Test: Jean Marcel Palmarium Automatik - Ein mystischer Moment

Woran erkennt man eigentlich, dass eine Uhr original ist und nicht gefälscht? Damit Sie die Authentizität beweisen können, hat sich Jean Marcel etwas Mystisches einfallen lassen. Als erstes Magazin unterzieht watchguide zwei Automatikmodelle der brandneuen Palmarium-Serie dem ausführlichen Hands-on-Praxistest.

Das Milanaise-Metallgeflechtband passt hervorragend zum Palmarium-Gehäuse
Wochentag und Datum sind bei diesen Palmarium-Modellen einzigartig angeordnet
Die Zeiger der schwarzen Variante sind für bessere Ablesbarkeit gewölbt statt plan
Diese Variante der Palmarium verzichtet auf Leuchtmasse für die Nachtablesbarkeit
Mystery Effect: Beim Anhauchen der Uhr erscheint das Jean Marcel Logo
Die nach unten gezogenen Bandanstöße erhöhen den Tragekomfort
Der Gehäuseboden zeigt durch einen Saphirglaseinsatz das Automatikwerk
Das Milanaiseband hat eine Sicherheitsfaltschließe und kann gekürzt werden
Jede Uhr der Palmarium-Serie ist auf 300 Exemplare limitiert
Die Jean Marcel Palmarium Uhren werden in einer edlen Klavierlackbox ausgeliefert

Wie alle Jean Marcel Uhren, so sind auch die getesteten Modelle 565.271.32 und 560.271.55 direkt online auf der Homepage des Herstellers unter www.jeanmarcel.com erhältlich. Um es vorwegzunehmen: Der Unterschied zwischen Original und Fälschung mag nur ein Hauch sein, den die Fälscher der Uhr nicht nachmachen können, denn neben Uhren, Bändern und Verpackungen werden mittlerweile sogar Bedienungsanleitungen und Zertifikate gefälscht. 

Unboxing

Die Jean Marcel Automatikuhren werden in einer wunderschönen klavierlackierten Holzbox ausgeliefert, in deren Innern sich außer der Uhr ein Zertifikat über die Gangprüfung bei der Endkontrolle und ein Tuch zum Polieren der Uhr befindet. Das ganze Arrangement sieht sehr, sehr hochwertig aus.

Design

Beide getesteten Jean Marcel Palmarium Automatikuhren haben unterschiedliche Zifferblätter und Gehäusefarben mit dem jeweils passenden Metallgeflechtband. Außerdem sind weitere Zifferblattvarianten und unterschiedliche Lederbänder lieferbar, insgesamt umfasst die Palmarium-Kollektion kurz nach ihrem Erscheinen bereits 16 Uhren.

Besonderheit des Designs ist die außergewöhnliche Zifferblattgestaltung, was die Anzeige des Wochentages und des Datums angeht. Normalerweise sind beide nebeneinander bei 3 Uhr platziert oder der Wochentag oben bei 12 Uhr oder unten bei 6 Uhr. Eine senkrechte Anordnung hat es bisher genauso wenig gegeben wie die waagerechte Anordnung mitten in der unteren Zifferblatthälfte.

Die Ziffern bzw. Indexe sind auf das Zifferblatt aufgesetzt, das Firmenlogo nicht. In der Gehäuseflanke gegenüber der Krone ist die Nummer der Limitierung eingraviert. Die beiden getesteten Versionen haben unterschiedliche Zeiger, die des hellen Modells sind plan, die der dunklen Variante für eine bessere Ablesbarkeit vor dem schwarzen Zifferblatt gewölbt.

Technik

Jean Marcel schalt grundsätzlich Schweizer Uhrwerke in schöner Finissierung ein, die in den Testuhren verwendeten mechanischen Automatik-Uhrwerke JM A35 auf Basis des ETA 2836-2 bieten neben der Uhrzeit mit Sekundenzeiger aus der Mitte eine Datums- und Wochentagsanzeige. 

Diese robusten Dauerläufer zeichnen sich durch ihre Servicefreundlichkeit aufgrund ihrer hohen Verbreitung aus. Somit wird die Ersatzteilversorgung auch in Jahrzehnten noch gesichert sein, zumal viele dieser Uhren auch erst dann eine Revision benötigen werden. Lediglich täglich getragene Uhren müssen evtl. früher zum Uhrmacher, falls die Ganggenauigkeit nach Jahren einmal nachlässt.

Ausstattung

Einzigartiges Highlight der Palmarium-Serie ist das mehrfach beschichtete Saphirglas. Haucht man es an, so zeigt sich durch den Jean Marcel „Mystery Effect“ das Firmenlogo bei 12 Uhr als Beweis der Echtheit der Uhr. So unterscheidet sich die Uhr durch einen Hauch von allen anderen Uhren sowie von eventuellen Kopien, da die spezielle Beschichtungstechnologie nicht so einfach kopiert werden kann. Egal unter welcher Lichtquelle man das Zifferblatt auch betrachtet, das Firmenlogo zeigt sich erst nach dem Anhauchen.

