Test: Tourby Watches Lawless 42 – professionelle Taucheruhr in markantem Design

Die Tourby Lawless 42 ist eine für den Taucheinsatz geeignete Automatikuhr mit einer Druckfestigkeit von 50 ATM, entsprechend einem Druck in 500 m Wassertiefe. Taugt sie auch als Alltagsuhr?

Tourby Lawless am schwarzen Silikonarmband
Die kleine Lawless bietet mit 42 mm Durchmesser ideale Proportionen für das Handgelenk
Unter der einer alten Münze originalgetreu nachempfundenen Bodengravur …
… steckt auch ohne Glasboden ein schön finissiertes Automatikwerk …
… ETA 2892-2 mit Genfer Streifenschliff, Perlage und gebläuten Schrauben
„Tourby“ ist türkisch und heißt ins Deutsche übersetzt „Stern“: ein solcher ziert auch die Krone
Das Metallband ist auch mit einer Verlängerung für den Neoprenanzug erhältlich
Beim Abholen wurden die frisch gebauten Testuhren mit Uhrbändern ausgestattet …
… und noch einmal auf der Gangwaage auf eventuelle Gangabweichungen geprüft
Ausgeliefert wird die Tourby Lawless 42 in einer praktischen Reisebox

Die erste Taucheruhr von Tourby Watches aus Hagen in Westfalen ist 2013 nach drei Jahren Entwicklungszeit erschienen. Ihren Namen hat die unter www.tourby.de erhältliche Uhr vom langjährigen Profi-Taucher und in Fachkreisen bekannten Uhrenexperten Brendan Lawless.

Unboxing

Die Tourby Lawless 42 wird in einem schmucken und robusten Reiseetui aus hochwertigem Leder angeliefert, in welches die Uhr auch mit dem massiven Metallgliederband hineinpasst. Wir haben die Lawless für einen Hands-on-Praxistest mit Edelstahlband sowie mit Kautschukband bestellt.

Nach dem Auspacken habe ich beide Uhren direkt anprobiert, gespannt auf das Tragegefühl. Das Stahlgehäuse kommt unglaublich massiv daher. 42 mm Durchmesser, 13 mm Bauhöhe (ohne Glas) und 95 g ohne Band (134 g mit Kautschuk- bzw. 180 g mit Stahlband) sind eine Kampfansage an den Wasserdruck. Auch an die Alltagstauglichkeit?

Design

Die Tourby Lawless ist wahlweise mit zwei verschiedenen Gehäuse-Finishs – komplett matt gebürstet oder mit polierten Seiten – sowie mit unterschiedlichen Bändern lieferbar. Alle Varianten wirken sehr eigenständig und unglaublich massiv und markant.

Anstelle eines protzigen Logos trägt das Zifferblatt nur den Markenschriftzug: „Tourby“ ist türkisch und heißt ins Deutsche übersetzt Stern. Dieser findet sich als Verzierung auf der Krone.

Technik

Wie es sich für eine robuste Taucher- bzw. Alltagsuhr gehört, arbeitet in dem soliden Gehäuse als Uhrwerk ein echtes Arbeitstier, das auf dem unverwüstlichen ETA 2824-2 basierende Automatikwerk Sellita A200, welches sich nicht hinter dem "Original" zu verstecken braucht, da es bis auf einige winzige Details baugleich ist, die sogar eine Verbesserung darstellen könnten. Seine Langzeitstabilität muss das A200 dennoch erst beweisen, was es aber meiner Meinung nach auch erfolgreich schaffen wird.

Ausstattung

Einen einigermaßen kräftigen Arm vorausgesetzt, trägt sich die Stahlbandvariante aufgrund des guten Gegengewichtes der massiven Metallglieder deutlich besser als erwartet, auch wenn man sich während des Tragens praktisch ständig bewusst ist, eine schwere mechanische Uhr am Arm zu haben. Egal – sie wirkt zumindest an meinem Handgelenk keinesfalls deplaziert und Eindruck macht sie erst recht. Das Metallband kann um einige verschraubte Glieder gekürzt und so an den Armumfang angepasst werden.

Wie trägt sich eine solche „Tellermine“? Eine Überraschung ist die Version mit Kautschukband: Das speziell für diese Uhr entwickelte Band mit Tourby-Schriftzügen auf Band und Schlaufen platziert die Uhr so gut am Arm, dass sie sich trotz des immensen Gewichtes wie eine sehr leichte Uhr trägt, im Gegensatz zum Tragegefühl mit Metallband merkt man die Uhr am Arm kaum und rein visuell macht sie ebenfalls einen sehr guten Eindruck.

