Test: Sinn Finanzplatzuhr 6068 – Zeit für klare Verhältnisse

Die Sinn Finanzplatz-Uhrenlinie ist der Inbegriff der instrumentellen Uhr für Alltag und Wochenende, Beruf und gesellschaftliche Anlässe gleichermaßen. Die watchguide-Redaktion hat den jüngsten und kleinsten Spross der korrekten Uhrenlinie im Hands-on-Praxistest auf die Zahnräder gefühlt.

Bei der Sinn Finanzplatz-Uhrenlinie handelt es sich um instrumentelle Uhren
Das schwarz galvanisierte Zifferblatt ist perfekt ablesbar.
Bulle und Bär sind der Inbegriff des Aktienhandels an der Börse
Für das Kürzen des Metallarmbandes wird sogar Loctide mitgeliefert
In solch einer Uhrenbox bewahrt mancher Uhrenfan seine ganze Sammlung auf

Seit 1999 die erste Sinn Finanzplatzuhr das Licht der Welt erblickte, stand ich ihr oft Auge in Zifferblatt gegenüber und liebäugelte mit einem Kauf zunächst der Standardvariante, dann des Chronographen und zuletzt des heute leider nicht mehr erhältlichen Automatikweckers.

Vielleicht war ich in meinem Leben nie Bänker genug oder nicht oft genug in Frankfurt am Main: Leider ist es immer eine Beinahe-Beziehung geblieben, so dass ich mich nun umso mehr auf den Test des neuesten Sprosses der Frankfurter Uhrenfamilie freute.

Zugegeben: Ich bin voreingenommen vom Design der Frankfurter Finanzplatzuhren, es gefällt mir außerordentlich gut. Ich liebe klar und übersichtlich gestaltete Uhren, auf die auch das Bauhaus-Designprinzip „form follows function“ angewendet werden könnte, wie auf die klar und übersichtlich gestaltete Sinn 6068.

Erhältlich ist sie bei einer ganzen Reihe ausgesuchter Juweliere, sowie auch in erster Linie direkt vom Hersteller „Sinn Spezialuhren GmbH“ unter www.sinn.de. Der Pilot und Uhrmacher Helmut Sinn gilt als Direktvertriebs-Pionier der Uhrenbranche. 1994 verkaufte er sein Unternehmen an den damaligen IWC-Prokuristen Lothar Schmidt, der das Unternehmen in zwei Jahrzehnten zur heutigen Reputation geführt hat.

Unboxing

In meinem bisherigen Leben habe ich wirklich schon viele Uhrenboxen in der Hand gehabt, darunter auch viele der großen Schweizer Hersteller, doch eine solche Box wie die von Sinn ist mir noch nicht begegnet. In einer derartigen Holzbox bringt mancher Uhrenfan seine ganze Uhrensammlung unter. Die Uhr wird mit zwei Bändern ausgeliefert, einem montierten Lederband und einem schmucken Stahlband.

Design

In Sachen Eigenständigkeit und Wieder-erkennungswert macht der Sinn Finanzplatz-Uhrenlinie kaum eine andere Uhrenmarke etwas vor. Alle haben ein gerade gestaltetes Gehäuse mit einfachen Kronen. Alle haben schwarze Zifferblätter. Alle haben Stundenindexe. Alle haben einfach gerade Zeiger. Alle haben einen drehbaren Stundenkranz als zweite Zeitanzeige und teils weitere Funktionen wie Chronographen oder gar eine dritte Zeitzone.

Durch ihre schlichte Eleganz und die technisch klare Gestaltung wirkt die Uhr harmonisch und auffällig zugleich. Selbst das Firmenlogo hält sich auf dem Zifferblatt vornehm zurück und ist einfach aufgedruckt. Kronen und Schließe tragen das Firmenlogo.

Technik

Als Uhrwerk hat Sinn ein SW 300-1 mit automatischem Aufzug eingeschalt. Nein, es ist kein Uhrwerk von Sinn, wie die Typen-bezeichnung einem Laien glauben machen könnte (obwohl das nicht die Absicht des Frankfurter Unternehmens sein wird). Es ist ein edles Schweizer Uhrwerk vom ehemaligen ETA-Zulieferer Sellita, welches einen ebenso guten Ruf genießt wie die ETA-Uhrwerke. Ob mir ein Manufakturwerk lieber wäre? Nun, ich vertraue gerne auf Großserienwerke, bei denen ich weiß, dass auch die nächste Generation sie reparieren (lassen) kann.