Die Gehäuse beider Uhren und auch der Bänder bestehen aus Stahl, die Lünette ist poliert, das Gehäuse weist einen Seidenschliff auf. Der verschraubte Gehäuseboden hat einen Saphirglaseinsatz. Die schwarze Uhr ist mitsamt Milanaiseband PVD-beschichtet. Das Metallgeflechtband kann durch herausnehmbare Glieder gekürzt werden und ist in der Standardeinstellung für meinen Arm zu groß. Die Faltschließe besitzt einen Sicherungsbügel. Gegenüber der Version mit Lederband kostet die Version mit Milanaiseband etwa 100 Euro Aufpreis.

Handling

Das Tragegefühl der mit knapp 150 g inklusive Band recht leichten Uhr ist dank ihrer idealen Größe von 43 mm ohne Krone und ihrer bei diesem Durchmesser vergleichsweise geringen Bauhöhe von 11 mm ausgezeichnet. Die Uhr wirkt an meinem Arm deutlich kleiner, als sie tatsächlich ist. Früher konnte ich mir nicht vorstellen, Uhren über 42 mm zu tragen, heute nehme ich die Proportionen der Palmarium Automatik als optimal wahr. Mit dem Milanaise-Metallgeflechtband empfinde ich sie keinesfalls als störend am Arm. 

Ist das Band durch Herausnehmen überflüssiger Metallglieder einmal auf den Träger angepasst, kann seine Länge an der Schließe von Sommer auf Winter umgestellt werden. Lediglich an die Bedienung der Sicherheitsfaltschließe muss man sich gewöhnen. Die zahlreichen erhältlichen Lederbänder dürften mindestens den gleichen Tragekomfort bieten, zumal die Uhr selbst nur etwa 75 g wiegt, mit Lederband also unter 100 g.

Die kleine Krone bietet zwar keine Verschraubung, aber auch nur wenig Angriffsfläche für Beschädigungen. Zum Einstellen der Uhr reicht sie allemal, ein tägliches Aufziehen ist dank des automatischen Uhrwerkes mit seinen 40 Stunden Gangreserve nach Vollaufzug durch Bewegung ja nicht erforderlich. Wer am Wochenende eine edle Handaufzugsuhr trägt, kann die Automatikuhr ja solange auf einem Uhrenbeweger zur Schau stellen, damit am Montag Zeit, Datum und Wochentag noch stimmen.

Obwohl die Krone nicht verschraubt ist, hat die Jean Marcel Palmarium eine Wasserdichtigkeit bis 10 ATM, entsprechend einer statischen Wassersäule von 100 m, also mehr als genug für den Alltag mit Schwimmen, Duschen und Autowaschen. Nur die Sauna mit dem anschließenden Kaltwasserbecken oder Salzwasser würde ich generell jeder Uhr ersparen. Was mir persönlich an einer solchen Alltagsuhr fehlt, ist die Leuchtmasse für die Nachtablesbarkeit, über welche nur die dunkle Variante verfügt.

Wertigkeit

Mit ihrer abgerundeten Lünette ist die Palmarium-Automatikuhr relativ unanfällig für Kratzer im Alltag und zumindest die unbeschichtete Variante kann nach Jahren problemlos wieder aufpoliert werden. Die schwarze PVD-Beschichtung hingegen bekommt schnell die entsprechende Patina einer getragenen Uhr und dieses Modell dürfte sich dann nur schlecht wieder verkaufen lassen, wohingegen die Stahlvariante aufgrund des günstigen Kaufpreises nicht viel an Wert verlieren wird, zumal Jean Marcel Uhren nach ihrem Relaunch ein unverwechselbares Markengesicht haben und fortlaufend an Image gewinnen.

Fazit

Die getesteten Jean Marcel Automatikuhren 565.271.32 und 560.271.55 schaffen elegant den Spagat zwischen Alltags- und Ausgeh-Uhr. Sie passen sowohl zu Jeans und T-Shirt als auch zu Anzug und Krawatte. Das gleichsam edle und sportliche Design gefällt den meisten Betrachtern, dennoch haben die Uhren dank ihrer ungewöhnlichen Wochentags- und Datumsanordnung ein ganz eigenes Gesicht. Die Individualität wird durch den Jean Marcel „Mystery Effect“, durch den sich das Markenlogo beim Anhauchen des Uhrglases zeigt, noch verstärkt. Unter dem interessanten Zifferblatt mit dem typischen Markengesicht findet sich ein robustes und uneingeschränkt alltagstaugliches Automatikuhrwerk aus der Schweiz, welches lange ungetrübte Freude an den Uhren verspricht. Insgesamt jeweils eine tolle Uhr zu einem sehr fairen Preis.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Jean Marcel Montres GmbH

Straße: Schulstraße 10

Ort: 76532 Baden-Baden

Web: www.jeanmarcel.com

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