Test: Nomos Club Automat Datum Atlantik – edles Understatement für den Alltag

Nomos baut edle Alltagsuhren, da ist die Club Automat Datum Atlantik keine Ausnahme, sondern eher eine Bestätigung und Weiterentwicklung innerhalb der Nomos-Linie, denn sie ist als Modell der Aqua-Serie bis 20 ATM druckfest. Grund genug für watchguide, eine so unauffällig elegante Uhr in den Hands-on-Praxistest zu nehmen, zumal das hauseigene Nomos-Swing-System mit an Bord ist.

Nomos-Designperfektion
Die Club sitzt wie angegossen am Arm
Die kleine rote Sekunde ist das Markenzeichen der Club-Linie
Die Nomos-Club-Uhren machen überall eine gute Figur
Gerade in künstlerischer Umgebung fühlt sich die Club wohl
Trotz kleiner Sekunde ist ein exquisites Automatikwerk eingeschalt
Wunderschön eigenständige, von Nomos als Flügelschließe bezeichnete Doppel-Dornschließe
Die Nomos wird in einem schlanken, edel anmutenden Etui geliefert

Die Club erschien bereits vor vielen Jahren als preiswerte Uhr für Einsteiger in die Nomos-Welt, für Studenten oder auch als Geschenk für Abiturienten, denn eine Nomos war mit ihrer schlichten Formensprache schon immer etwas Besonderes – und da ist die Club keine Ausnahme, auch wenn sie schon damals mit ihrer konträr zu den anderen Modellen stehenden weichen Formensprache polarisiert hat. Auch heute gibt es die Club noch in einer preiswerten Variante – und doch haben wir uns für das bis 20 ATM druckfeste Aqua-Modell der Club entschie­den, denn die einer Wassertiefe von 200 m entsprechende Druckfestigkeit prädesti­niert die Uhr dazu, sie selbst beim Schwimmen bedenkenlos am Arm zu belassen. Erhältlich sind die Nomos-Uhren über ein flächendeckendes Händlernetz und auch über den Webshop des Herstellers unter: www.nomos-store.com

Unboxing

Statt in einer pompösen Uhrenbox wird die Nomos in einem schlanken, edel anmutenden Etui geliefert, welches hervorragend zu der Idee dieser Uhr passt. Selbst die Bedienungsanleitung trägt mit dem typischen Nomos-Charme dazu bei, dass man sich auf Anhieb mit dieser Uhr wohlfühlt.

Design

Das Design ist in einer seltenen Harmonie unauffällig jederzeit zweifelsfrei wiedererkenn­bar, mit dem typischen Nomos-Zifferblatt aus abwechselnden Indexen und arabischen Ziffern, wie sie damals von vielen Pforzheimer Herstellern verwendet wurden und heute fast nur noch bei Nomos anzutreffen sind.

Bei der Club sind diese Zahlen und Indexe im wunderschönen Outline-Druck auf das Zifferblatt aufgebracht und innen mit Leuchtmasse belegt, ebenso tragen die silberfarbenen Stahlzeiger gut erkennbare Leuchtmassenintarsien, nur der rote, vorwitzig verspielte Sekundenzeiger kommt quasi als Markenzeichen der Club-Linie ohne Leuchtmasse aus – willkommen im Club!

Das Firmenlogo ist dezent auf das Zifferblatt aufgedruckt – alles andere würde dieser Uhr nicht gerecht. Und auch bei der Krone und der wunderschön eigenständigen, von Nomos als Flügelschließe bezeichneten Doppel-Dorn­schlie­ße muss man zweimal hinsehen, um den dezenten Nomos-Schriftzug zu entdecken. Understatement pur!

Technik

Das Manufakturkaliber DUW 5101 der Club tickt automatisch mit gemächlichen 21.600 Halbschwingungen pro Stunde – was ich persönlich mehr schätze als einen Schnell­schwinger – zählt auch die Tage des Monats und zeigt sie in einem Datumsfenster bei 6 Uhr.

Der Datumsring ist um das Werk herum angeordnet, so bleibt die Uhr trotz der Datumskomplikation (so nennt man in der Uhrenwelt die Zusatzfunktionen) flach und elegant – eine von Nomos patentgeschützte Konstruktion, die allerdings keine Datum­schnellschaltung erlaubt – was bei einer Alltagsuhr ohnehin nicht erforderlich ist. Dem beidseitig aufziehenden Rotor werden trotz der wunderschönen Skelettierung beste Aufzugs­leistungen bescheinigt, dem Werk exquisite Gangeigenschaften.

Ein kleiner, beinahe unmerklicher und dennoch entscheidender Unterschied zum Vorgänger­uhrwerk Nomos-Zeta lässt sich zunächst nur an der Bezeichnung Deutsche Uhrenwerke, kurz DUW erkennen und hat es in sich: In der Club Automat Datum Atlantik gibt jetzt ganz offiziell das Nomos-Swing-System den Takt an – auch sichtbar an der gebläuten Unruhspirale (und natürlich an dem Schriftzug „DUW" auf der Dreiviertelplatine).

Weitere technische Details des edlen und exklusiven Werkes sind die dezentrale Sekunde, wie sie sonst nur bei Handaufzugsuhren anzutreffen sind, der für das Einstellen der Uhrzeit praktische Sekundenstopp, die typische Glashütter Dreiviertelplatine, die schöne Nomos-Unruhbrücke, 26 Rubinlagersteine, der dank Wechselgetriebe beidseitig aufziehende Rotor, die für die Alltagstauglichkeit unabdingbare Incabloc-Stoßsicherung, das einzigartige DUW-Reguliersystem und nicht zuletzt eine Feinregulierung in sechs Lagen, wie sie nur bei wenigen Herstellern selbstverständlich ist.

