Tourby Watches Art Deco: Großes Kino am Arm

Tourby Watches aus Hagen in Westfalen greift mit seinem Modell Art Deco nach den Sternen der Uhrmacherkunst. Watchguide ist an vorderster Front mit dabei und veröffentlicht den ersten Test.

Die Tourby Art Deco mit Handaufzug ist in drei Farbvarianten erhältlichEdle Understatement-Variante mit grauem Zifferblatt und silbernen Zeigern
Edle Understatement-Variante mit grauem Zifferblatt und silbernen Zeigern
Die Stahlvariante mit hellem Zifferblatt besitzt gelbgoldene Zeiger und Indexe
Die rotgoldene Variante besitzt ein beschichtetes Stahlgehäuse
Beim Uhrwerk handelt es sich um ein Manufakturkaliber auf ETA/Unitas-Basis
Am Arm wirkt die 43 mm große Uhr wohlproportioniert und trägt sich auch so
Die Tourby Art Deco wird in einem ansprechenden, ledernen Reiseetui geliefert
Edel: Das Zifferblatt aus 925/000 Sterling-Silber mit gekörnter Oberfläche

Art Deco ist die Abkürzung des französischen Begriffs arts décoratifs und bezeichnet eine Strömung der Designgeschichte, entstanden von etwa 1920 bis 1940 und bedeutet „verzierende Künste“. Wird die gleichnamige Uhr der Kleinmanufaktur Tourby Watches diesem Anspruch gerecht? Die Eleganz der Form in Verbindung mit der Kostbarkeit der gewählten Materialien charakterisiert diese Epoche ebenso wie die Testuhr. Lesen Sie den ausführlichen Hands-on-Praxistest dieser in den eigenen Werkstätten des westfälischen Produzenten entstandenen Handaufzugsuhr. Erhältlich ist sie unter www.tourby.de direkt vom Hersteller.

Unboxing

Geliefert wird das uhrmacherische Kunstwerk in einem edlen Reiseetui aus Leder, welches hervorragend zur Uhr passt. Erhalten haben wir alle drei lieferbaren Farbvarianten der Art Deco, zwei in schlichtem Stahl aus der ersten Charge und einen rotvergoldeten Prototypen. 

Erster Eindruck: Eine schöne, hochwertige Uhr in zeitgemäßer Größe mit ganz besonderem Charme für Schöngeister. Tourby Watches ist bekannt für seine Handaufzugsuhren, in denen ein großes, ursprünglich für Taschenuhren gedachtes Werk tickt.

Für den Tragetest freigegeben war der rotvergoldete Prototyp. Erstaunlich, welch edlen Eindruck dieses Modell auf unvoreingenommene Betrachter macht, während die Stahlversionen im Alltag sicher weniger auffallen.

Design

Der kleine Sekundenzeiger bei 6 Uhr ist ein Erkennungszeichen für mechanische Uhrwerke mit Handaufzug. Automatikwerke haben meist, von Ausnahmen abgesehen, eine Zentralsekunde. Die kleine Sekunde erleichtert das Erfassen der Uhrzeit auf einen Blick, da eine Verwechslung von Sekunden- und Minutenzeiger ausgeschlossen ist. Außerdem versprüht die Tourby Watches Art Deco so den Charme einer Taschenuhr. Die wunderschönen und besonders hochwertigen anglierten Stahlzeiger dienen in erster Linie der gegenüber flachen Zeigern besseren Ablesbarkeit und der gegenüber einfachen Messingzeigern besseren Haltbarkeit.

Bei der Art Deco handelt es sich um keine revolutionär neue Gestaltungsidee, sondern um ein seit Jahrzehnten bewährtes Design. So ist die Uhr zwar kaum auf den ersten Blick als ein Modell von Tourby Watches erkennbar, dafür wird sich die Formgebung auch nach weiteren Jahrzehnten kaum abnutzen und sehr, sehr lange harmonisch und gefällig bleiben, quasi zeitlos, auch wenn dieser Begriff eher zu anderen Gegenständen als zu einer Uhr passt. So ist auch das Firmenlogo dezent aufgedruckt, beim rotgoldenen Modell handelt es sich noch um einen Prototypen mit kürzerem Logoaufdruck.

