Test: Chris Benz Deep 1000M Automatic – Zeit für Taucher und Schwimmer

Eine richtige Profi-Taucheruhr am Arm ist geradezu ein Bollwerk gegen eindringendes Wasser. Da eine solch maskuline und robuste Uhr oft auch im Alltag getragen wird, haben wir uns in der watchguide-Redaktion entschlossen, die Deep 1000M Automatic des Profi-Taucher-Ausrüsters Chris Benz einem Hands-on-Praxistest zu unterziehen.

Ablesbar ist die Chris Benz Deep 1000M Automatic sowohl über als auch unter Wasser hervorragend
Extralanges, für Neoprenanzüge geeignetes Band und griffige, in 120 Schritten rastende Lünette
Verschraubte und flankengeschützte Krone sowie ebenfalls verschraubtes Heliumventil
Kautschukband mit zusätzlichen Dehnungswellen, um mechanische Belastungen abzufangen
Der Markenname „Chris Benz“ ziert die Edelstahl-Dornschließe
Stilgerecht geliefert in einer Plastikflasche im Design einer Sauerstoff-Flasche für Taucher
Dekompressions-Tabelle auf dem Kautschuk-Uhrband, Bedienungsanleitung beiliegend
„Chris Benz“-Modell mit Quarzwerk und Zusatzfunktionen digitaler Tauchcomputer

Hochwertige Taucheruhren landen ja nicht unbedingt über dem Neoprenanzug in der Tiefsee und falls doch, so ist die mechanische Deep 1000M Automatic mit Heliumventil und Dekompressions-Tabelle auf dem Kautschuk-Uhrband bestens dafür gerüstet. Taucher tragen bisweilen eine mechanische Taucheruhr ergänzend zum Tauchcomputer als zusätzliche Sicherheit. Wer sie wirklich zum Tauchen einsetzen möchte, sollte allerdings einige Dinge beachten.

Taucheruhr ist nicht gleich Taucheruhr. Während Tauchcomputer die Dekompression beim Auftauchen berechnen und anzeigen können, ist bei einer herkömmlichen Taucheruhr mit Dekompressions-Tabelle Kopfrechnen angesagt. Erhältlich ist die Deep 1000M nebst weiterer mehr oder weniger druckfester Modelle mit Automatik- oder Quarzwerk, teils mit Zusatz­funktionen digitaler Tauchcomputer, beim Taucherausrüster und auch direkt im Onlineshop des Herstellers unter: shop.chrisbenz.de

Unboxing

Geliefert wird die Chris Benz Deep 1000M Automatic stilgerecht in einer Plastikflasche, deren Design an eine Sauerstoff-Flasche für Taucher erinnert. Beim Auspacken ist mir sofort klar: Das ist eine richtige Männeruhr, 45 mm groß, 16 mm hoch, robust, schwer. Moment mal, schwer? Mit dem extralangen, für Neopren­anzüge geeigneten Band drückt sie lediglich 135 g auf die Briefwaage. Für 100 ATM Druckfestigkeit ist das nicht viel. Dementsprechend trägt sie sich vergleichweise angenehm, manch edle Golduhr hat da das Nachsehen und ich hatte auch schon unbequemere Taucheruhren mit geringerer Druckfestigkeit am Arm. Dass man eine solche Uhr immer am Arm spürt, ist klar, doch ist das entscheidend?

Design

Einer der wichtigsten Punkte bei einer Taucheruhr ist die Ablesbarkeit. Sie muss nicht nur über Wasser, sondern auch unter Wasser gewährleistet sein. Hierzu ist ein starker Kontrast zwischen dem Zifferblatt und den aufgedruckten Stundenmarkierungen samt Zeigern erforderlich. Deshalb sehen viele Taucheruhren vom Design her sehr martialisch aus. Der Ablesbarkeit über Wasser schadet dies allerdings auch nicht.

