Ganz klar Fliegerchrono

Jörg Schauer, Chef, Gestalter, Vor- und Querdenker bei Stowa, stellte sich folgende Frage: Wie kann man eine Chronographenfunktion in das bewusst minimalistische Fliegeruhrendesign integrieren, ohne die Klarheit des Zifferblatts zu zerstören? Er verzichtete beim Stowa „Flieger Chrono“ radikal auf alles, was nicht der Zeitanzeige dient. Heraus kann ein außergewöhnlicher Zeitmesser.

Reduktion auf das Wesentliche: Stunde, Minute, Stoppsekunde, Stoppminute
Der Stowa Fliegerchrono ist in der Automatikversion imposante 14,7 mm hoch
Das modifizierte ETA Valjoux 7753 ist eines der zuverlässigsten Uhrwerke überhaupt
Der Stowa Flieger Chrono gibt sich an den meisten Handgelenken wohlproportioniert
Das Flieger-Original-Band passt hervorragend zu der markanten Uhr
Das spezielle Fliegerband bietet mehr Sicherheit, vergleichbar mit einer Faltschließe
Der Stowa Flieger Chrono bietet mit Band im alten Stil einen hervorragenden Tragekomfort (Foto: Stowa)
Auch das Milanaise-Metallgeflechtband unterstützt den altertümlichen Eindruck der Uhr (Foto: Stowa)

Als Jörg Schauer das Traditionsunternehmen Stowa 1996 von den Nachfahren des Firmengründers Walter Storz übernahm, entschloss er sich, die Uhren nur noch im Direktvertrieb anzubieten, mit dem er zuvor bereits gute Erfahrungen gemacht hatte, was seine eigenen Zeitmesser angeht. Heute sind sie fast ausschließlich online unter www.stowa.de erhältlich.

Unboxing

Der Stowa Flieger Chrono Automatik wird in einer stabilen Alubox geliefert, die neben der Uhr samt Bedienungsanleitung und Mikrofasertuch ein praktisches Transportetui für Reisen enthält, falls man den Fliegerchrono im Wechsel mit einer anderen Uhr tagen möchte.

Beim Auspacken begegnet dem Käufer eine echte Fliegeruhr, die im Gegensatz zur sperrigen Wirkung vieler anderer Fliegeruhren unglaublich harmonisch gestaltet und im Vergleich zu anderen Uhrenkonzepten unglaublich gut ablesbar ist. Damit ist sie sowohl eine echte Männeruhr als auch eine gute Businessuhr.

Design

Auch wenn ich kein Pilot bin und erst ein einziges Mal in meinem Leben ein Flugzeug selbst gesteuert habe, gefallen mir Fliegeruhren mit ihrer klaren Ablesbarkeit und ihrer markanten Wirkung seit jeher außerordentlich gut. Getragen habe ich früher dennoch eher komplizierte Chronographen mit Vollkalender. Das Basisuhrwerk der gängigsten Kalenderchronographen (ETA Valjoux 7751) basiert auf der gleichen Baureihe (7750).

Die Reduktion auf das Wesentliche hat der Uhr gut getan: Sie besitzt nur noch vier Anzeigen: Die Stunde, die Minute, die Stoppsekunde und den 30-Minuten-Totalisator. Weggelassen wurde die permanente Sekunde, wodurch man nicht mehr auf den ersten Blick sieht, dass es sich um eine mechanische Uhr handelt. Bei der Chronographenfunktion wurde auf die Anzeige der gestoppten Stunden verzichtet, da ohnehin meist nur kurze Zeiträume gestoppt werden. Auch das Datum und sogar das Firmenlogo wurde zugunsten der Übersichtlichkeit weggelassen.

Trotz des – wie bei klassischen Fliegeruhren üblich – fehlenden Firmenlogos bietet die Uhr dank Eigenständigkeit eine sehr hohe Wiedererkennbarkeit unter Uhrenfreunden, zumal ihr vom deutschen Uhren-Magazin die „Goldene Unruh 2012“ in der Preisklasse bis 2.500 Euro verliehen wurde. Eine Besonderheit für einen Fliegerchrono sind die hochwertigen temperaturgebläuten Stahlzeiger, welche dank Superluminova C3 Tag und Nacht hervorragend ablesbar sind. Das Ergebnis all dieser Maßnahmen ist die Bestnote „überragend“ im Testkriterium Design.

Technik

Das Fehlen der permanenten Sekunde ist zunächst ungewöhnlich. Ist es eine Quarzuhr? Oder eine mechanische Uhr? Geht die Uhr? Unwillkürlich hält man sie in den ersten Tagen immer wieder ans Ohr, um das Ticken zu kontrollieren, danach vertraut man dem zuverlässigen Automatikwerk mit seiner Gangreserve von immerhin rund 40 Stunden. 

Beim hier eingeschalten Uhrwerk handelt es sich um das grundsolide automatische Chronographenwerk ETA Valjoux 7753 in einer modifizierten Ausführung. Die 7750-Baureihe gehört trotz Kulissenschaltung des Chronographen (statt Säulenrad bei einem Schaltradkaliber) zu den solidesten Uhrwerken überhaupt, solange man sie nicht mit Golfspielen oder Holzhacken überstrapaziert. Im Gegensatz zu vielen anderen Fliegerchronographen ist die Uhr überdies bis 5 ATM wasserdicht.

