Test: Botta-Design UNO Titan – die neue Einzeit

Klaus Botta, der Erfinder der Einzeigeruhr hat sein erstes Modell UNO neu aufgelegt. Es heißt jetzt UNO+ in der vergrößerten Stahlversion und UNO Titan in der Leichtmetallvariante.

Die perfekt gestaltete UNO+ schmiegt sich an den Arm wie kaum eine zweite Uhr
Durch das seitlich abgeschrägte Gehäuse wirkt die nur 4,9 mm hohe Uhr noch flacher
Nüchtern und edel: Selbst die Rückseite der UNO+ ist ein Designstatement für sich
Auch die Schließe besteht aus ultraleichtem und hautfreundlichem Titan
Designeruhr im Maßanzug: Die Designer-Verpackung hat es in sich

Klaus Botta hat 1986 mit der UNO die Armbanduhr quasi neu erfunden. Während die ersten, aus den Taschenuhren hervorgegangenen Armbanduhren immer mindestens zwei Zeiger hatten, hatte die UNO wie die Sonnenuhren und auch die allerersten mechanischen Uhren nur einen Zeiger.

Die UNO ist der Klassiker unter den Einzeigeruhren: 12-Stunden-Zifferblatt, hoher Kontrast, gute Ablesbarkeit. Die Form folgt der Funktion, doch dazu später im Abschnitt Design. Neu sind in der gestesteten Version das gleichermaßen ultraleichte wie ultraflache 40 mm durchmessende Titangehäuse und der um 10 % auf 44 mm gewachsene Durchmesser der Stahlvariante UNO+. Auch die Automatikvariante ist jetzt mit 44 mm (und weiterhin mit 42 mm) Gehäusedurchmesser lieferbar.

Dieses und viele weitere Uhren bietet der geniale Industriedesigner, der schon immer ein Faible für Uhren hatte und sich mittlerweile fast ausschließlich um seine Uhrenlinie kümmert, über ausgesuchte Juweliere und Boutiquen sowie in seinem eigenen Webshop unter www.botta-design.de an.

Unboxing

Bereits beim Auspacken der Testuhr hatte ich meine helle Freude: Wurden die Armbanduhren von Botta-Design bisher bereits in einer schmucken Designerbox geliefert, so ist die neue Verpackung ein Designobjekt für sich. Auch wenn die Befreiung der Uhr aus der Röhre etwas Fingerspitzengefühl erfordert, so kann die Uhr in der runden Box glatt auch als Tischuhr dienen.

Ob jeder Käufer eine Designerwohnung sein eigen nennt, wage ich zu bezweifeln. Dennoch ist die UNO die richtige Uhr für Ästheten, Künstler und auch für klar strukturierte Menschen. Letztendlich gehört auch ein spezielles Lebensgefühl dazu: Nämlich das, nicht ständig auf die Uhr zu schauen und sich nicht durch das Leben hetzen zu lassen. Der Träger einer Einzeigeruhr genießt den Augenblick, statt ihn zu messen.

Die UNO Titan ist meiner Meinung nach die edelste Grundausstattung für die Zeitmessung und deutlich stilsicherer als der verstohlene oder gar unverblümte Blick auf das Smartphone, um den nächsten Termin nicht zu verpassen.

Design

Wie praktisch alle Uhren von Klaus Botta, so signalisiert auch die UNO Titan auf den ersten Blick: Schau her, ich bin eine Designeruhr! Dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn man sie in die Hand nimmt. Wirklich jeder Aspekt der Uhr ist bis ins kleinste Detail perfekt gestaltet, nur die Titanschließe scheint ein Standardmodell zu sein, aber immerhin ist sie auch aus dem hautfreundlichen Leichtmetall gefertigt.