Ablesbar ist die Chris Benz Deep 1000M Automatic sowohl über als auch unter Wasser hervorragend, unter Wasser allerdings nur bei geradem Blick auf das Zifferblatt. Schräg von der Seite sieht man nur Reflexe oder eine kräftige Spiegelung der Wasseroberfläche. Dieses Problem lösen nur wenige Taucheruhren durch eine spezielle Ölfüllung, wodurch sich ein mechanisches Uhrwerk ausschließt, da derzeit nur Quarzwerke entsprechend gekapselt montiert werden können.

Entscheidend für den Tauchvorgang ist neben der Ablesbarkeit des Zifferblattes auch die Bedienbarkeit. So darf eine Drehlünette zur Anzeige des restlichen Sauerstoffvorrates sich nur in eine Richtung verstellen lassen, damit die Minuten unter Wasser nicht länger und länger werden und am Ende die Zeit für den Dekompressionsvorgang beim Auftauchen fehlt.

Die einseitig in 120 Schritten rastende Lünette und die griffige, verschraubte und flanken­geschützte Krone der Deep 1000M sind optimal bedienbar. Daneben sitzt das ebenfalls verschraubte Heliumventil, durch das beim Auftauchen der Überdruck des eingedrungenen Heliums aus dem Atemgas entweichen kann, ohne das Uhrglas abzusprengen.

Technik

Wozu eine Taucheruhr? Viele hochwertige Uhren sind mittlerweile doch bis 5 ATM wasserdicht, was 50 m Wassertiefe entspricht – so tief tauchen doch die wenigsten? Der früher übliche Gehäuseaufdruck „30 m“ war insofern irre­führend, als dass die Uhr lediglich einer statischen Wassersäule von 30 m für eine bestimmte Zeit standhalten muss. Bewegt man die Uhr im Wasser oder gerät ein Wasserstrahl auf die Uhr, verhalten sich die Druckverhältnisse völlig anders, deshalb wird die Wasserresistenz heute zutreffender als Druckfestigkeit ange­geben.

Gelangt beim Duschen, Autowaschen oder Geschirrspülen ein Wasserstrahl auf eine Uhr, halten die Dichtungen, beispielsweise der Aufzugskrone, nicht unbedingt stand. Eine Druckfestigkeit von 3 ATM schützt die Uhr lediglich dahingehend, dass sich bei Temperaturwechsel kein Kondenswasser im Uhrwerk bildet, wodurch das Uhrwerk rosten könnte.

Erst mit einer bis 10 ATM druckfesten Uhr wähne ich mich beim Schwimmen, Rudern, Segeln oder dem Hantieren mit dem Hochdruckreiniger auf der sicheren Seite und würde bestimmte Zeitgenossen in der Sauna bisweilen gerne fragen, ob ihre Uhr am Handgelenk denn auch bis mindestens 20 ATM druckfest ist ...

Bei der klassischen Sonntagsuhr reicht eine Druckfestigkeit bis 3 ATM, die Alltagsuhr sollte 5 ATM aushalten, Schwimmen macht erst mit einer bis 10 ATM wasserdichten Uhr Sinn und eine Taucheruhr muss mindestens bis 20 ATM wasserdicht sein. Die Chris Benz Deep 1000M Automatic liegt also auf der sicheren Seite und eignet sich hervorragend für jedweden Wassersport mit jeder denkbaren Belastung.

Ausstattung

In der Praxis zählen bei einer Taucheruhr noch viel mehr Faktoren als bloß die Druckfestigkeit. Glas und Gehäuse müssen deutlich dicker sein als bei normalen Uhren. Insgesamt ergeben sich damit für mechanische Taucheruhren beacht­liche Gehäusehöhen von 15 mm und mehr, sie sind also noch dicker als Automatik-Chronographen. So ist die Automatikversion der getesteten Chris Benz Deep 1000M stattliche 16 mm dick und auch die Quarzversion liegt mit 13 mm nur knapp darunter.

