Test: Jean Marcel Nano 3900 – flach, flacher, minimalistisch

Die Jean Marcel Nano 3900 gehört mit 40 mm Durchmesser und nicht einmal 4 mm Bauhöhe zu den flachsten Uhren der Welt. Grund genug für die watchguide-Redaktion, das Modell 160.390.32 einem Hands-on-Praxistest zu unterziehen.

Perfekte Ablesbarkeit dank klarer Zifferblattgestaltung
Der rote Schriftzug weist dezent auf das ultimativ flache Gehäuse hin
Mit ihren 40 mm Gehäusedurchmesser wirkt die Uhr an den meisten Handgelenken wohlproportioniert
Mit knapp 4 mm Höhe gehört die Jean Marcel Nano 3900 zu den flachsten Uhren der Welt
Der gedrückte Gehäuseboden trägt neben der Modell- die Limitierungsnummer
Die Dornschließe des bequemen Armbandes trägt den Jean Marcel Schriftzug
Weitere Modelle der Jean Marcel Nano 3900 (Foto: Hersteller)
Die vermeintliche Imagebroschüre im Karton entpuppte sich als Uhrenumverpackung

Was ist eine „richtige“ Uhr? Hierüber gehen die Meinungen ganz sicher weit auseinander. Für den einen ist es eine selbstaufziehende Automatikuhr, für den Nächsten ein markanter Chronograph und für den Dritten muss eine der ganz großen Schweizer Marken auf dem Zifferblatt stehen.

Mit der Jean Marcel Nano 3900 kommt nun eine Uhr auf den Markt, die von allem weniger bietet: Weniger Zeiger, weniger Gehäusehöhe und nicht die Bekanntheit der ganz großen Marken. Genau darin liegt der Reiz. Erhältlich ist diese ultimativ flache Uhr nur bei ausgesuchten Juwelieren und direkt vom Hersteller unter:
www.jeanmarcel.com

Auch mit Quarzwerk stößt die Nano 3900 meiner Meinung nach in die Regionen höchster Uhrmacherkunst vor. Gegenüber früheren flachen Uhrenschönheiten besitzt die Nano einen stattlichen Gehäusedurchmesser von 40 mm, was nicht nur dem Design, sondern auch der Ablesbarkeit zu Gute kommt.

Unboxing

Als ich die Testuhr im Verlag abgeholt habe, kam es zunächst zu einem Missverständnis: „Wer hat denn die Jean Marcel Uhr?“ – „Wieso, ist die denn nicht im Paket? Da war doch niemand dran.“ Nanu? Also habe ich noch mal nachgesehen: Da war nur eine A4-Broschüre, die hätte der Hersteller auch in einem Umschlag senden können. Nana? Wo ist die Uhr? Also habe ich die Broschüre aufgeklappt, ob dort ein Lieferschein ist. Nun die Überraschung: Nano! Die vermeintliche Imagebroschüre ist die Uhrenverpackung! Beim Aufklappen liegt fein säuberlich die ultimativ flache Uhr in der extra flachen Kartonage.

Wow, das kannte ich bisher nur von der ebenfalls einigermaßen flachen Chromachron Edition Tian Harlan aus meiner Jugendzeit, einer Uhr, die ich damals sehr gerne getragen habe, da sie kaum am Arm zu spüren war. Also freute ich mich nun umso mehr auf den Test, auch wenn meine persönliche Uhrenleidenschaft sich im Laufe der Jahre in Richtung mehr oder weniger komplizierter mechanischer Uhren entwickelt hat. Ob ich mit der Nano 3900 rückfällig werde und wieder flache Quarzuhren trage?

Design

Die Ablesbarkeit einer so klar gestalteten Uhr ist einfach nur perfekt: Die Jean Marcel Nano 3900 gibt es in derzeit 9 unterschiedlichen Modellkombinationen, die dank der nur zwei Zeiger in entsprechendem Licht auch bei den Varianten mit geringerem Zifferblattkontrast immer ablesbar ist.

Außer diesem Zifferblattlayout mit Stundenindexen gibt es auch Variationen mit römischen und seit kurzem auch mit arabischen Ziffern – welche ich persönlich besonders gelungen finde. Die unterschiedlichen Zifferblattdesigns dienen der individuellen Modellvielfalt, der stets in Rot gehaltene Schriftzug „3900µ“ der Wiedererkennung.

