Test: Slow Jo 05 – “Slow Down”

Dieser Test ist anders, denn würde ich diese Uhr im Studio fotografieren, hätte ich sie nicht verstanden. Also habe ich mir die „Slow Jo“, meine Kamera und mein Longboard geschnappt und bin an den Strand gefahren ...

So macht Arbeiten Spaß: die Testuhr auf den Tisch legen ...
... und relaxt einen kühlen Eiskaffee schlürfen
Das Gehäuse der Slow Jo ist aus solidem Stahl gefertigt
Der Stahlboden ist mit acht Schrauben verschraubt
Das italienische Kalbslederband schmiegt sich ergonomisch ans Handgelenk ...
... zumal es nicht gerade angesetzt ist
Die kantige Dornschließe passt ausgezeichnet zum Gehäusedesign
Die richtige Uhr für das entschleunigte Urlaubsgefühl ...
... will erst mal in Ruhe aus dem Kartonwürfel ausgepackt werden

Das „StrandDeck“ zwischen Bochum und Witten ist ein Strandcafé am Kemnader See. So macht Arbeiten Spaß: Relaxt einen kühlen Eiskaffee schlürfen, die Testuhr auf den Tisch legen und ab und an im richtigen Moment auf den Auslöser der Kamera drücken, beispielsweise dann, wenn jemand als Hintergrund eine gute Figur abgibt oder die Uhr gerade in den heißen Sand gefallen ist …

Wobei eben immer der richtige Moment für alles ist, wenn man im Strandcafé sitzt. Dann reicht ein Uhrzeiger, der die 24 Stunden des Tages in einem Durchlauf umkreist. Wieso beeilen? Hier geht es nicht um schneller, höher, weiter. Wer schon am Strand sitzt, braucht keinen Flugzeugträger nach Jamaika. Das Lösen eines Tickets auf www.slow-watches.com reicht völlig für das entschleunigte Urlaubsgefühl …

Unboxing

Schon beim Auspacken lohnt es, sich ganz auf die Slow Jo einzulassen und eine gehörige Portion Geduld mitzubringen, denn der die Uhr enthaltende Kartonwürfel nimmt eine Art Opposition im Zeitalter der frustfreien Verpackung ein, sprich: Die Uhr will in Ruhe ausgepackt werden, wie man dem Bild der Verpackung entnehmen kann. Auch das Anlegen der Uhr mit der stilechten Dornschließe braucht seine Zeit. Eine Schnellverschluss-Faltschließe am Uhrband sucht man vergebens. Dafür trägt sich die Uhr samt Band wundervoll leicht.

Entdecke ich mit dieser Uhr am Arm die Leichtigkeit des Seins? Schließlich war ich schon einmal mit der Einzeigeruhr eines anderen Herstellers eine ganze Messe lang unterwegs und habe die Messe und die Stadt einmal ohne allzu viel Terminstress, dafür aber trotz Anzug mit dem Longboard unsicher gemacht.

Design

Die Uhr erinnert in ihrer Klarheit an die “Form follows function”-Maxime des Bauhaus-Designs und versprüht überdies ein wenig 70er-Jahre-Flair. Sie ist mehr Gebrauchsgegenstand als Schmuckstück und bietet dennoch ein eindeutig besseres Design als die früheren allgegenwärtigen Digitaluhren, die zwar ein ähnliches Gehäuse, aber keine vergleichbare Designqualität hatten. So ist beispielsweise das Zifferblatt mit einer 0 anstelle der 24 eine schöne Verspieltheit, die ich bisher nur bei einer russischen Raketa-Handaufzugsuhr in Form einer 0 anstelle einer 12 gesehen habe.

Der Wiedererkennungswert der Slow Jo ist zwar hoch, die Zielgruppe schert sich aber wahrscheinlich nicht darum und verzichtet sicher gerne auf das fehlende Firmenlogo. Ich vermisse es jedenfalls nicht. Das Design ist sicher Geschmacksache, mir gefällt der spezielle Charme der in vielen Varianten erhältlichen Uhr ausgesprochen gut, gerade in der getesteten Variante und noch lieber mit schwarzem Zifferblatt.

Technik

Beim Uhrwerk handelt es sich um ein zuverlässiges Schweizer Quarzwerk in einer GMT-Variante. Dass anstelle eines mechanischen Werkes ein Quarzwerk eingeschalt wird, empfinde ich eher als Vorteil denn als Nachteil. Auch wenn ich mechanische Uhren normalerweise bevorzuge, so ist es doch lästig, eine Einzeigeruhr jedes Mal neu auf die Minute genau einzustellen, wenn sie länger in der Schublade lag.

