Test: Temption CGK205 V2 - Zeitmessinstrument in Designperfektion

Als ich auf der Baselworld 2012 bei Temption die zweite Version der CGK205 entdeckte, entschloss ich mich bereits damals, diesen automatischen Kalenderchronographen irgendwann einmal zu testen - nun ist es soweit. Erhältlich ist die Uhr bei ausgesuchten Juwelieren sowie direkt vom Hersteller unter: www.temption-watches.de

Die Skala für das Zeigerdatum befindet sich, perfekt integriert, auf der Innenseite der Lünette
Der rechte Drücker startet und stoppt die Kurzzeitmessung, der linke stellt sie zurück
Beim ETA Valjoux 7751 sind Stoppuhr und Kalenderfunktion in das Automatikuhrwerk integriert
Das Stahlgliederband ist sogar am Gehäuse verschraubt und kann problemlos ausgetauscht werden
Komplett verschraubt, besitzt es zudem eine praktische Doppelfaltschließe
Die Uhr wird immer mit zwei Bändern ausgeliefert– mit Stahlband UND Leder- oder Kautschukband
Die korrekte Kalenderanzeige kann mit einem Uhrenbeweger aufrechterhalten werden
Auch ohne Prüfzertifikat wurden auf der Gangwaage chronometertaugliche Werte erzielt
Inklusive Zweitarmband stilvoll in einer edlen Holzschatulle geliefert

Ich liebe Bauhausdesign und kann mich für Kalenderchronographen geradezu begeistern. Die CGK205 V2 besitzt eines meiner Lieblingsuhrwerke, das seit 1986 erhältliche automatische Kalenderchronographen-Kaliber (ETA) Valjoux 7751. Ohne Kalender ist dieses ausgereifte Uhrwerk bereits seit 1980 auf dem Markt.

Unboxing

Beim Auspacken der Testuhr bin ich zunächst enttäuscht – an der Uhr ist ein Stahlband montiert, wo ich doch Metallbänder allgemein als unbequem empfinde und deshalb fast ausschließlich Leder- oder auch schon einmal Kautschukbänder trage. Doch was ist das? Ein Lederband liegt bei und auf Rückfrage wurde mir bestätigt, dass die Uhr immer mit zwei Bändern ausgeliefert wird – mit Stahlband UND Leder- oder Kautschukband.

Design

Die Temption ist mit ihrem klaren Design trotz der 11 (!) Funktionen immer perfekt ablesbar und übertrifft hierbei die meisten Uhren mit dem gleichen Werk teils deutlich. Wie konnte ich früher nur Uhren mit dem gleichen Uhrwerk und deutlich schlechterer Ablesbarkeit im Alltag tragen – wo die Temption doch um so vieles besser abzulesen ist? Nur wenige Kalenderchronographen wirken ähnlich übersichtlich. Hinzu kommt die bei Uhren mit diesem Uhrwerk seltene Nachtablesbarkeit der Uhrzeit. 

Das Ziffernblatt ist aufgeräumt ästhetisch gestaltet, bietet geradlinigere Zeiger als die erste Version und weiterhin einige Besonderheiten auf den zweiten Blick: Die Kalenderscheiben sind ebenfalls in Schwarz mit weißer Schrift ausgeführt. Die Datumsskala für das Zeigerdatum befindet sich auf der Innenseite der Lünette und ist somit tadellos ablesbar, ohne das aufgeräumte „Gesicht“ der Uhr auch nur im Geringsten zu stören. Die 24-Stunden-Anzeige besitzt obendrein eine andere Zeigerform, damit sie nicht mit dem permanent mitlaufenden Sekundenzeiger verwechselt wird.

Dennoch erlaubt sich die zweite Version der CGK205 weiterhin einige Designverspieltheiten dort, wo sie den funktionellen Charakter der Uhr nicht stören. Das gegenüber der früheren Version CGK204 nüchternere Gehäuse besitzt gleichsam liebevoll in die Bedienungselemente eingesetzte Steine. Der Glasboden fällt sicher auch in die Kategorie liebevolle Detailverspieltheit und zeigt das wunderschön finissierte Uhrwerk mit skelettiertem Aufzugsrotor. 

Technik

Obwohl ich die Uhr vor dem Fototermin nicht tragen möchte, mache ich mir trotz der für eine maximale Alltagstauglichkeit komplett verschraubten Bedienelemente die Mühe, das Uhrwerk 20 Umdrehungen weit aufzuziehen und den Kalender einzustellen. Wenn man weiß, wie dieses komplizierte Uhrwerk bedient wird, ist das Einstellen kein Problem. Nach Ziehen der Krone in die zweite Raststellung wird die Uhrzeit auf etwa 18 Uhr gestellt, damit beim Stellen die automatisch schaltende Kalenderfunktion nicht beschädigt wird. Dann wird in der ersten Kronen-Raststellung das Datum und die Uhrzeit justiert, anschließend der richtige Wochentag eingestellt und die Uhrzeit dank Sekundenstopp sekundengenau eingestellt. 