Auch eine so elegant zurückhaltende Uhr kann mit viel Liebe zum Detail gestaltet werden: Das Firmenlogo zeigt sich auf der Krone und dem Zifferblatt, der ausgeschriebene Schriftzug auf der Dornschließe und ebenfalls auf dem Zifferblatt. Die Armbänder passen perfekt zur Uhr.

Technik

Wie bereits beim Vorgängermodell „Ultraflach“, so folgt auch die Nano 3900 der Bauhaus-Maxime „Form follows function“. Dennoch geht das neue Modell noch einen Schritt weiter: Sie unterbietet die bereits 4,5 mm dünne Ultraflach um weitere 0,6 mm und ist damit eine der flachsten Uhren der Welt.

Möglich wurde dies durch ein speziell für Jean Marcel angefertigtes Uhrwerk des Typs ISA 127 reduit, welches dank Schweizer Herkunft qualitativ über jeden Zweifel erhaben sein dürfte. Somit braucht man sich um die Lebensdauer und die Servicefreundlichkeit keine Gedanken zu machen, eine Quarzuhr ist hier ja ohnehin vergleichsweise anspruchslos.

Ausstattung

Bei einer so flachen Uhr ist Stahl das einzig sinnvolle Gehäusematerial, alles andere wäre einfach nicht robust genug für den Alltag. Weder die Lünette noch die Gehäuseflanken bieten viel Angriffsfläche für Kratzer und trotz der geringen Gesamthöhe hat die Uhr ein kratzfestes Saphirglas. Auch die winzige Krone hat keine großen Schläge zu befürchten, für das genaue Stellen der zwei Zeiger reicht sie allemal.

Diese Modellvariante der Nano bietet für höchsten Tragekomfort ein Original Horween 1905 Kalbslederband mit einer weichen Unterlage aus Nappaleder. Auch wenn ich normalerweise Faltschließen bevorzuge, so harmoniert eine Dornschließe einfach besser mit einer so flachen Uhr.

Handling

Diese ultimativ flache Jean Marcel Uhr trägt sich wunderbar leicht: Man spürt sie kaum am Arm und braucht keine Sorge zu haben, mit ihr im Alltag irgendwo hängen zu bleiben und die Uhr zu beschädigen.

Auch wenn man meint, gar keine Uhr am Arm zu tragen, so ist das Ablesen der Zeit auf der Nano dennoch zehnmal angenehmer als auf dem Smartphone – ganz zu schweigen von dem deutlich besseren Eindruck, den das Ablesen der Uhrzeit auf einer richtigen Uhr im gesellschaftlichen und geschäftlichen Umfeld hinterlässt.

Wertigkeit

Mechanische Uhren werden oft „fürs Leben“ gekauft, gesammelt oder gar als Wertanlage betrachtet, Quarzuhren selten. Die Jean Marcel Nano 3900 hat zwar ein Quarzwerk, ihr zeitloses Design wird jedoch auch in Jahrzehnten noch ansehnlich sein, so dass es sich auch ohne allzu großen Wiederverkaufswert lohnen wird, diese Uhr pfleglich zu behandeln.

Die Nano ist eher eine Uhr zum Tragen als zum Sammeln, zumal sie trotz des exklusiven Uhrwerkes den Geldbeutel kaum belastet und nicht einmal so sehr viel teurer ist als das Vorgängermodell Ultraflach. Auch wenn sie teurer ist als so manch andere Quarzuhr, so spielt die Nano 3900 dabei jedoch in einer ganz anderen Liga. Ursprünglich als Hersteller rein mechanischer Uhren bekannt, wird Jean Marcel mit diesem Geniestreich trotz Quarzwerk weiter an Markenbekanntheit und Image gewinnen.

Fazit

Waren besonders flache Uhren früher nur als Sonntagsuhren gedacht, so ist die Jean Marcel Nano 3900 mit ihrem Stahlgehäuse, der Druckfestigkeit bis 3 ATM und dem Saphirglas durchaus alltagstauglich. Da eine so flache und damit angenehm zu tragende Uhr wirklich etwas Außergewöhnliches ist und wir auch das Design sehr gelungen finden, bekommt die Nano 3900 von der Redaktion einen Technik-Tipp. Als weitere Besonderheit ist jede Modellvariante wie alle Jean Marcel Uhren auf 300 Exemplare limitiert.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Jean Marcel Montres GmbH

Straße: Schulstraße 10

Ort: 76532 Baden-Baden

Web: www.jeanmarcel.com

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