Das verwendete Ronda Caliber 505.24H GMT ist eigentlich für die Darstellung von vier Zeigern mit Datum geschaffen worden. Die Slow Jo konzentriert sich auf das Wesentliche und nutzt nur denjenigen der vier Zeiger, der alle 24 Stunden des Tages auf einen Blick anzeigt, und lässt die anderen drei Zeiger und die Datumsanzeige einfach weg.

Ausstattung

Bei der Testuhr handelt es sich um die größere 38-mm-Version, eine kleinere 34-mm-Variante ist wahlweise erhältlich. Das Gehäuse der Slow Jo ist aus solidem Stahl gefertigt, der Stahlboden ist achtfach  verschraubt. Die Uhr ist bis 10 ATM druckfest, was einer Wassertiefe von 100 m entspricht. Das speziell gehärtete, mit Saphir beschichtete und damit recht kratzunempfindliche K1-Mineralglas steht fast einen Millimeter vor und schützt so die Gehäuseoberseite ein wenig vor eventuellen Kratzern, die dank des gebürsteten Finish ohnehin nicht sehr auffallen.

Das superweiche und dennoch stabile italienische Kalbslederband der Testuhr harmoniert wunderbar mit der Slow Jo und auch die kantige Dornschließe passt ausgezeichnet zum Gehäusedesign. Das Band ist nicht gerade angesetzt, sondern schmiegt sich ergonomisch ans Handgelenk.

Handling

Bei der Slow Jo geht es eben nicht um die perfekte Ablesbarkeit und auch das genaue Einstellen ist mir erst nach mehreren Anläufen gelungen. Dennoch bin ich mit ihr am Arm pünktlich zu Terminen erschienen, teils sogar auf die Minute genau. Zur Orientierung innerhalb des Tagesablaufes und zur Konzentration auf das Wesentliche reicht die 24-Stunden-Einzeigeruhr allemal.

Wem es bei dem einen Zeiger auf die Ablesbarkeit ankommt, der sollte eine Slow Jo mit dunklem Zifferblatt für den bestmöglichen Kontrast wählen, denn wenn der silberne Zeiger auf dem silbernen Zifferblatt unter dem nicht entspiegelten Uhrglas bei Kunstlicht wie beispielsweise einer Leselampe einen grauen Schatten wirft, wird das Ablesen auch aufgrund der gleichlangen Indexe der Testuhr schwierig.

Wertigkeit

Die Slow Jo ist ein Anti-Statement im Zeitalter des Markenterrors, sie ist sowohl image- als auch zeitlos. Sie könnte von einem edlen Designuhren-Hersteller, aber auch von der Kirmes stammen – wenn die tolle Verarbeitung nicht wäre. Die Uhr ist vom Wert her nicht einschätzbar für denjenigen, der sie nicht kennt, und hat gerade damit das Zeug zur Designikone.

Die Slow Jo ist eine Uhr zum Tragen, nicht nur zum Sammeln. Sie sollte mit ihrer perfekten Verarbeitung und der hohen Druckfestigkeit von 10 ATM den Alltag lange Zeit unbeschadet überstehen. Mir macht es jedenfalls Spaß, mit der Slow Jo am Arm ein Anti-Statement im Smartphone-Zeitalter zu demonstrieren.

Fazit

Es lohnt sich, die Slow Jo einmal eine Zeit lang zu tragen, um die heutige hektische Zeit ein wenig zu entschleunigen und das Leben ein wenig mehr zu genießen. An der Idee der 24-Stunden-Einzeigeruhr habe ich Spaß gefunden. Die Slow Jo erinnert mich sowohl am Sonntag daran, alles etwas ruhiger, als auch im Alltag daran, alles etwas gezielter anzugehen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, den Moment zu genießen und nicht immer überall auf die letzte Minute einzutreffen.

So war dies für mich aufgrund des ganz besonderen Zeitgefühls mit dieser Uhr am Arm ein Test wie kein anderer. Auch wenn ich die Leichtigkeit des Seins immer noch nicht ganz gefunden habe, so erscheint mir jetzt die Aussage des Herstellers nicht so weit hergeholt, dass das Leben mit Einzeigeruhr und Konzentration auf das Wesentliche bisweilen leichter und erfolgreicher sein kann.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma:  Blackboard GmbH

Straße: Eppendorfer Weg 1

Ort:      20259 Hamburg

Web:    www.slow-watches.com

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