Auch die Finnissage hat es in sich: Die Schrauben sind temperaturgebläut, die Werkoberflächen rhodiniert, Platine und Rotor mit Glashütter Streifenschliff versehen, die Platine auch zusätzlich mit einer Perlage.

Wir konnten uns beim Test natürlich nicht verkneifen, die Uhr auf die Gangwaage zu legen und schreiben normalerweise nichts darüber, da es sich ja immer um eine Momentaufnahme eines einzelnen Exemplars handelt. Im Falle des in die Nomos Club Automat Datum Atlantik eingeschalten DUW 5101 fielen jedoch beim Test die Gangwerte so positiv aus dem Rahmen, dass dies hier nicht unerwähnt bleiben darf: Perfekte Regulage auf minimalen Vorgang, Abweichungen der einzelnen Lagen maximal 10 Sekunden pro Tag, ordentliche Amplitude in allen Lagen und quasi kein Gleichlauffehlwinkel. Das Uhrwerk ist also nicht nur schön, sondern funktioniert auch ausgezeichnet.

Ausstattung

Das Gehäuse ist nur auf den ersten Blick unauffällig. Nimmt man es in die Hand, fallen zuerst seine haptischen Qualitäten auf – so dass man unweigerlich näher hinsehen muss und dann eine Detailperfektion entdeckt, die man einem so einfach anmutenden Gehäuse gar nicht zugetraut hätte. Alles ist robust für die Ewigkeit konstruiert und so geschickt verarbeitet, dass die Uhr rundum alltagstauglich ist. Lediglich eine verschraubte Krone haben wir vermisst, was sich bei dieser kleinen Krone jedoch in den allermeisten Fällen als unproblematisch herausstellen sollte.

Schön ist nicht nur die Gehäuseverarbeitung und seine Silhouette, sondern auch der vollverschraubte Boden mit seinem Saphirglaseinsatz – es wäre einfach zu schade, gerade dieses Uhrwerk wie bei der Einsteigerversion der Club mit ihrem Standarduhrwerk zu verstecken.

Das Band ist mir persönlich etwas zu anschmiegsam und flexibel, ich bevorzuge zum einen eine Rückmeldung seitens der Uhr, dass ich sie überhaupt am Arm habe, und zum anderen aus Allergiegründen ein Durchzugsband, doch die meisten Käufer werden gerade dieses Band an ihrer Club lieben.

Handling

Für mein Handgelenk und wohl auch für die meisten anderen Männer sowie viele Frauen ist der Durchmesser von 41,5 mm in Verbindung mit knapp 10 mm Gehäusehöhe die Idealgröße, was die Größe einer Armbanduhr betrifft.

Die Uhr selbst ist ein echter Handschmeichler, alles ist wohlproportioniert und gefällig. Lediglich am Arm werde ich in Kombination mit dem mitgelieferten Band nicht warm und würde es persönlich gegen ein Durchzugsband austauschen, doch das kann ja jeder halten, wie er möchte – rein optisch passt die Uhr in Kombination mit dem mitgelieferten Band wunderbar an den Arm.

Wertigkeit

Mit ihrer Idealgröße trifft die Nomos Club Automat Datum Atlantik nicht nur den Modegeschmack, sondern auch eine absolute Zeitlosigkeit. Größere Uhren könnten irgendwann wieder einmal unmodern werden, kleinere auch, diese nicht.

Zeitlosigkeit hilft nichts ohne Langlebigkeit und hier hat sich die Club absolut nichts vorzuwerfen. Das Gehäuse ist mit seinen Abrundungen vorbildlich gefeit gegen Kratzer und kann bei rauer Alltagsbehandlung jederzeit wieder aufpoliert werden.

Da nicht davon auszugehen ist, dass Nomos morgen vom Markt verschwindet, und da der deutsche Hersteller eine immense Fertigungstiefe besitzt, ist auch der Service trotz geringer Verbreitung dieses exklusiven Werkes gesichert – für mich ein wichtiger Punkt, wenn ich eine Uhr mit einem besonderen Uhrwerk anstelle eines Großserienuhrwerkes kaufen möchte.

So kommt es auch, das Nomos sich im Laufe der Jahre ein starkes Insiderimage erkämpft hat, nach wie vor in der Uhrenwelt polarisiert, insgesamt jedoch immer öfter in einem Atemzug mit den großen, alteingesessenen Uhrenmarken genannt wird. So braucht man sich über den Wiederverkaufswert einer Nomos auch keine Gedanken zu machen: Ungetragen ist sie fast schon eine Wertanlage, dementsprechend teuer ist sie auch in der Anschaffung – doch es gibt ja noch das Einsteigermodell der Club zum weitaus günstigeren Preis.

Fazit

Das eigenwillige Design der Nomos Club hat über die Jahre seinen Platz in der Uhrenwelt gefunden und ist heute nicht mehr wegzudenken. Die auf den ersten Blick kaum zu vermutende Designperfektion dahinter kann von uns nur mit „überragend“ bewertet werden, ebenso die Wertigkeit der getesteten Nomos Club Automat Datum Atlantik. Mit ihrer vorzüglichen Alltagstauglichkeit und ihrer Druckfestigkeit von 20 ATM ist sie ein Begleiter in allen Lebenslagen.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Nomos Glashütte/SA – Roland Schwertner KG

Straße: Ferdinand-Adolph-Lange-Platz 2

Ort: 01768 Glashütte

Web: www.nomos-glashuette.com

Shop: www.nomos-store.com

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