Das Aufziehen und Einstellen ist nur nötig, wenn Sie die Uhr länger als einen Tag nicht getragen haben. Das Uhrwerk verfügt über eine Gangreserve von etwa 45 Stunden, die Sie allerdings nicht komplett ausnutzen sollten, da die Uhr sonst ungenau geht. Wenn Sie eine Automatikuhr einige Tage nicht tragen, können Sie die Zeitanzeige und die Datumsfunktion auch mit einem Uhrenbeweger aufrechterhalten, dies macht umso mehr Sinn, je komplizierter eine Uhr beim Anlegen wieder einzustellen ist. 

Die Chronographen-Funktion wird nach dem Lösen der Verschraubung mit dem Drücker bei 2 Uhr gestartet und nach Zeitmessungen bis 12 Stunden wieder gestoppt, die Nullrückstellung erfolgt mit dem Drücker bei 4 Uhr. 

Ausstattung

Dass außer dem Boden auch die Krone, die Stoppuhr-Drücker und der Wochentags-Korrekturdrücker verschraubt sind, ist eine technische Raffinesse, die der Stoßfestigkeit und der Wasserdichtheit dient. Wer es denn nicht lassen kann, mit solch einer hochwertigen Uhr zu duschen oder schwimmen zu gehen, kann dies bedenkenlos tun, Salzwasser und Saunabesuch erspare ich persönlich allerdings jeder meiner Uhren. 

Die Druckfestigkeit bis zu einer Wassertiefe von 100 m ist deshalb erforderlich, weil ein Wasserstrahl, beispielsweise bei der Gartenarbeit oder beim Autowaschen, sehr hohe Drücke erreichen kann, man denke nur an Hochdruckreiniger, die Uhren mit geringerer Druckfestigkeit ganz sicher überfordern. Das Zifferblatt wird übrigens von einem leicht gewölbten, entspiegelten und kratzfesten Saphirglas geschützt. 

Handling

Ich konnte es kaum erwarten, die Uhr einmal anzulegen. Dann die Überraschung: Sie sitzt auch mit dem Stahlgliederband perfekt an meinem Handgelenk und trägt sich ultrabequem. Zudem besitzt das komplett verschraubte Band eine praktische Doppelfaltschließe. Das Band ist sogar am Gehäuse verschraubt und kann gegen das mitgelieferte Leder- oder Kautschukband ausgetauscht werden, beide mit wunderschöner, praktischer und solider Faltschließe. 

Wertigkeit

Trotz oder gerade aufgrund ihrer Designperfektion hat die CGK205 V2 ihre Bezeichnung als Zeitmessinstrument – mit dieser Bezeichnung auf dem Lieferschein wurde sie in die Redaktion geliefert – zu Recht verdient. 

Uhren mit diesem Uhrwerk laufen bei mir teils seit über 10 Jahren zuverlässig und genau, allerdings trage ich mehrere Uhren im Wechsel. Dennoch dürfte die CGK205 V2 im Alltag auch bei ständigem Tragen viele Jahre lang anständig laufen, bevor sie für einen Service zum Uhrmacher muss, bei meinen Uhren mit diesem Uhrwerk war dies bisher nur bei einer Uhr einmal der Fall. 

Die Gangwerte der Testuhr lagen ebenfalls im absolut grünen Bereich. Auch ohne Prüfzertifikat wurden auf der Gangwaage chronometertaugliche Werte erzielt, der mittlere Gang lag bei einer bis zwei Sekunden Vorgang am Tag, das ist für eine mechanische Armbanduhr ein geradezu sensationeller Wert, der nur mit perfekt einreguliertem Uhrwerk erreicht wird. 

Fazit

Die Temption DGK205 V2 ist im wahrsten Wortsinne ein Zeitmessinstrument und meiner Meinung nach eines der schönsten. Das komplizierte mechanische Automatikwerk bietet in der verwendeten hochwertigen Elaboré-Version beste Voraussetzungen für eine lange präzise Funktionsweise im Alltag. Mein Wunsch für die dritte Version der CGK205 wäre eine Pulsometerskala anstelle der Tachymeterskala, da ich meinen Sportsgeist zunehmend außerhalb des Autos auslebe.

Test und Text: René Roland Katterwe

Fotos: Jürgen Immes 

Bezugsquelle

Firma: Temption GmbH

Straße: Raistinger Str. 46

Ort: 71083 Herrenberg

Web: www.temption-watches.de

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