Das schnörkellose und dennoch ganz besondere, weil stilgerechte Zifferblatt aus 925/000 Sterlingsilber mit gekörnter Oberfläche bzw. beim anthrazitfarbenem Modell mit Sonnenschliff ist tagsüber hervorragend ablesbar, für die Nachtablesbarkeit fehlt eine entsprechende Leuchtmasse, welche jedoch dem eleganten Stil dieser Uhr widersprechen würde und zugunsten der Harmonie bei der Gestaltung außen vor blieb. Schöngeister gehen abends in die gut beleuchtete Vernissage, statt sich in dunklen Gassen herumzutreiben. Die aufgesetzten rosé vergoldeten bzw. beim grauen Modell rhodinierten Appliqués verleihen der Art Deco einen besonders edlen Touch.

Technik

Tourby Watches ist seit Jahren der Spezialist für Handaufzugsuhren. Automatikuhren kamen erst später hinzu. So verwundert es kaum, dass der Hersteller dem eingebauten Handaufzugskaliber Tourby Cal. 74.3 CDC besondere Liebe zum Detail angedeihen lässt. Das in Eigenregie gebaute Werk besitzt 19 statt nur 17 Lagersteine, da eine zusätzliche Achse des Aufzugsmechanismus in Rubin gelagert wurde. Die Gangreserve beträgt 56 Stunden und damit über zwei Tage. Die zeitregulierende Unruh arbeitet mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde, womit das Uhrwerk ein moderner und besonders genauer Schnellläufer unter den Handaufzugswerken ist, ähnlich der Top-Version des ETA/Unitas. Ältere oder einfache Handaufzugsuhrwerke weisen 18.000 Halbschwingungen auf und bleiben damit hinter der Genauigkeit moderner Schnell-Läufer zurück. 

Bis auf die Incabloc-Stoßsicherung werden alle Teile von dem Rohwerkelieferanten selbst gefertigt. Finissierung, Endmontage und das Einregulieren findet in den eigenen Werkstätten von Tourby Watches in Hagen und Bochum statt. Die Finissierung der rhodinierten Dreiviertel-Platine mit einem wunderschönen „Cotés de Cirquilairés“ genannten Schneckenschliff, Gold-Chantons für die Lagersteine, gebläuten Schrauben, Glashütter Sonnenschliff auf Sperr- und Kronrad, perliertem Ankerkolben und perlierter Sperrklinke lässt das Uhrwerk in wundervollem Glanz erstrahlen. Da die Konstruktion anstelle einer völligen Neukonstruktion vom Prinzip her auf einem ETA-Unitas-Werk basiert, kann von einer vergleichbaren Zuverlässigkeit ausgegangen werden. 

Ausstattung

Die Art Deco von Tourby Watches gibt es nur in Stahl pur bzw. vergoldet. Obwohl das Gehäuse wie eine Standardanfertigung aussieht, zeigt es sehr harmonische Proportionen und wirkt damit gefälliger als das vieler ähnlicher Zeitmesser. Ihren edlen Touch erhält die Uhr durch die polierte Oberfläche mit den gebürsteten Flanken. 

Die Uhrgläser bestehen aus innenentspiegeltem Saphirglas, auch im verschraubten Boden. Was mir besonders gut daran gefällt, ist die sehr schmale Ausführung des Schraubringes, der das rückseitige Glas trägt. So ist das Uhrwerk auch dank des großen Durchmessers der Uhr in seiner ganzen Schönheit sichtbar.

Das Armband aus echtem Louisiana-Alligator-Leder wird in Deutschland hergestellt. Das hellbraune Band harmoniert wunderbar mit der rotgoldenen Variante, dennoch bevorzuge ich an meinen Uhren dunklere Bänder, die farblich zum Gürtel und zu den Schuhen passen. Die Dornschließe trägt das Herstellersignet.