Das Design fast aller seiner Uhren gestaltet Klaus Botta gemäß der Bauhaus-Devise „Form follows function“. Doch hat er die Gestaltungsmöglichkeiten weit über die engen Grenzen des Bauhausdesigns hinaus interpretiert und in seinem bisherigen Designerleben eine ganze Reihe interessanter Uhren gestaltet. Dennoch hat er dabei immer die Ablesbarkeit im Auge behalten, nur die von watchguide ebenfalls schon getestete Zeitraumuhr NOVA verfolgt ein anderes Designkonzept.

Die Ablesbarkeit der UNO Titan ist trotz des einen Zeigers fast auf die Minute genau möglich. Klaus Botta zieht gerne den Vergleich mit einem Messinstrument: Arabische Stundenindexe ermöglichen die perfekte Orientierung innerhalb des Tages und der eine Zeiger ist so lang, dass er fast bis an den Außenrand des Zifferblattes und der dort fein unterteilten 5-Minuten-Sklala reicht.

Wäre die UNO nie von anderen Herstellern kopiert worden, so wäre der Wiedererkennungswert einzigartig. Mit der neuen Botta-Design UNO Titan trägt man immerhin das Original am Arm. Dass die UNO Titan eine echte Designeruhr ist, wird spätestens dann deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass die „sichtbare“ Gehäusehöhe lediglich 2,9 mm beträgt. Die Gesamthöhe beträgt nur 4,9 mm. Die Gestaltung hat Klaus Botta beinahe unmerklich geändert: Sichtbar wird die Designkur, wenn man die 42 mm und die 44 mm Automatikvarianten miteinander vergleicht: Die Lünette ist noch ein wenig schmaler geworden und das Gehäuse wirkt jetzt noch flacher.

Technik

Da die Ablesbarkeit einer so klar im Sinne eines Messinstrumentes gestalteten Einzeigeruhr ganz hervorragend ist, fehlt es mir bei ihr nicht an einem zweiten Zeiger. Der würde nur die Bauhöhe der Uhr vergrößern, die Genauigkeit der Zeitanzeige aber weniger erhöhen, als vermutet. Klaus Botta: „Die Anzeige der UNO funktioniert so intuitiv wie der Tacho eines Autos. Niemand käme auf die Idee, einen Tacho mit mehreren Zeigern zu entwickeln, um die Ablesbarkeit zu erhöhen.“ Erst der dritte Zeiger, der Sekundenzeiger, sorgt – bei entsprechender Genauigkeit des Uhrwerkes und bei präziser Einstellung der Uhrzeit – für die genaue Zeitangabe.

Wer jetzt denkt, so eine Einzeigeruhr braucht kein genaues Uhrwerk, der irrt gewaltig: Zum einen ist eine Einzeigeruhr viel schwieriger einzustellen als eine Dreizeigeruhr und zum anderen wird eine Gangabweichung – wie bei einem permanent getragenen Automatik-Modell – viel später bemerkt. Deshalb ziehe ich auch als Mechanikuhren-Liebhaber bei einer im Wechsel mit anderen Uhren getragenen Einzeigeruhr ein Quarzwerk vor, um das rechtzeitige Eintreffen bei Terminen sicherzustellen.

Die UNO Titan hat ein Ronda-Uhrwerk aus der Schweiz, das aufgrund des nur einen Zeigers sehr effizient arbeitet. Das ist auch gut so, denn für den Austausch der Batterie würde ich persönlich die Uhr aufgrund der speziellen zweiteiligen Gehäusekonstruktion zum Hersteller einsenden, statt sie einem Wald- und Wiesen-Uhrmacher anzuvertrauen.

Ausstattung

Titan ist leicht, robust und hautfreundlich. Klaus Botta hat es bei der UNO Titan geschafft, das Leichtmetall so edel wirken zu lassen, dass ich beim Auspacken der Testuhr zweimal hinsehen musste, ob es Stahl oder Titan ist. Dann habe ich mich umso mehr auf den Test gefreut: Er hatte mir die Titanversion zum Test gesandt. Ich persönlich liebe Titan aufgrund seiner Hautfreundlichkeit und des unbeschwerten Tragegefühls.