Das Sellita SW 300-1 hat 25 Rubinlagersteine und für Automatikuhren übliche 28.800 Halbschwingungen pro Stunde, einen Sekundenstopp, ist stoßsicher nach DIN 8308 und antimagnetisch nach DIN 8309. Das Werk ist mit einer gut zur Uhr passenden Perlage verziert, doch der eigentliche Hit ist der goldfarben gravierte Rotor: Er zeigt Bulle und Bär über dem Schriftzug Frankfurt / M(ain), die Versinnbildlichung der Börsenvorgänge.

Ausstattung

Das gerade und funktionell gestaltete Stahlgehäuse ist durchweg poliert und kann nach Jahren bewegten Tragens wieder aufpoliert werden. Der Boden ist verschraubt. Die Uhr erfüllt die technischen Anforderungen der DIN 8310 für Wasserdichtheit und ist bis 10 Bar druckfest, was einer (statischen) Wassertiefe von 100 m entspricht. Damit ist die Uhr vollkommen alltagstauglich bis hin zur Gartenarbeit und dem Hantieren mit dem Hochdruckreiniger.

Beide Gläser sind aus Saphirglas gefertigt und entspiegelt, das Deckglas sogar beidseitig. Als Besonderheit ist es unterdrucksicher montiert, so dass es sich selbst bei Druckschwankungen im Flugzeug nicht abheben kann – obwohl man bei plötzlichem Druckverlust in der Kabine eventuell andere Sorgen haben dürfte ...

Handling

Die 6068 ist der jüngste Spross der Finanzplatz-Uhrenlinie und meiner Meinung nach rundum gelungen. Auch wenn wir uns an größere Uhren gewöhnt haben: Ich persönlich empfinde 38,5 mm nach wie vor als Idealdurchmesser, wenngleich ich meist größere Uhren trage, um der Sehgewohnheit zu entsprechen. Da sich die Mode, was ernstzunehmende Uhrmacherkunst angeht, gerade wieder in Richtung kleinerer Uhren entwickelt, passt die 6068 meiner Meinung nach voll in die Zeit.

Das kleine, nur 12 mm hohe und 57 g leichte Gehäuse kommt dem Tragegefühl zu Gute. Für eine so technisch anmutende und vergleichweise kantige Uhr trägt sie sich unglaublich angenehm. Die Ergonomie und die Haptik sind fast nicht zu toppen, auch wenn ich früher noch flachere Uhren diesen Durchmessers bevorzugt habe. Die Nachtablesbarkeit steht der Tagablesbarkeit kaum nach. Zwar fehlt eine eindeutige Zuordnung der Stundenindexe, doch damit kann ich leben.

Wertigkeit

Die Sinn Finanzplatz-Uhrenlinie ist für mich der Innbegriff einer zeitlosen Uhr. Sie wird niemals ihren nüchtern-technischen Charme verlieren und wem sie jetzt gefällt, dem wird sie auch in 20 Jahren noch gefallen. Das robuste Uhrwerk wird einer Tragezeit über Jahrzehnte ebenfalls nicht im Wege stehen, so dass diese insgesamt relativ preiswerte Uhr wahrscheinlich eine bessere Investition sein wird als zwei Uhren zum halben Preis.

Hinzu kommt, dass Sie mit der Sinn 6068 die Uhr eines deutschen Herstellers am Arm haben, dessen Reputation in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist und meiner Meinung nach weiterhin steigen wird, denn die „Sinn Spezialuhren GmbH“ aus Frankfurt am Main hat schon immer einen tollen Job gemacht, was die Fertigung instrumenteller Uhren angeht.

Fazit

Die Sinn Finanzplatzuhr mag auf den ersten Blick dem ein oder anderen Nicht-Uhrenkenner etwas zu unauffällig daherkommen, für mich liegt genau darin ihre Klasse und – wie der Uhrenkenner weiß – ihr Wiedererkennungswert. Sie zeigt, dass man dazugehört, und beweist gleichermaßen Stil und Geschmack. So stand nach dem Test für die watchguide-Redaktion außer Frage, dass diese Uhr einen Design-Tipp der Redaktion verdient.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Sinn Spezialuhren GmbH

Straße: Im Füldchen 5-7

Ort: 60489 Frankfurt am Main

Web: www.sinn.de

517efb333