert einer Quarzuhr in Europa nicht so hoch wie der einer mechanischen Uhr ist. Da auch der Neupreis der Uhr im Vergleich zum Preis einer mechanischen Uhr sehr moderat ausfällt, ist dies in meinen Augen kein Nachteil. 

Fazit

Für mich ist es ungewohnt, eine extra schlanke Uhr am Handgelenk zu tragen und diese morgens nicht aufzuziehen. Wohl wissend, dass die ultraflache Jean Marcel Uhr mit mechanischen Werk nicht unbedingt billiger und robuster wäre, verzeihe ich ihr das Quarzuhrwerk gerne und nehme sie auch so in den Olymp der Uhrmacherkunst auf, zumal das Fehlen eines Sekundenzeigers das Quarzwerk im Innern inkognito werkeln lässt. Mit ihrem zeitlosen Design und der hervorragenden Verarbeitung bekommt die ultraflache Jean Marcel Uhr einen Quarz-Tipp der Redaktion.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Jean Marcel Montres GmbH

Straße: Schulstraße 10

Ort: 76532 Baden-Baden

Web: www.jeanmarcel.com

Shop:  www.jeanmarcel24.com

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