Test: Tourby Watches - wenn die Sekunde zählt

Watchguide stellt die brandneue Pilot Vintage von Tourby Watches im Hands-on-Praxistest vor. Besonderheit ist das manufaktureigene Handaufzugswerk mit Sekundenstopp bei 12 Uhr.

Die Tourby Pilot Vintage ist in drei Gehäusegrößen erhältlich
Tourby setzt für sein Manufakturkaliber ein Schweizer Rohwerk ein
Für unser Testmuster wurde ein brandneues Werk frisch ins Gehäuse eingeschalt
Die Pilot Vintage von Tourby Watches hat in das Zifferblatt eingelegte Leuchtmasse
Das Handaufzugswerk der Pilot Vintage ist auf Zentralsekunde umgebaut
Bei Handaufzugsuhren kommt der Krone eine entscheidende Bedeutung zu
Die Tourby Pilot Vintage wird im praktischen Reiseetui ausgeliefert

Die neueste Pilotenuhr der Kleinmanufaktur Tourby Watches aus Hagen in Westfalen ist in drei Größen und in unterschiedlichen Bauhöhen direkt vom Hersteller unter www.tourby.de erhältlich. Die hier vorgestellte Pilotenuhr ist mit 42 mm die kleinste Variante. Wir haben den Prototypen bei Tourby entdeckt und direkt getestet.

Unboxing

Die Pilot Vintage von Tourby Watches sieht aus wie eine alte Pilotenuhr aus dem zweiten Weltkrieg, welche die Zeit unbehelligt in ihrer Schachtel überdauert hat. Am Arm ist sie ein echter Hingucker: Auch dort sieht sie aus wie eine Uhr vergangener Zeiten.

Design

Fliegeruhren mag man, oder man mag sie nicht. Mir gefällt das instrumentelle Design einer Fliegeruhr. Zifferblatt, Zeigerform, Krone, Gehäuse und nicht zuletzt das Fliegerband sind typisch für diese Art Uhren. Als Zeitmessinstrument für den Alltag ist die Pilot Vintage das Nonplusultra: Die Ablesbarkeit der klar im Design alter Fliegeruhren gestalteten Pilotenuhr ist hervorragend bei Tag und bei Nacht.

Durch das Fortlassen eines Firmenlogos auf dem Zifferblatt sieht sie besonders authentisch aus und fordert den Betrachter geradezu auf, das Alter und den Hersteller zu erfragen. Die große Fliegerkrone ist das augenfälligste Merkmal der instrumentellen Uhr. Sie erleichtert das Aufziehen des Uhrwerkes genauso wie das Einstellen der Uhrzeit.

Technik

Bei dem von Tourby Watches eingeschalten Uhrwerk handelt es sich um ein Schweizer Rohwerk, welches in Hagen kunstvoll verziert, montiert und einreguliert wird. Als ich beim Abholen der Testuhr um ein zusätzliches Fotomuster des Uhrwerkes bat, hatte ich das Glück, dass keines fertig auf Lager lag. So musste der Uhrmacher vor meinen Augen die Räder montieren und das Werk einregulieren.

Highlight des Handaufzugswerkes ist der Sekundenstopp: Zieht man die Krone, bleibt der große Sekundenzeiger bei 12 Uhr stehen und kann sekundengenau wieder gestartet werden.

Die Zentralsekunde ist keinesfalls typisch für Handaufzugsuhren und sonst nur Automatikuhren vorbehalten. Hier handelt es sich um ein speziell modifiziertes Handaufzugswerk, bei dem die kleine Sekunde zur Zentralsekunde umgerüstet wurde. Eine andere, weniger elegante Lösung wäre das Weglassen des Aufzugsrotors bei einem Automatikwerk.

Das Uhrwerk schwingt mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde, entsprechend 6 Hz. Es gehört damit zu den Schnellschwingern unter den Handaufzugsuhren, wodurch sich die Genauigkeit erhöht. Normal sind 18.000 Halbschwingungen, entsprechend 5 Hz.

Ausstattung

Das Gehäuse ist aus solidem Edelstahl exklusiv für Tourby Watches nach eigenem Entwurf der Manufaktur komplett handgefertigt und wurde in den Hagener Werkstätten montiert und gebürstet. Es trägt einen verschraubten Boden mit extra großem Glaseinsatz und schmalem Rand, damit das außergewöhnlich schöne Uhrwerk in seiner ganzen Pracht von hinten begutachtet werden kann.

Auch das Zifferblatt ist komplett von Hand gefertigt und in alter Tradition mit einer dicken Lackschicht versehen. Es trägt anstelle aufgedruckter Leuchtmasse von Hand in entsprechende Aussparungen eingelegte, speziell für die Tourby-Uhren entwickelte Superluminova im alten Stil - aber ohne Radioaktivität. Durch dieses Verfahren und die Verwendung von spezieller Leuchtmasse werden beste Leuchtergebnisse erzielt.

Die Zeiger und die Uhrwerksschrauben sind handgebläut. Das Fliegerband ist in Deutschland handgenäht. Bei der Schließe handelt es sich um eine markante Dornschließe, wie sie früher bei Fliegeruhren üblich war.

Handling

Obwohl es sich um eine Fliegeruhr handelt, ist die Pilot Vintage bis 5 ATM druckfest. Die 42 mm durchmessende Uhr trägt sich mit ihren nur 90 g mitsamt Fliegerband dank der auf eine Ebene mit dem Boden heruntergezogenen Bandanstöße am Männerarm ganz hervorragend und ist auch für Frauen tragbar. Für Männer mit extra starken Handgelenken gibt es eine 45-mm-Version. Das getestete 42-mm-Modell bietet wie die 45-mm-Version ein Manufakturwerk mit Umbau auf Zentralsekunde und Sekundenstopp bei 12 Uhr. Dazwischen gibt es eine mittlere 43-mm-Variante mit kleiner Sekunde bei drei Uhr.

Wertigkeit

Uhrenkenner und Sammler legen ganz besonderen Wert auf das Uhrwerk, das Herz der Uhr. Eine Uhr mit Manufakturwerk wird in der Fachwelt sehr viel höher bewertet als eine Uhr mit Werk von der Stange. Bei der Pilot Vintage ist ein von Tourby Watches selbst wunderschön finissiertes Schweizer Rohwerk obendrein in eine zeitlose Uhr eingeschalt, welche mit ihrem altertümlichen Design die Zeit überdauert und im Laufe der Jahre eher an Wert gewinnen, statt an Wert verlieren wird.

Fazit

Wer Fliegeruhren mag, kommt bei der Pilot Vintage von Tourby Watches voll auf seine Kosten: Die weitestgehend in Handarbeit durchgeführte Herstellung orientiert sich an der damaligen Fertigung einer Fliegeruhr. Die Verarbeitung ist erstklassig. Ein ganz besonderes Highlight ist das von kleiner Sekunde auf Zentralsekunde mit Sekundenstopp bei 12 Uhr umgebaute Handaufzugswerk, welches wie das Gehäuse auch in den Hagener Werkstätten prächtig finissiert und mit einem in Deutschland handgenähten Lederband versehen wird. Für eine solch einzigartige Uhr ist der von Tourby aufgerufene Verkaufspreis sehr, sehr günstig.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Tourby Watches

Straße: Emilienplatz 15

Ort: 58907 Hagen in Westfalen

Web: www.tourby.de

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