Test: Stowa Antea back to bauhaus 365 – Midsize-Facelift

Die Stowa Antea Klassik ist geradezu eine lebendige Legende. 80 Jahre jung und kein bisschen vergreist. Nach wie vor wirkt sie modern wie eh und je, gerade mit dem Facelift von Weltklasse-Designer Hartmut Esslinger. Die watchguide-Redaktion hat der Antea 365 „back to bauhaus“ im Hands-on-Praxistest auf die Zahnräder gefühlt.

Die Midsize-Variante der Antea passt ans Herren- und insbesondere ans Damen-Handgelenk
Die “back to bauhaus” hat die gleiche Gehäuseform wie die ursprüngliche Stowa Antea
Die eckigen Bandanstöße sind charakteristisch für das Bauhausdesign
Unter dem Glaseinsatz des verschraubten Bodens ist das Uhrwerk mit handgefertigtem Rotor sichtbar
In die Stowa Antea 365 ist ein ETA 2824-2 in Top-Ausführung mit gebläuten Schrauben eingeschalt
Die Dornschließe trägt das Stowa-Logo, eine Faltschließe ist ebenfalls erhältlich
Die drei Standardgrößen der Stowa Antea: 35,5 sowie 36,5 und 39 mm
Die Antea 355 hat ein Handaufzugswerk anstelle des Automatikwerkes
Geliefert werden die Stowa Antea Uhren in einer schmucken Box

Midsize-Uhren sind als Herren- und insbeson­dere als Damenuhr beliebt: Die Stowa-Uhrenlinie Antea „back to bauhaus“ wird in drei Größen gebaut. 35,5 mm durchmisst die kleinste, 36,5 die hier getestete und 39 mm die größte Variante. Alle Gehäusegrößen sind in jeweils 6 frischen Farben erhältlich – direkt vom Hersteller unter: www.stowa.de

Unboxing

Beim Öffnen der Stowa-Schatulle sehe ich auf ein altbekanntes Zifferblatt: Die Antea 390 back to bauhaus haben wir bereits mit weißem Zifferblatt getestet. Heute für Herren grenzwertig klein, passt sie bei Damen immer. Uhren im Bauhaus-Design werden von Stowa schon seit 1937 gebaut, als Modernisierungsmaßnahme hat sich Weltklasse-Designer Hartmut Esslinger des Zifferblattdesigns angenommen: „Es musste eine coole Interpretation sowohl des originalen Designs von Lange & Söhne (1937) als auch der Antea von STOWA (1937) sein. Das Edelstahl­gehäuse der Antea Klassik beließ ich. Das Zifferblatt mit der modernen Bauhaus-STD-Type von Ed Benguiat und Victor Caruso schafft mit seiner sensiblen Ästhetik ein historisches Original. Die Farben, die STOWA anbietet, sind eine Hommage an Josef Albers und Johannes Itten, denn das Bauhaus sollte man nicht nur schwarz oder weiß sehen.“

Design

Mit dem „back to bauhaus“-Facelift von Hartmut Esslinger besitzt die Stowa Antea nun ein geschütztes Design, das seinesgleichen sucht, mit optimaler Ablesbarkeit, hoher Eigen­ständigkeit und optimalem Wieder­erkennungswert. Zifferblatt und Zeiger harmonieren perfekt. Selbst das sachliche Firmenlogo unterstützt das Design ideal und findet sich auf Krone, Band und Schließe wieder.

Früher war es anders: Da haben die Uhrenhersteller bei ihren Zulieferfirmen auch Zifferblätter eingekauft – der Designer des Zulieferers bürgte für das Zifferblattdesign, die Uhrenfirma für die Qualität der Uhr. Dass das Zifferblattdesign geschützt gehört, auf diese Idee ist man erst in den Neunzigern gekommen. So gab es damals wie heute Hersteller, deren Uhrendesign sich mit dem der Antea Klassik teilt – wobei die Antea Klassik seit 1937 praktisch unverändert gebaut wird, während so manche andere Uhrenfirma erst später auf diesen Zug aufgesprungen ist.

Die Kunst des Bauhaus-Designs liegt im Weglassen. So wich früher jede zweite Ziffer einem Index, nun sind sie wieder da, die Ziffern, allerdings mit einer neuen, gleichsam verspielt wie sachlich wirkenden Schrifttypo. Die Stowa Antea back to bauhaus wirkt zeitlos klassisch und modern zugleich. Hierzu braucht es einen Weltklassedesigner wie Hartmut Esslinger, wenn es einen gibt, der sich an seinen Kreationen messen kann.

