Test: Botta-Design Nova Titan All Black Quarz – die Zeitraumuhr

Retrodesign, wegweisendes Zukunftsdesign oder Designklassiker? Die Botta-Design Nova ist vieles zugleich und doch ganz anders, als jede Uhr zuvor, sogar als jede bisherige Uhr von Klaus Botta. Sie ist das richtige Zeitanzeigegerät für ruhige Zeitgenossen (oder die es werden wollen), die sich ungern von der Uhrzeit herumkommandieren lassen.

Botta-Design Nova: Einzeigeruhr für Fortgeschrittene
Erst wirkt die Uhr wie ein Fremdkörper – dann mag man sie nicht mehr missen
Zwischen den Indexen haben sich zwei Ziffern bei 3 und 9 Uhr eingenistet
Mit nur 4,9mm Bauhöhe ist das Gehäuse der Quarzversion vorbildlich flach
Die winzige Krone bietet wenig Angriffsfläche für grobe Stöße
Das edle Lederband ist mit einer leichten Dornschließe ausgestattet
Logisch: Eine Designer-Umverpackung für die Designeruhr

Klaus Botta hat bereits waschechte Designklassiker erschaffen: Die Junghans Solar 1 und die Botta-Design Uno sind seine größten Erfolge. Nun überrascht der Erfinder der Einzeigeruhr einmal mehr mit einer Variation derselben, und zwar diesmal mit einer völligen Neuinterpretation. Die Nova Titan All Black steht für maximale Reduktion – nicht nur bei der Anzeige, auch bei Bauhöhe und Gewicht. Er selbst bezeichnet sie als „Einzeigeruhr für Fortgeschrittene“.

Mit ihrem unkonventionellen Anzeigeprinzip ist die Einzeigeruhr Nova Titan All Black sicher nicht die erste Wahl für Genauigkeitsfanatiker und Sekundenzähler. Die Botta Design Nova Titan All Black scheint auf den ersten Blick allen bisherigen Gestaltungsgrundsätzen des Weltklasse-Designers zu widersprechen und rechtfertigt gerade deshalb einen Hands-on-Praxistest in watchguide. Erhältlich sind die Botta-Design Uhren bei ausgewählten Juwelieren und direkt ab Hersteller unter www.botta-design.de

Unboxing

Nicht nur das Design der Nova Titan All Black ist neu: Beim Auspacken der Uhr fällt zuerst die neu gestaltete Verpackung auf. Anstelle der bisherigen flachen Box mit Magnetverschluss wird die Botta-Design Nova in einer Metallröhre geliefert, die selbst bereits ein Designobjekt ist.

Design

Ich hatte schon sehr viele Uhren an meinem Handgelenk und dennoch wirkt die Nova so, als hätte ich noch nie eine Uhr getragen. „Was ist das da an meinem Handgelenk? Ist das wirklich eine Uhr? Sieht sie gut aus, oder nur fremdartig? Zeigt diese Uhr die Zeit wirklich an, oder tut sie nur so?“ So oder so ähnlich wird der innere Dialog vieler Zeitgenossen ablaufen, die der Botta Design Nova das erste Mal begegnen.

Klaus Botta wäre kein Weltklasse-Designer, wenn er nicht in der Lage wäre, solch einen inneren Dialog mit einer neugestalteten Uhr zu provozieren und meiner Meinung nach hat er es mit der Nova auch darauf angelegt. An meinem Arm wirkt die Nova Titan All Black zunächst wie ein Fremdkörper und ich brauche eine Zeit lang, um mich damit anzufreunden. Ob es eine unzertrennliche Freundschaft wird, zeigt sich sicher nicht bereits am Ende dieses Tests, denn oft geht es mir so, dass ich beispielsweise ein neues Fahrzeugdesign erst einmal völlig fehl am Platze empfinde und es später – nachdem ich mich daran gewöhnt habe – großartig finde.

In jedem Fall weist die Botta-Design Nova eine Eigenständigkeit und einen Wieder-erkennungswert wie kaum eine andere Uhr auf und ist dabei auf ihre Art in sich harmonisch und schlüssig gestaltet. Der eine Zeiger und das Zifferblatt – soweit man davon bei dieser Uhr sprechen darf – bilden in sich eine Einheit, auch wenn sie eher an das Cockpit eines Raumschiffs aus einem Zukunftsfilm der 70er Jahre als an eine Uhr erinnern.

Als nicht ganz schlüssig empfinde ich die arabischen Ziffern bei 3 und bei 9 Uhr, obwohl diese bei 6 und bei 12 Uhr fehlen, doch auch hier tippe ich auf bewusste Designprovokation. Unter Schriftstellern gibt es den Leitsatz: „Erfülle keine Worterwartung“, vielleicht gibt es unter Designern einen ähnlichen Berufskodex.

Dass die Nova Titan All Black Quarz durch und durch eine Designuhr ist, fällt nicht nur bei der Zifferblattgestaltung auf, auch das Gehäuse ist alles andere als von der Stange gestaltet. So glänzt es durch einen extra flachen Eindruck und die Bandanstöße sind ins Gehäuse integriert, da alles andere dem Designanspruch dieser Uhr nicht gerecht werden würde.

Technik

Selbst ein einziger Zeiger braucht einen adäquaten Antrieb, im Grunde sogar einen besseren als eine Dreizeigeruhr, denn eine Abweichung von beispielsweise einer Minute im Monat würde vielleicht erst dann bemerkt, wenn der Zug bereits abgefahren ist, den man auf die letzte Minute noch erreichen wollte.

