Ein Klassiker in Neuauflage

Wozu eine neue Uhr im alten Design, wenn alte Uhren doch relativ preiswert verfügbar sind? Die Archimede 1950 ist eine Automatikuhr im altbekannten Bauhaus-Design. Watchguide klärt im Hands-on-Praxistest, ob die Investition in die Neuauflage lohnt.

Die Archimede 1950 bietet ein authentisches Design der 50er-Jahre
Die schwarze Zifferblattvariante besitzt eine ebenfalls schwarze Datumsscheibe
Die helle Zifferblattvariante ist tagsüber bzw. bei Licht ausgezeichnet ablesbar
Die silbernen Zeiger der schwarzen Version sind nur bei heller Spiegelung gut erkennbar
Durch das gewölbte Plexiglas wirkt das Uhrengehäuse selbst vergleichsweise flach
Das Milanaiseband hat eine verstellbare Schließe, das Lederband eine Dorn- oder Faltschließe
Das japanische Automatik-Uhrwerk Citizen Miyota 9015 ist für seine Zuverlässigkeit bekannt
Die halbrunde Uhrenbox harmoniert ausgezeichnet mit der Archimede 1950

Design

Die Archimede 1950 ist bis auf den Gehäuseboden konsequent im Bauhaus-Design der 50er-Jahre gestaltet: Form follows function, die Form folgt der Funktion. Überflüssiges wurde weggelassen, die Uhr beschränkt sich auf die Grundfunktionen Stunde, Minute, Sekunde und Datum. Archimede zeigt, dass eine Uhr auch mit den Grundfunktionen formschön gestaltet werden kann. 

Die 1950 wirkt runder und dabei ähnlich harmonisch wie andere Bauhaus-Designs. Doch auch diese Variante hat man schon bei anderen Herstellern in ähnlicher Gestaltung gesehen. Gegenüber alten Vorbildern wurde der Gehäusedurchmesser leicht von rund 35 mm auf 39 mm vergrößert.

Früher hat Ickler, der die Archimede Uhren unter eigener Regie herstellt, bereits Plexigläser für Uhren gefertigt. Die Verwendung eines gewölbten Plexiglases wurde auch bei dieser Neuauflage beibehalten, um das eigentliche Gehäuse der Uhr heute wie damals flacher und damit auch leichter gestalten zu können. 

Die Indexe und das Logo sind auf das Zifferblatt aufgedruckt. Die Zeiger sind im alten Stil gestaltet, die helle Zifferblattvariante trägt gebläute Zeiger. Die Krone ist mit einem eingravierten Initial als Firmenlogo versehen.

Technik

Beim Uhrwerk handelt es sich um ein mechanisches Uhrwerk mit automatischem Aufzug und 42 Stunden Gangreserve nach Vollaufzug. Das robuste Uhrwerk Citizen Miyota 9015 mit einseitig wirkendem automatischem Aufzug stammt aus Japan. 

Durch das gegenüber vergleichbaren Schweizer Werken entfallende Wechselgetriebe und den flachen Rotor ist das 26 mm durchmessende Werk mit nur 3,9 mm Bauhöhe schön flach. Es hat 24 Lagersteine, während praktisch alle Schweizer Uhrwerke immer eine ungerade Anzahl synthetischer Rubine aufweisen.

Beim 9015 handelt es sich um die 2009 vorgestellte Weiterentwicklung des als zuverlässiger Dauerläufer bekannten 8215. Das Miyota-Werk ist mit seiner Streifenschliff verzierten Platine schön anzusehen. Japanische Uhrwerke tragen selten eine aufwändige Finissierung, hier steht fast immer die reine Funktionalität im Vordergrund, wie es sich für eine Uhr im Bauhausstil gehört.

Ausstattung

Während viele Uhren damals aus verchromtem oder vergoldetem Messing waren, ist die Archimede 1950 aus solidem Edelstahl gefertigt. Wie die Vorbilder vergangener Zeiten sind weder die Bandanstöße noch die Krone verschraubt, lediglich der Boden bietet einen Vollgewindeboden mit Mineralglaseinsatz, durch den das Uhrwerk betrachtet werden kann.

