Test: Hacher Atlantis GMT - Chronograph mit Charakter

Hacher stellt seinen Sportchronographen Atlantis GMT in einer neuen Farbvariante vor. Als erstes Magazin überhaupt darf watchguide den Prototypen einem umfangreichen Hands-on-Praxistest unterziehen.

Die Hacher Atlantis GMT ist eine sehr funktionelle Sportuhr
Am Arm fällt die sportliche Uhr mit ihrem Karbonzifferblatt auf
Krone und Drücker der bis 5 ATM druckfesten Uhr sind verschraubt
Die Bauhöhe des robusten Automatik-Chronographen beträgt stolze 14 mm
Hier tickt das robuste Automatik-Chronographenwerk ETA Valjoux 7750
Gut geschützt: Die Uhr wird in einer staubdichten Schachtel geliefert

Jürgen Herzberger fand zur Uhrmacherei, als er in jungen Jahren bei Direktvertriebs-Pionier Helmut Sinn arbeitete. So gründete er 1991 seine eigene Uhrenmarke Hacher und begann, Armbanduhren vorwiegend an Sportwagenfahrer zu verkaufen. Seine zweite Leidenschaft, der Rallyesport, ermöglicht es ihm, für Autoclubs individualisierte Sonderserien aufzulegen. In so manchem Porscheclub gehört es zum guten Ton, eine Clubuhr von Hacher am Handgelenk zu tragen oder zumindest eine zu besitzen. Während Jürgen Herzberger Clubuhren vorwiegend auf Rallyes im persönlichen Kontakt anbietet, offeriert er auf seiner Website www.hacher-uhren.de eine kleine, feine Kollektion ausgesuchter Sportchronographen. Der Namenszusatz GMT deutet auf die zweite Zeitzone in Form einer drehbaren Lünette hin, die „Greenwich Mean Time“ dient anderen Zeitzonen als Bezugsgröße.

Unboxing

Die Atlantis GMT ist das robusteste Modell der Hacher-Kollektion. Zu den bereits angebotenen Varianten mit weißen bzw. roten Zeigern und Zahlen auf der Lünette gesellt sich nun eine türkise Version. Bereits die schmucklose Verpackung weist auf den funktionellen Charakter des Zeitmessers hin. Eine echte Männeruhr immenser Größe mit dem entsprechenden Gewicht. Mein Handgelenk ziert sie jedenfalls perfekt, Männer mit schmalen Handgelenken oder Frauen müssen hier passen. Oder etwa doch nicht? Doch dazu später mehr im Abschnitt „Handling“.

Design

Ein funktionelles Zeitmessinstrument trägt Mann der perfekten Ablesbarkeit wegen. Hier punktet die Hacher Atlantis GMT mit großen weißen Zeigern für die Uhrzeit bei Tag und Leuchtmasse auf Zeigern und Ziffern bei Nacht, wobei morgens nach 6 Stunden Dunkelheit nur noch die Zeiger leuchten. Nicht eingeweihte Betrachter werden es verwirrend finden, dass sich der große weiße Sekundenzeiger nicht bewegt, und die kleine permanente Sekunde übersehen. Wäre die kleine Sekunde weiß und die große Stoppsekunde grün, fände ich es logischer, doch so gefällt mir das Design besser. Eindeutiges Gestaltungs-Highlight ist das echte Karbonzifferblatt, welches den sehr technischen Charakter der Uhr unterstützt und sie gleichzeitig hochwertiger wirken lässt. Trotz seines Licht- und Schattenspiels beeinträchtigt es die Ablesbarkeit kaum, der Kontrast reicht immer für das schnelle und zweifelsfreie Ablesen der Uhrzeit. Das Markenlogo ist wie die Hilfszifferblätter der Totalisatoren einfach nur aufgedruckt und damit eher unauffällig, was ich persönlich begrüße, denn das markante Design der Uhr spricht für sich.

Technik

Als verlässlicher Motor der Uhr dient das altbewährte ETA Valjoux 7750 mit 42 Stunden Gangreserve. Neben der Uhrzeit, also Stunden, Minuten und kleiner Sekunde bei 9 Uhr, bietet es eine Datumsanzeige und in dieser Version auch eine Wochentagsscheibe sowie natürlich die Stoppfunktion mit großer Sekunde aus der Mitte, 30-Minuten-Totalisator bei 12 Uhr und 12-Stunden-Zähler bei 6 Uhr. Das sind immerhin 8, mit der GMT-Lünette für die zweite Uhrzeit sogar 9 Funktionen. Uhren der 7750-Baureihe laufen an meinem Handgelenk seit jeher völlig problemlos und meist erstaunlich genau. Nur vor einer Fehlbedienung der Stoppfunktion sollte man sich hüten. Außer beispielsweise Holzhacken macht die Uhr alles mit, was der Arm auch aushält. Jürgen Herzberger schalt das 30 mm durchmessende und 7,9 mm hohe Chronographen-Automatikwerk in seiner Grundausstattung ohne Finissierung ein. Warum auch nicht? Er und seine Käufer legen Wert auf die zuverlässige Funktion der Uhr im Alltag, nicht auf ein verziertes Uhrwerk. Umso schöner finde ich es, dass die Hacher-Uhr dennoch einen Glasboden besitzt und das ohne Verzierung sehr technisch wirkende Uhrwerk zeigt. Mir persönlich gefallen mechanische Uhrwerke bisweilen auch ohne aufwändige Finissierung, lediglich einen skelettierten Rotor hätte ich mir hier gewünscht, doch der mit dem Markennamen versehene Rotor ist quasi ein Markenzeichen der Hacher-Uhren seit Anbeginn.