Seit 2014 ist der Stowa Flieger Chrono auch in einer etwas flacheren Version mit Handaufzugswerk erhältlich. Da es das ETA Valjoux Kaliber nicht mehr in einer Handaufzugsvariante gibt, baut Jörg Schauer die Automatikversion in liebevoller Kleinarbeit entsprechend um.

Ausstattung

Der Stowa Flieger Chrono hat alles, was eine gute Fliegeruhr braucht, und überdies eben die Stoppfunktion. Die geradlinige Gehäuseform mit schmalen Bandanstößen und gerader Lünette könnte auch dem Bauhausgrundsatz „Form follows Function“, also die Form folgt der Funktion, entsprungen sein – wie bei der Stowa Antea-Serie, das Gehäusematerial ist Stahl, praxisgerecht gegen Reflexionen im Cockpit gebürstet.

Das bombierte Uhrglas ist innen entspiegelt und auch der Gehäuseboden trägt ein Uhrglas – für eine Fliegeruhr unnötig verspielt, für den Träger eine Augenweide. Der Boden ist vorbildlich verschraubt, Krone, Drücker und Bandanstöße leider nicht. 

Der Stowa Flieger Chrono Automatik ist mit unterschiedlichen Bändern in 22 mm Breite erhältlich, vom markanten Flieger Original Band bis hin zum Milanaise Metallgeflechtband – einen guten Kompromiss stellt das Band im alten Stil dar, welches zwei Ziernieten aufweist. Alles andere als die genannten Bänder – beispielsweise ein Krokolederband – ist in meinen Augen Stilbruch bei dieser Uhr.

Handling

Die Uhr ist zwar ganze 41 mm groß, 14,7 mm hoch und mit Lederband rund 100 g schwer, ich halte sie dennoch für alltagstauglich. Zum einen bietet sie ein durchweg robustes Uhrwerk, zum anderen ein stabiles Stahlgehäuse, welches auch einmal wieder aufpoliert werden kann. Die Lünette ist gegen Stöße abgeschrägt und bietet somit nur wenig Angriffsfläche für ernsthafte Kratzer. Auch die Zwiebelkrone bietet weniger Angriffsfläche als eine gerade oder größere Krone. Die Drücker haben zwar keinen mechanischen Schutz, sind aber klein genug und liegen tief genug, um nicht überall hängenzubleiben.

Das Tragegefühl des Stowa Flieger Chrono überrascht: Die recht große Uhr schmiegt sich bequem ans Handgelenk und wirkt zumindest an meinem etwas stärker ausgeprägten Handgelenk völlig harmonisch, ganz gleich mit welchem Band. Obwohl die Uhr doppelt so schwer wie eine flache Uhr ist, trägt sie sich mit Lederband sehr angenehm.

Wertigkeit

Der Werbespruch von Stowa „Wir lieben Originale“ bezieht sich auf das Bewahren der Tradition. Hier genau liegt die Quadratur des Kreises beim Stowa Fliegerchrono. Die Uhr sieht nicht einmal aus wie die Neuinterpretation einer alten Fliegeruhr, sie sieht aus wie eine alte Fliegeruhr, dabei seltsam perfekt für die damalige Zeit.

Es bedarf auch bei einem Uhrenfreund ganz sicher eines wiederholten Blickes auf die Uhr, um zu begreifen, dass dieser Fliegerchrono etwas anders ist als alle anderen. Dementsprechend gebe ich für die Uhr eine ausgezeichnete Prognose ab, was den Wiederverkaufswert betrifft, zumal der bei einer Uhr von Stowa ohnehin ausgezeichnet ist.

Hinzu kommt, dass das verwendete Standarduhrwerk trotz Modifikation auch in Jahrzehnten noch kostengünstig repariert werden kann, wenn es einmal den Dienst quittieren sollte, die Wartungsintervalle sind hier jedenfalls deutlich länger als bei so manch anderem Uhrwerk. Ich hatte bereits mehrere Uhren mit Uhrwerken der 7750-Baureihe, die durchweg zuverlässig genau liefen.

Fazit

Alle Fliegeruhren sind gleich, der perfekt designte Stowa Flieger Chrono ist mit seiner Stoppfunktion gleicher, um es mit George Orwells Worten zu sagen. Ich halte ihn für das Musterbeispiel einer markanten Männeruhr, die gleichzeitig beim Business und in der Freizeit, zum Anzug und zum sportlichen Outfit, im Theater und auf der Pferderennbahn eine gute Figur macht. Das Gehäuse ist formschön und schnörkellos. Gerade diese einfache, an der Tradition der Fliegerchronographen orientierte Gestaltung macht den besonderen Reiz dieser technologisch besonderen Uhr aus. Überdies ist das Preis-Leistungs-Verhältnis dank des Direktvertriebes kaum zu toppen, zumal die Qualität ohne wenn und aber stimmt.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Stowa GmbH & Co. KG

Straße: Gewerbepark 16

Ort: 75331 Engelsbrand

Web: www.stowa.de

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