Die Archimede 1950 ist wahlweise mit Milanaise-Metallgeflechtband oder mit Lederband erhältlich. Das Metallgeflechtband verzichtet zugunsten der individuellen Einstellbarkeit auf eine Faltschließe und bietet dennoch einen Sicherheitsverschluss. 

Das Lederband hat normalerweise eine Dornschließe und kann optional mit einer wunderschön passenden Butterfly-Faltschließe ausgestattet werden, welche die Uhr vor versehentlichem Herunterfallen beim An- bzw. Ablegen schützt und zwei Drücker gegen versehentliches Öffnen aufweist.

Handling

Die 39 mm große und mit Plexiglas nur 9,5 mm flache Uhr trägt sich dank ihres geringen Gewichtes von nicht einmal 100 g mit Milanaiseband bzw. rund 50 g mit Lederband ganz ausgezeichnet. Im Gegensatz zu vielen Uhren früherer Zeiten ist die Archimede 1950 bis 3 ATM druckfest, was verhindert, dass Wassertropfen bzw. Spritzer ins Gehäuse eindringen und sich bei Temperaturwechsel in der Uhr Kondensat niederschlägt.

Milanaise-Metallgeflechtbänder wurden damals erfunden, damit sich Metallbänder ähnlich angenehm tragen lassen wie Lederbänder. So ist die Archimede 1950 die erste Uhr im Test, die sich am Milanaiseband mindestens genauso angenehm tragen lässt wie mit Lederband. 

Tagsüber sind beide Zifferblattvarianten hervorragend ablesbar, wobei man die silbernen Zeiger der schwarze Variante bisweilen ins Licht drehen muss, falls sich ein dunkler Gegenstand darin spiegelt. Für die Nachtablesbarkeit ohne Nachttisch- oder Taschenlampe fehlt die entsprechende Leuchtmasse auf dem Zifferblatt und den Zeigern.

Wertigkeit

Der größte Vorteil der Archimede 1950 ist ihr zeitloses Design. Es wird immer den Charme vergangener Zeiten versprühen und sich damit niemals abnutzen. Somit bleibt die Uhr werthaltig, was den Wiederverkaufswert angeht. Nachteil des typischen Bauhaus-Designs ist die leichte Verwechselbarkeit mit alten Modellen sowie mit ähnlichen Modellen anderer Hersteller. Ein gutes Insiderimage unter Uhrenfreunden lässt sich so nicht erreichen, doch das kümmert den Käufer einer Alltagsuhr gemeinhin nicht. 

Das gewölbte Plexiglas bekommt zwar leicht Kratzer, schützt aber durch seine Wölbung das Gehäuse vor allzu vielen Kratzern. Außerdem ist es im Gegensatz zu Mineralglas stoßfest. Wäre das Plexiglas beschichtet, würde es zwar weniger leicht verkratzen, könnte aber auch nicht so leicht wieder aufpoliert werden wie das unbeschichtete. Gewölbte Saphirgläser können mittlerweile zwar auch hergestellt werden, sind aber um ein Vielfaches teurer und werden somit nur in wesentlich teureren Uhren verwendet.

Fazit

Die Archimede 1950 ist die ideale Uhr für Liebhaber alten Designs, da eine neue Uhr deutlich alltagstauglicher ist als eine antike Uhr, die oft nicht einmal wassergeschützt ist. Archimede transformiert die Bauhaus-Formensprache mit leicht vergrößertem Gehäusedurchmesser in die heutige Zeit und lässt die Uhr so am Arm harmonischer wirken. Das Plexiglas lässt sich leicht wieder aufpolieren und verleiht der Uhr schnell eine altertümliche Patina. Umso erstaunter werden Betrachter der Uhr sein, wenn sie diese in die Hand nehmen: Der für damalige Uhren untypische Glasboden zeigt das ganz hervorragende und sogar mit Streifenschliff verzierte japanische Automatikuhrwerk. Dieses macht die Neuinterpretation der klassischen Uhr im Bauhaus-Design zu einem exzellenten Kauf, da es sich durch Ganggenauigkeit und Langlebigkeit auszeichnet. 

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Ickler GmbH

Straße: Hirsauerstr. 214

Ort: 75180 Pforzheim

Web: www.archimede-uhren.de

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