Test: Jean Marcel – senkrecht am Limit

Die Jean Marcel Palmarium 660.270.32 Vertical Limit ist ein mechanischer Chronograph mit einer ganz besonderen Funktion: Als mittlerer von drei vertikal angeordneten Totalisatoren wurde eine heutzutage selten zu findende Telemeteranzeige integriert.

Der linke Drücker startet und stoppt die Zeitmessung, der rechte stellt sie auf null zurück
Die große Uhr passt dank heruntergezogener Bandanstöße an fast jedes Handgelenk
Jean Marcel Vertical Limit Chronographen haben eine einzigartige Zifferblattanordnung
Trotz der rechteckigen Chronographen-Drücker ist die Uhr druckfest bis 10 ATM
Bei allen Jean Marcel Automatikuhren handelt es sich um limitierte Editionen
Die Lederband-Version besitzt eine Butterfly-Doppelfaltschließe mit zwei Drückern
Der Palmarium-Chrono ist als Modell 560.270.32 auch mit einem Milanaise-Metallgeflechtband erhältlich
Im Palmarium 660.270.32 arbeitet ein automatisches Chronographen-Uhrwerk ETA Valjoux 7750
Geliefert wird der Jean Marcel Palmarium 660.270.32 Vertical Limit in einer schönen Holzbox

Der neueste Uhrentest auf watchguide.de behandelt eine Uhr, die es wie den watchguide selbst nur online gibt: Der Jean Marcel Palmarium Chronograph ist ausschließlich über die JM-Homepage www.jeanmarcel.com erhältlich. Den automatischen Zeitnehmer gibt es in zwei Zifferblatt-Ausführungen und mit sechs verschiedenen Armbandvarianten. Der Uhren-liebhaber hat die Wahl zwischen Kalbslederband mit Krokoprägung oder original Horween-1905-Lederarmband sowie Rochenlederband, Milanaiseband, Kautschukband und - wie beim hier getesteten Modell 660.270.32 - mit italienischem Kalbslederarmband in Vintage-Optik.

Unboxing

Geliefert wird die Jean Marcel Palmarium 660.270.32 Vertical Limit in einer schönen Holzbox mit Umkarton und einem mit dem Foto dieses Modells bedrucktem Poliertuch. Erster Eindruck nach Entfernen der Schutzfolie: Tolle Uhr! Das ungewöhnliche Design gefällt auf Anhieb und die 43 mm große Uhr wirkt keinesfalls klobig, sondern zumindest an meinem Handgelenk wohlproportioniert. Montiert ist an der Uhr ein italienisches Kalbslederarmband in Vintage-Optik.

Design

Vertikal angeordnete Totalisatoren, Wochentag und Datum jeweils im Minuten- und Stundentotalisator integriert: Jean Marcel hat es mit der Palmarium Vertical Limit geschafft, eine Uhr zu entwerfen, die trotz des hohen Wiedererkennungswertes an fast jedem Handgelenk harmonisch wirkt. Sie ist ein Hingucker und dennoch alles andere als protzig. Sie wirkt technisch und gleichzeitig elegant. Das muss Jean Marcel erst einmal ein Uhrendesigner nachmachen – wenn er es denn dürfte, denn das wunderschöne Design ist geschützt.

Hinzu kommt eine heutzutage selten zu findende Telemeteranzeige in der Zifferblattmitte. Dank Telemeterskala lässt sich beispielsweise die Entfernung eines Gewitters bestimmen: In drei Sekunden legt der Schall einen Kilometer Wegstrecke zurück. Die Zeitdifferenz vom Blitz bis zum Donner gibt einen Hinweis auf die räumliche Distanz zum Unwetter.

Auch wenn Uhren im Handy-Zeitalter von vielen Menschen eher als Schmuck denn als Notwendigkeit getragen werden, so wandert mein Blick dennoch immer zuerst auf die Uhr und nicht auf das Handy, wenn ich die Zeit wissen möchte. So ist eine gute Ablesbarkeit für mich eines der wichtigsten Kaufkriterien bei einer Uhr. Die Ablesbarkeit der Uhrzeit ist bei der Palmarium Vertical Limit sowohl am Tag als auch bei Nacht sehr gut. Weniger gut erkennbar ist die senkrechte Wochentagsanzeige unter dem Stopp-sekundenzeiger, zumal diese aus Designgründen weiße Schrift auf schwarzem Grund aufweist.