Eine Besonderheit ist das zweiteilige Gehäuse: Anstelle eines abnehmbaren oder verschraubten Bodens wird das Gehäuse in der Mitte geteilt. So konnte Klaus Botta den Boden als eigenes Designobjekt gestalten. Eine andere Möglichkeit wäre ein einschaliges Gehäuse gewesen, was dann allerdings beim Batterietausch das Entfernen des Uhrglases erfordert hätte.

Durch das leicht gewölbte, beidseitig entspiegelte Saphirglas ist die recht schmale und obendrein etwas abgeschrägte Lünette einigermaßen gegen grobe Kratzer geschützt. Die Uhrzeit ist mit der winzigen Krone etwas fummelig einzustellen, doch das ist mir lieber als eine allzu große Krone, die deutlich mehr Angriffsfläche für unsanfte Stöße im Alltag bietet.

Handling

Die Haptik der 40 mm durchmessenden Titanausführung ist einfach genial: Das Gehäuse fühlt sich dank des Leichtmetalls stets warm an, da es mit nur 32 g Gesamtgewicht inklusive Lederband mangels Masse sofort die Körpertemperatur annimmt. Auch das schlichte Uhrband aus feinstem Leder fasst sich unglaublich gut an. Dank der ins Gehäuse integrierten Bandanstöße ist es perfekt mit der Uhr verbunden. Alternativ ist ein Kautschukband lieferbar.

Ein Hauch von Nichts, außer der Zeit: Die Designeruhr schmiegt sich ans Handgelenk wie keine zweite. Das nenne ich Alltagstauglichkeit. Die Uhr an den Arm legen und sie dort nur mit den Augen erspüren, wenn ich nach der Uhrzeit schaue.

Dabei ist nicht zu erwarten, dass man mit der flachen Uhr irgendwo hängenbleibt, wo eine Tellermine am Arm einer Prothese vergleichbare Unannehmlichkeiten bereiten würde. Schattenseiten? Die gibt es nur des Nachts, wenn man das Leben genießt und erst gar nicht auf die Uhr schaut, denn das Zifferblatt der UNO Titan bleibt des Nachts dunkel.

Wertigkeit

Dass das Design der UNO schon 30 Jahre auf dem Buckel hat, ist der Uhr nicht anzusehen. Sie wirkt nach wie vor modern. So ist auch nicht davon auszugehen, dass die UNO Titan in Jahrzehnten altbacken aussehen wird. Ganz im Gegenteil. Dank des Direktvertriebes ist mit exzellenter Preisstabilität und einem hohen Wiederverkaufswert zu rechnen, zumal es sich hier um eine echte Designeruhr eines renommierten Designers handelt.

Dennoch wird die UNO Titan bei den meisten Käufern wohl am Arm landen, auch wenn ein solcher Designklassiker das Sammeln allemal rechtfertigt. Die UNO ist eine durch und durch zeitlose Uhr mit bester Werthaltigkeit. Zeitlosigkeit also im doppelten Sinne: Eine zeitlose Uhr für Menschen, die das Leben genießen, ohne den Sekunden hinterher zu hecheln.

Fazit

Gäbe es die UNO nicht bereits seit drei Jahrzehnten, so würde die UNO Titan von der watchguide-Redaktion einen Designtipp erhalten. So bekommt sie die Würdigung, die ihr am gerechtesten wird: Sie ist ein Klassiker. Auch wenn es mittlerweile eine ganze Reihe ähnlicher Einzeigeruhren gibt: Mit der UNO Titan und der 50 Euro günstigeren Stahlversion UNO+ ist es Klaus Botta gelungen, seinen größten Klassiker neu auferstehen zu lassen – die UNO bleibt auch in der neuen Ausführung eine Design-Ikone.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Botta Design

Straße: Klosterstraße 15a

Ort: 61462 Königstein

Web: www.botta-design.de

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