Spricht man mit Sporttauchern, so führen diese ganz andere Dinge an, als wir bei Alltagsuhren im Fokus haben. Das Wichtigste ist weder das Gehäuse noch das Glas, sondern die Beschaffenheit und die Befestigung des Uhrbandes: Die von Chris Benz verwendeten Kautschukbänder haben zusätzliche Deh­nungs­wellen, um mechanische Belastungen abzu­fangen. Fängt das Band eventuelle Stöße nicht ab und sind die Bandanstöße dann nicht verschraubt oder zumindest durchbohrt, verliert der Taucher die Uhr bei der ersten starken mechanischen Belastung, wenn er unter Wasser mit der Uhr irgendwo aneckt oder hängen bleibt. Die Deep 1000M wird inzwischen auch mit einem hochwertigen Metallband aus Marine-Edelstahl mit Sicherheitsschließe angeboten.

Handling

Die „Chris Benz“-Kautschukbänder sind mit einer Dekompressionstabelle bedruckt, damit der mit Atemgas tauchende Taucher nicht unwissentlich zu schnell wieder auftaucht. Das im menschlichen Körpergewebe gebundene Gas muss in geringerer Wassertiefe langsam abgeatmet werden, damit sich durch den verminderten Druck keine lebensgefährlichen Gasbläschen im Gewebe bilden.

Beim einfachen Sporttauchen bis zu einer Tiefe von 40 m wird nur ein Sicherheitsstopp eingelegt, bei tieferem Tauchen verkompliziert sich die Berechnung notwendiger Pausen. Die Dekompressionszeit beginnt mit dem Aufstieg aus der größten Tauchtiefe und hängt vom verwendeten Atemgas und den Tauchbedingungen ab. Während Tauchcomputer ihre Berechnungen in Echtzeit ausführen, ist beim Tauchen nach Dekompressionstabelle nur die größte erreichte Tiefe von Bedeutung. Die mit Tauchcomputer berechnete Dekompressionszeit ist deshalb meist kürzer als die nach Tabelle.

Wertigkeit

Mit ihrem robusten japanischen Automatikuhrwerk ist die Chris Benz 1000M Automatic beinahe für die Ewigkeit gebaut. Das ist die Art von Uhren, die viele Leute an den Arm legen und dort vergessen. Damit machen sie sich bei Uhrensammlern und Geschäftleuten nicht immer beliebt, denn diese Klientel bevorzugen oft edlere Zeitmesser. Doch wer den Wassersport liebt und gleichzeitig eine robuste Alltagsuhr sucht, der liegt bei der Chris Benz genau richtig, falls ihm das Design zusagt.

Mir persönlich gefällt die Gestaltung besser als die von Tauchern üblicherweise getragenen Alternativen anderer Firmen, doch das ist Geschmacksache. Zum Anzug würde ich sie im Gegensatz zu der ein oder anderen Edel-Taucheruhr nicht tragen, eine Edel-Taucheruhr allerdings nicht beim Wassersport einsetzen, dies hat die ein oder andere meiner Uhren früher mit einem Totalausfall quittiert. Ein solcher ist hier nicht zu erwarten, weder beim Wassersport noch im Alltag.

Vom Wiederverkaufswert her kann und möchte ich diese Uhr nicht einschätzen, denn sie ist außerhalb der Taucherkreise unbekannt, was ich nicht unbedingt als Nachteil empfinde, da bei dieser Uhrengattung weder das Design noch der Markenname zählt, sondern die Zuverlässigkeit, und die stimmt bei der Deep 1000 M Automatic.

Fazit

Taucheruhren muss man mögen, oder man ist Taucher. Eine Taucheruhr am Arm wirkt immer sportlich-maskulin, aber nicht immer edel. Das muss jeder für sich selbst ausmachen. Jedenfalls gehört die Chris Benz Deep 1000M Automatic ganz eindeutig zu den schönsten Uhren ihrer Gattung und ist obendrein eine gehörige Portion druckfester als die meisten Alternativen in dieser Preisklasse. Somit bekommt sie von der Redaktion einen Taucher-Tipp. Ein weiteres Highlight ist das exzellente Preis-Leistungs-Verhältnis.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Chris Benz Watches

Straße: Schwieberdinger Str.105

Ort: 70825 Korntal-Münchingen

Web: www.chrisbenz.de

Shop: shop.chrisbenz.de

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