So setzt der Industriedesigner bei dieser Version der Nova auf ein präzises Ronda-Quarzwerk aus der Schweiz. Im Gegensatz zu den deutlich günstigeren „Swiss-Parts“-Werken werden die Komponenten dieses Uhrwerks komplett in der Schweiz produziert und dort montiert. Die Nova ist auch als Automatikuhr erhältlich, doch selbst als Mechanikuhren-Liebhaber ist mir in diesem Fall der Einzeigeruhr ein präzises Quarzwerk lieber.

Auch wenn die Batterie bisweilen gewechselt werden muss, so entfällt doch der Service einer permanent im Alltag getragenen mechanischen Uhr. Stoßfest ist sie obendrein, falls die recht flache Botta Design Nova Titan All Black Quarz überhaupt einmal irgendwo aneckt.

Ausstattung

Das Uhrgehäuse besteht aus geschwärztem Titan und ist damit angenehm leicht, zumal die Uhr ohnehin in der Quarzversion angenehm flach gestaltet wurde. Geschützt wird das einzigartige Zifferblatt durch ein kratzfestes Saphirglas mit einer besonders haltbaren Entspiegelung.

Die Krone ist, wie der Boden auch, nicht verschraubt. Durch ihre Lage ist die winzige und nur für Quarzuhren angemessene Krone einigermaßen gut vor Stößen gefeit. Die Botta-Design Nova auf die Minute genau zu stellen, ist gar nicht so einfach, aber umso wichtiger, da die fehlende Ablesegenauigkeit das Einstellen der Zeit auf die Minute erfordert.

Für die Bedienung würde ich mir zwar eine größere Krone wünschen, doch auch diese würde das Einstellen nicht wesentlich erleichtern, da das Zeigerspiel ein wenig Gefühl für das gelegentlich notwendige Einstellen der genauen Zeit erfordert.

Hier kommt mir das Quarzwerk entgegen, da ich meine Uhren gerne im Wechsel trage und es bei einer Einzeigeruhr mit Automatikwerk eher lästig fände, sie beispielsweise immer am entschleunigten Wochenende wieder neu stellen zu müssen. Bei einer Quarzuhr reicht die halbjährliche Umstellung auf die Sommer- bzw. die Winterzeit.

Handling

Obwohl ich seit Jahren große und schwere Uhren gewohnt bin, fühle ich mich mit einer flachen Uhr am Arm sofort wohl. Das Tragegefühl ist einfach klasse, insbesondere mit dem hautschmeichelnden Lederband. Auch die Uhr selbst fühlt sich gut an. Sowohl in der Hand als auch am Arm. Besonders schön gelöst ist das gewölbte Uhrglas mit dem außen auf der Rückseite zu beiden Seiten hin sehr flachen Gehäuse, es unterstützt das angenehme Tragegefühl beim Anwinkeln des Handgelenkes.

Am Tag habe ich mich schnell mit der ungewöhnlichen Zeitanzeige arrangiert, des Nachts fehlt mir die Leuchtmasse. Die Nova ist halt eine Uhr für die schönen Stunden des Lebens, für die Kunstausstellung, das Theater und weniger für den Sport oder das Business, wo es auf die Minute oder die Sekunde ankommt. Dementsprechend reicht auch die Druckfestigkeit des Gehäuses von 3 Bar als Schutz vor Spritzwasser. Alltagstauglich ist die Uhr dennoch dank des kratzfesten Saphirglases.

Das schlichte Lederband wirkt an der Nova sehr edel und besitzt eine Dornschließe. Das Fehlen einer komfortablen Faltschließe ist im Grunde kein Komfortverlust, da man die Uhr am Handgelenk kaum spürt und sie den ganzen Tag am Arm belassen kann. Auf Wunsch kann bei Botta-Design dennoch eine Faltschließe als Extra bestellt werden.

Wertigkeit

Die Botta-Design Nova ist vom Design her so dass sie bei zufälligen Betrachtern für Erstaunen sorgen wird. Ihr Gegenwert entzieht sich so jeder Einordnung, was die Zielgruppe dieser Uhr begrüßen dürfte, da hier nicht das Image, sondern die Individualität im Vordergrund steht.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil einer flachen Armbanduhr ist die Tatsache, dass man mit ihr seltener irgendwo aneckt und diese somit weit weniger verkratzt als eine Uhr mit größerer Bauhöhe. Das passt gut zur zeitlosen Nova, denn ihr Design wird sich selbst in vielen Jahren noch nicht abgenutzt haben.

Fazit

Nun ja, es kam, wie es kommen musste: Für einen Bauhausdesign-verliebten Uhrenfan wie mich wirkt die Nova immer noch wie ein Zeitmesser aus einer anderen Welt – doch genau darin liegt für mich der Reiz: Nachdem ich Armbanduhren in beinahe jedem Design bereits an meinem Handgelenk begutachtet habe, ist es Klaus Botta gelungen, mir ein Uhr zum Test zu geben, der alle meine bisherigen Designvorstellungen gesprengt hat.

Ja, ich mag diese Uhr und habe mich schneller damit angefreundet, als gedacht. Uhren trage nämlich auch ich nicht nur um die Zeit abzulesen, sondern in erster Linie als Schmuck und als Ausdruck meiner Individualität. So kommt es meinem Designverständnis ganz entgegen, eine Uhr zu tragen, die neugierige Blicke geradezu provoziert, ohne unangenehm aufzufallen: Die Nova schreit in aller dezenten Deutlichkeit: Schau her, ich bin ein Designklassiker! Ich weiß, dass sie das Zeug dazu hat. Die Zeitanzeige wird da glatt zur Nebensache, diese Uhr ist eher eine Anleitung zum entspannten Umgang mit der Zeit.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Botta Design

Straße: Klosterstraße 15a

Ort: 61462 Königstein

Web: www.botta-design.de

517efb333