Technik

In die Stowa Antea 365 ist ein ETA 2824-2 in Top-Ausführung mit gebläuten Schrauben eingeschalt: Es gilt als unverwüstlich, als eines der besten Automatikuhrwerke überhaupt, wenn es um die Langzeit-Haltbarkeit geht. Sicher gibt es flachere Uhrwerke, genauere Uhrwerke und solche mit wesentlich mehr Funktionen.

Wenn es allerdings um die Disziplin „Alltags­tauglichkeit“ geht, hat das ETA 2824-2 die Nase ganz vorn. Es mag sein, dass es einmal neu justiert werden muss, doch ist es sehr wahrscheinlich, dass es äußerst lange ohne Probleme läuft, ich kenne viele Leute mit Uhren dieses Uhrwerktyps, die ihre Uhren schon viele Jahre oder gar über ein Jahrzehnt lang ohne nennenswerte Gangabweichung tragen.

Ausstattung

Die Dreizeigeruhr mit Datum bietet alles, was man im Alltag braucht, und noch etwas mehr: Der Aufzugsrotor mit dem „back to bauhaus“-Logo ist bei Stowa im Haus handgefertigt – das beweist Designkonsequenz und Liebe zum Detail. Form follows function, wie es das Bauhaus-Desingverständnis diktiert, heißt eben nicht, sich keine Mühe zu geben, eine Designeruhr ist eine Designeruhr, auch wenn sie sich im Design vornehm zurückhält.

Die Gehäuseform ist für Uhren im Bauhaus-Design ebenfalls typisch form follows function. So ist alles funktionell und schlicht gehalten und gerade darin liegt in meinen Augen die unvergleichliche Schönheit dieser Gehäuseform, Stahl ist das einzig adäquate Gehäusematerial für dieses reduzierte Design.

Dass die Stowa Uhren damals wie heute als zeitlos wahrgenommen werden, liegt daran, dass sie nach wie vor auf unnötigen Schnickschnack verzichten. Stowa konzentriert sich auch heute darauf, wirklich gute Uhren zum wirklich fairen Preis anzubieten. Heutzutage geht dies noch besser als früher, da nun dank Direktvertrieb über das Internet die Handelsspanne entfallen kann.

Für die Stowa Antea ist zwar auch ein Milanaise-Metallgeflechtband erhältlich, die Uhr wird jedoch klassisch am Lederband getragen und das ist bei Stowa von allerbester Qualität, allerdings standardmäßig mit einer einfachen Dornschließe ausgestattet, immerhin mit Firmenlogo. Gegen Aufpreis gibt es eine praktische Faltschließe.

Handling

36,5 mm war in den Neunzigern eine ganz normale Herrenuhrengröße, dann galten sie als „Midsize“, heute eher als Damenuhr. Dabei steht diese Größe so manchem Herren mit schmalem Handgelenk gut zu Gesicht, da dann die Proportionen wieder stimmen, mehr als bei einer modernen Uhr mit 42 oder 45 mm Durchmesser.

Die kleine Stowa Antea fühlt sich heutzutage an meinem Handgelenk ungewohnt klein an, trägt sich aber mit ihren gut 50 g inklusive Band traumhaft leicht und unbeschwert. Ans Damenhandgelenk passt sie gar wie angegossen. Das formschöne Gehäuse ist geradezu ein Handschmeichler, das Band von bester Qualität.

Was ich mir bei einer Uhr dieser Art noch wünschen würde? Eine verschraubte Krone, obwohl die vorhandene nicht sehr viel Angriffsfläche für unsanfte Stöße bietet. Jedenfalls ist die Uhr auch so bis 5 Bar druckfest, was einer (statischen) Wassertiefe von 50 m entspricht und im Alltag allemal ausreicht.

Wertigkeit

Wie wertvoll ist eine zeitlose Uhr? Eine Uhr, deren Design Jahrzehnte übersteht und niemals zum alten Eisen gehören wird? Deren Saphirglas kratzfest ist? Deren robustes Stahlgehäuse jederzeit wieder aufpoliert werden kann und dann im alten Glanz erstrahlt? Ganz einfach: Wer mit der Stowa Antea sorgsam umgeht, hat mit ihr eine Uhr von bleibendem Wert mit servicefreundlichem Großserien-Uhrwerk, das auch in Jahrzehnten noch repariert werden kann.

Fazit

Wer mit einer Antea 390 liebäugelt, sollte die Antea 365 für seine Partnerin ins Auge fassen, denn von den technisch und optisch bis auf die Gehäusegröße gleichen Uhren geht eine unglaubliche Faszination aus. Doch auch für Frauen gilt: Mit dem Kauf dieser Uhr machen Sie alles richtig, ganz gleich ob als Antea Klassik oder „back to bauhaus“.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe
Model: Yumiko Cheng

Bezugsquelle

Firma: Stowa GmbH & Co. KG

Straße: Gewerbepark 16

Ort: 75331 Engelsbrand

Web: www.stowa.de

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