Krone und Drücker halten in ihrer Bedienbarkeit, was die Ablesbarkeit sowie die hervorragende Haptik des Gehäuses verspricht. Uhrzeit und Datum lassen sich perfekt einstellen und die Drücker bieten exakte Druckpunkte. Die „Butterflyschließe“ genannte Doppelfaltschließe des Vintage-Lederbandes besitzt zwei seitliche Drücker, damit sich das Band nicht versehentlich öffnet, wie es bei Metallbändern mit nur einem Drücker in der Praxis häufiger passiert.

Technik

Für die meisten Uhrensammler ist das Uhrwerk ein entscheidendes Kaufkriterium bei einer Uhr. Oft werden seltene Uhrwerke bevorzugt, deren Alltagstauglichkeit durch das hier verwendete Großserienkaliber ETA Valjoux 7750 deutlich übertroffen wird. Dieses mechanische Chronographenwerk mit automatischem Aufzug gehört gerade aufgrund seiner Zuverlässigkeit in allen Varianten zu meinen Lieblingsuhrwerken.

Ausstattung

Das geschickte Gehäusedesign macht die Uhr zu fast jedem Handgelenk kompatibel: Das Zifferblatt ist im Vergleich zum Durchmesser der Uhr recht klein, lässt die Uhr somit auch an kleinen Handgelenken harmonisch wirken und durch die immerhin 43 mm Durchmesser wirkt die Uhr auch an starken Männerarmen keinesfalls verloren.

Das Band ist selbst für mein gut ausgeprägtes Handgelenk mehr als hinreichend lang und von der Form her passt die Uhr sogar an Frauenhandgelenke. Alle verfügbaren Bänder sind mit einer speziellen JM-Doppelfaltschließe ausgestattet.

Handling

Bei Chronographen mit rechteckigen Drückern ist eine gute Druckfestigkeit keine Selbst-verständlichkeit, Jean Marcel ist es sogar gelungen, die Uhr bis 10 ATM druckfest zu konstruieren, was einer statischen Wassersäule von 100 m entspricht. Da eine Sicherheitsreserve vorhanden sein sollte, sollte man sie in der Praxis nicht bis 100 m Tauchtiefe einsetzen, zumal sie sich bei Anströmung anders verhält - Duschen oder Autowaschen ist bei 10 ATM Druckfestigkeit jedenfalls unproblematisch. Unter Wasser darf man die Drücker allerdings nicht betätigen. Drücker und Krone sind zwar nicht verschraubt, aber dennoch hinreichend flach konstruiert, um bei unsanften Kontakten mit der Außenwelt keine gefährliche Angriffsfläche zu bieten.

Das Tragegefühl der recht großen Uhr ist unbeschreiblich bequem: Das geschickt verrundete Gehäuse macht die Uhr zum Handschmeichler. Das Gesamtgewicht liegt noch deutlich unter 200 Gramm und ist damit nicht wesentlich höher als das Gewicht beispielsweise einer rechteckigen Dreizeigeruhr aus gleichem Hause.

Wertigkeit

Die Palmarium Vertical Limit weist ein außerordentlich robustes Uhrwerk auf, welches dank Großserientechnik auch in Jahrzehnten noch repariert werden kann. Somit ist bei guter Pflege eine lange Lebensdauer zu erwarten, welche durch das Gehäusedesign noch unterstützt wird: Nach jahrelanger Strapaze im Alltag kann die Uhr dank ihres Stahlgehäuses und die geschickte Gestaltung jederzeit aufpoliert werden und sieht dann wieder wie neu aus, solange die Kratzer nicht allzu tief sind. So ist dieser Jean Marcel Chrono eine gute Investition und lässt bei pfleglicher Behandlung einen exzellenten Wiederverkaufswert erwarten, falls sie später einmal einer anderen Uhr weichen soll. Ergänzend kommt hinzu, dass aufgrund des Direktvertriebes kein Preisverfall zu erwarten ist.

Fazit

Bei der Jean Marcel Palmarium Vertical Limit 660.270.32 handelt es sich um eine wunderschöne, durchweg alltagstaugliche Uhr mit automatischem Chronographenwerk, die mit ihrem außergewöhnlichen Design positiv aus der Masse heraussticht, ohne sich protzig in den Vordergrund zu drängen. Aufgrund des formschönen Gehäuses und der hochwertigen Verarbeitung macht sie praktisch an jedem Männerhandgelenk eine gute Figur und bietet ein für Chronographen ungewöhnlich komfortables Tragegefühl. Hinzu kommt ein für diese Qualität und das Alleinstellungsmerkmal beim Design erstaunlich günstiger Preis, eine Limitierung, die aufgrund des typischen Markengesichtes die Wiedererkennung wahrt.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Jean Marcel Montres GmbH

Straße: Schulstraße 10

Ort: 76532 Baden-Baden

Web: www.jeanmarcel.com

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