Handling

Eine Uhr mit 43 mm Durchmesser ist zweifelsohne eine große Uhr, die Taschenuhr-Gene lassen sich schwerlich verleugnen. Dessen ungeachtet wirkt die Tourby Watches Art Deco alles andere als klobig. Ohne Band wiegt sie knapp 70 g, mit Band und Dornschließe nur gut 80 g. Das Tragegefühl einer so leichten, großen und vergleichsweise flachen Uhr mit leicht heruntergezogenen Bandanstößen ist in Verbindung mit dem tollen Band einfach traumhaft.

Der Trick: Die Uhr ist ohne Glas gerade einmal 9 mm und mit Glas auch nur etwa 10,5 mm dick. Das spezielle zylindrisch ausgeformte Saphirglas erinnert an ein Plexiglas und ist dabei deutlich scharfkantiger als andere bombierte Saphirgläser, die mir bisher begegnet sind. So lässt sich die Uhr auch bei seitlichem Betrachten einwandfrei ablesen.

Das morgendliche Aufziehen des Zeitmessers wird mit der wohlproportionierten Zwiebelkrone zum Genuss. Ebenso gut geht das Einstellen der Uhr von der Hand. Ergonomie betrifft eben die Bedienung genauso wie das Tragegefühl. Zur Alltagstauglichkeit gehört auch die Druckfestigkeit. Trotz ihres antiken Charmes ist die Tourby Watches Art Deco bis 5 ATM druckfest, was im Alltag für eine solche Uhr allemal ausreicht.

Wertigkeit

Die schmale Lünette ist durch das um etwa 1,5 mm hervorstehende Saphirglas bestens geschützt und behält hierdurch und durch eine mehrstufige Formgebung lange ihre unversehrte Schönheit. Auch die stark abfallenden Bandanstöße bieten nur wenig Angriffsfläche für unschöne Kratzer. Bei der rotgoldenen Version ist das auch gut so, denn die lässt sich nicht so einfach aufpolieren wie die Stahlvarianten.

Was die Preisstabilität betrifft, so ist kaum zu erwarten, dass Tourby Uhren in Zukunft preiswerter werden, der Direktvertrieb kommt einer Preisbindung gleich, und bedingt durch die immer hochwertigere Verarbeitung sind Uhren aus Hagen bereits heute deutlich teurer als noch vor Jahren.

Was den späteren Wiederverkaufswert betrifft, so ist dieser schwer einschätzbar, da die Marke Tourby Watches gerade aus der Geheimtipp-Ecke in den Blick der Uhrenfans tritt. So bessert sich derzeit das Insiderimage der Marke mit praktisch jeder Neuvorstellung.

Fazit

Die Art Deco von Tourby Watches ist trotz traditioneller Gestaltung eine ganz besondere Uhr, an der viele kleine, liebevolle Details hervorstechen, die man eher selten bei einer Uhr dieser Art findet. Das macht sich auch in der Wirkung bezahlt. Diese Handaufzugsuhr erweckt gerade in der ein wenig teureren rotvergoldeten Variante definitiv den Eindruck diskreter Noblesse am Handgelenk. Sie braucht sich hinter den großen Marken weder in der Qualität noch in ihrem Erscheinungsbild zu verstecken.

Wenn man die Uhr vom Arm nimmt und jemandem zur Begutachtung in die Hand gibt, punktet sie beim Umdrehen mit einem durch den Saphirglasboden sichtbaren wunderschön finissierten Handaufzugs-Manufakturwerk, das in dieser Preisklasse seinesgleichen sucht. Eben eine Uhr für Schöngeister, für den ausgiebigen Brunch im Hotel, die Vernissage oder den Galaabend. Auch wenn für den Theaterbesuch oder das Kino die Nachtablesbarkeit fehlt, ist die Art Deco von Tourby Watches großes Kino am Arm.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Tourby Watches

Straße: Emilienplatz 15

Ort: 58907 Hagen in Westfalen

Web: www.tourby.de

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