Das Wichtigste beim Band einer Taucheruhr sind – so wie hier – verschraubte Bandanstöße, damit sich die Befestigungsstege unter Wasser nicht lösen. So manche hochwertige „Taucheruhr“ ist auf diese Weise schon in unerreichbare Wassertiefen abgetaucht.

Sowohl die markante Dornschließe des Kautschukbandes als auch die Doppelfaltschließe des Metallbandes lassen sich ausgezeichnet bedienen. Faltschließen mit einseitigen Drückern öffnen sich bisweilen im Alltag, die verwendete Butterfly-Schließe besitzt zwei Drücker.

Das innen verspiegelte, kratzfeste und 3,5 mm dicke sowie leicht gewölbte Saphirglas ermöglicht eine optimale Ablesbarkeit der Uhr am Tage, die Leuchtmasse gewährleistet eine exzellente Nachtablesbarkeit.

Die Lünette der Lawless besitzt einen Leuchtpunkt für perfekte Nachtablesbarkeit und große Tauchtiefen. Sie erlaubt 120 Raststellungen und ist nur einseitig drehbar, damit sie beim Tauchen nicht unbeabsichtigt einen längeren Luftvorrat anzeigt, falls sie sich verstellt, denn das Problem ist, dass ein Taucher durch die notwendige langsame Dekompression nicht plötzlich auftauchen kann.

Das Gehäuse der Tourby Lawless wirkt zwar kantig, bietet aber durch die leicht angeschrägte Lünette hinreichend wenig Angriffsfläche für auffällige Kratzer. Die nach unten gezogenen Bandanstöße ermöglichen ein gutes Anliegen der großen Uhr am Arm.

Eine absolute Besonderheit der Tourby Lawless ist eine wunderschöne Bodengravur mit der Aufschrift „Imperium Neptuni Regis“. Als Vorlage diente eine alte Münze. Diese Gravur stabilisiert den Gehäuseboden zusätzlich, so dass er leichter als ein gerader Boden ausgefallen ist.

Boden und Krone sind verschraubt, ein Muss bei Taucheruhren mit hoher Druckfestigkeit. Der gravierte Boden ist wie das Gehäuse mit einem Gewinde versehen. Diese Verschraubung bietet bei Taucheruhren zumindest den theoretischen Vorteil gegenüber einer Verschraubung mit einzelnen Schrauben, da sich diese lösen könnten und dann Angriffsfläche für hohen Wasserdruck böten.

Handling

Wer braucht im Alltag eine Taucheruhr? Die immense Druckfestigkeit hat dennoch ihre Vorteile: Während eine bis 3 ATM druckfeste Uhr nicht einmal dem Wasserstrahl einer Dusche standhält, kann man mit der bis 50 ATM druckresistenten Tourby Lawless bedenkenlos Autowaschen, mit dem Hochdruckreiniger arbeiten und alle Wassersportarten ausüben. Nur den extremen Temperaturwechsel eines Saunabesuches würde ich persönlich jeder Uhr ersparen und die Uhr nach Salzwassereinsatz gründlich mit Süßwasser abspülen.

Wertigkeit

Die Tourby Lawless wirkt eigenständig und zeitlos zugleich. Ihr markantes Design läuft nicht Gefahr, sich mit einer Änderung der Mode abzunutzen – selbst wenn die Uhrenmode wieder kleinere Modelle bevorzugen sollte, es handelt sich schließlich zweifellos um eine funktionelle Taucheruhr. Der Wiederverkaufswert ist auf Grund des Geheimtipps der Marke derzeit nicht allzu hoch, da ohnehin nur die Leadermodelle bekannter Marken Steigerungen des Wiederverkaufswertes erzielen. Da die Lawless allerdings das erste unverwechselbare Modell der Kleinmanufaktur ist, könnte sie die Wahrnehmung der Marke entscheidend aufwerten.

Fazit

Mit der Lawless erhält man bei Tourby aus Westfalen eine professionelle Taucheruhr mit exzellenter Verarbeitung zu einem außerordentlich fairen Preis. Das Tragegefühl der ungeheuer massiven Uhr ist insbesondere mit Kautschukband sehr viel komfortabler als vermutet. Anfangs war ich sicher, dass mir die Stahlvariante mit dem Metallgliederband besser gefällt, nach jeweils einem Tag des Testtragens hat die schwarze Tourby Lawless mit ihrem ergonomischen Kautschukband ganz klar das Rennen gemacht.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Tourby Watches

Straße: Emilienplatz 15

Ort: 58907 Hagen in Westfalen

Web: www.tourby.de

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