Ausstattung

Das Gehäusematerial ist Edelstahl, wie sollte es bei einem solchen Zeitmesser auch anders sein? Außer dem Gehäuseboden und der Krone sind auch die Drücker und sogar die Bandstege vorbildlich verschraubt. Das edle Karbonzifferblatt wird durch ein kratzfestes und für bessere Ablesbarkeit innen entspiegeltes Saphirglas geschützt. Die GMT-Lünette weist wie die meisten Taucherlünetten eine einseitige Rastung auf. Das Kautschukband besitzt eine markante Dornschließe mit eingraviertem Hacher-Logo. Ein Lederband ist ebenfalls lieferbar. Bei der roten Variante ist es farblich passend abgesteppt, bei der türkisen gegebenenfalls auch.

Handling

43 mm Durchmesser und 14 mm Bauhöhe sind schlechte Voraussetzungen für ein gutes Tragegefühl. Am Arm stellt sich dann allerdings eine Überraschung ein: Mit ihrem speziell geformten Kautschukband spürt man die Uhr am normal proportionierten Handgelenk kaum, ich nehme sie trotz ihres recht ordentlichen Gewichtes von 125 g nicht deutlicher am Arm wahr als eine kleinere und halb so schwere Uhr. Die nächste Überraschung: Die Uhr passt durch die spezielle Formgebung des Kautschukbandes praktisch an jedes Handgelenk, zumal das Band in einem sehr weiten Bereich verstellt werden kann. Nur für extra starke Handgelenke ist ein längeres Band erforderlich, bei mir greift der Dorn der Schließe ins letzte Loch, daneben gibt es 7 weitere Löcher für schmalere Handgelenke. Die verschraubte Krone ist nicht ganz so griffig, da im äußeren Bereich nicht geriffelt. Die Bedienung ist dennoch kein Problem. Wer am Wochenende eine edle Handaufzugsuhr trägt, kann den Automatikchrono ja solange auf einem Uhrenbeweger präsentieren, damit am Montag Zeit, Datum und Wochentag noch stimmen. Die Drücker müssen zur Bedienung der Stoppfunktion erst gelöst und insbesondere vor dem Schwimmen wieder verschraubt werden. Verschraubt ergibt sich auch ein perfekter Schutz vor Stößen, den man im Alltag nicht unterschätzen sollte. Bei meinen Chronographen wurden im Alltag mehrfach nicht verschraubte Drücker beschädigt, die Reparatur war aber meist nicht teuer, nur eben lästig.

Wertigkeit

Meist werden funktionelle Uhren durch edle Materialien, schön finissierte Uhrwerke und nicht zuletzt aufgesetzte Firmenlogos unnötig teuer. Bei Jürgen Herzberger gibt es Zeitmesstechnik pur ohne unnötigen Schnickschnack, die durch ihr markantes Erscheinungsbild und ihre reine Funktion begeistert. Insider werden sie dennoch erkennen und zufällige Betrachter werden sie ganz sicher bemerken – und das nicht nur auf der nächsten Rallye. So ist die Frage nach dem Wiederverkaufswert der falsche Ansatz, obwohl die Hacher-Uhren durch den Direktvertrieb preisstabil verkauft und von der Zielgruppe wertgeschätzt werden. Meiner Meinung nach gibt es viel zu wenig solcher charakteristischen Männeruhren, die sich auf die technische Funktion beschränken.

Fazit

Die Hacher Atlantis GMT ist eine markante Männeruhr für den rauen Alltag, keine Schmuckuhr für die Vernissage. Sie passt an jedem Handgelenk besser zu T-Shirt und Lederjacke als zu Hemd und Anzug. Dafür darf sie dank ihrer robusten und druckfesten Bauart im Alltag dann auch überall mit hin. Eine Uhr mehr zum Tragen, weniger für die Sammler-Schublade. So punktet sie insbesondere auch mit dem unverwüstlichen automatischen Chronographenwerk, welches für eine lange, zuverlässige Funktion der Uhr ohne Batteriewechsel sorgt.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Hacher Uhren GmbH, Jürgen Herzberger

Straße: Orber Straße 4a

Ort: 60386 Frankfurt am Main

Web: www.hacher-uhren.de

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