Hands-On-Test Tourby Lawless: Massiver Taucheinsatz

Die Tourby Lawless ist beschichtet und unbeschichtet in etlichen Varianten erhältlich

Die Tourby Lawless ist eine für den Taucheinsatz geeignete Automatikuhr mit einer Druckfestigkeit von 50 ATM, entsprechend einem Druck in 500 m Wassertiefe. Taugt sie auch als Alltagsuhr?

Die Lünette ist wahlweise mit oder ohne Gravur erhältlich
Dank heruntergezogener Bandanstöße schmiegt sich die schwere Uhr gut ans Handgelenk
Die deutsche Übersetzung für Tourby ist Stern, dieser ist auf der Krone als Logo sichtbar
Die verschraubte Krone bietet einen zusätzlichen Flankenschutz
Verschraubte Bandanstöße verhindern das Verlieren der Uhr
Für die aufwändige Bodengravur diente eine Münze als Vorlage
Ausgeliefert wird die Tourby Lawless in dieser Uhrenbox

Die erste Taucheruhr von Tourby Watches aus Hagen in Westfalen ist 2013 nach drei Jahren Entwicklungszeit erschienen. Ihren Namen hat die unter www.tourbywatches.com erhältliche Uhr vom langjährigen Profi-Taucher und in Fachkreisen bekannten Uhrenexperten Brendan Lawless.

Unboxing

Die Tourby Lawless wird in einem schmucken und robusten Reiseetui aus hochwertigem Leder angeliefert, in welches die Uhr auch mit dem massiven Metallgeflechtband hineinpasst. Wir haben die Uhr für einen Hands-on-Praxistest in Stahl mit Milanaiseband sowie schwarz beschichtet mit Kautschukband/Silikonband bestellt.

Nach dem Auspacken habe ich die Uhren direkt anprobiert, gespannt auf das Tragegefühl. Das Stahlgehäuse kommt unglaublich massiv daher. 45,5 mm Durchmesser, 16 mm Bauhöhe und 138g ohne Band (174g mit Silikon- bzw. 220g mit Stahlband) sind eine Kampfansage an den Wasserdruck. Auch an die Alltagstauglichkeit?

Design

Die Tourby Lawless ist in Stahl mit und ohne Beschichtung, mit oder ohne Lünettengravur sowie mit unterschiedlichen Zifferblättern und Bändern lieferbar. Alle Varianten wirken sehr eigenständig und unglaublich massiv und markant.

Die Stahlversion haben wir mit Strichindexen bestellt, die schwarze Variante mit Punktindexblatt, da das Design dieser beiden Kombinationen meiner Meinung nach besonders stimmig wirkt. Als Besonderheit ist ein Zifferblatt mit osmanischen Ziffern lieferbar.

Anstelle eines protzigen Logos trägt das Zifferblatt nur den Markenschriftzug. Tourby ist türkisch und heißt ins Deutsche übersetzt Stern. Dieser findet sich als Verzierung auf der Krone.

Technik

Wie es sich für eine robuste Taucher- bzw. Alltagsuhr gehört, arbeitet in dem soliden Gehäuse als Uhrwerk ein echtes Arbeitstier, das auf dem unverwüstlichen ETA 2824-2 basierende Automatikwerk Sellita A200, welches sich nicht hinter dem "Original" zu verstecken braucht, da es bis auf einige winzige Details baugleich ist, die sogar eine Verbesserung darstellen könnten. Seine Langzeitstabilität muss das A200 dennoch erst beweisen, wird es aber meiner Meinung nach auch erfolgreich schaffen.

Ausstattung

Einen einigermaßen kräftigen Arm vorausgesetzt, trägt sich die Stahlbandvariante aufgrund des guten Gegengewichtes des massiven Metallgeflechtes deutlich besser als erwartet, auch wenn man sich während des Tragens praktisch ständig bewusst ist, eine schwere mechanische Uhr am Arm zu tragen. Egal – sie wirkt zumindest an meinem Arm keinesfalls deplaziert und Eindruck macht sie erst recht. Das Metallband kann um einige verschraubte Glieder gekürzt und so an den Armumfang angepasst werden.

Wie trägt sich eine solche „Tellermine“? Eine Überraschung ist die Version mit Silikonband: Das speziell für diese Uhr entwickelte Band mit Tourby-Schriftzügen auf Band und Schlaufen platziert die Uhr so gut am Arm, dass sie sich trotz des immensen Gewichtes wie eine sehr leichte Uhr trägt, im Gegensatz zum Tragegefühl mit Milanaiseband merkt man die Uhr am Arm kaum und rein visuell macht sie einen ebenfalls sehr guten Eindruck.

Das wichtigste beim Band einer Taucheruhr sind - so wie hier - verschraubte Bandanstöße, damit sich die Befestigungsstege unter Wasser nicht lösen. So manche hochwertige „Taucheruhr“ ist auf diese Weise schon in unerreichbare Wassertiefen abgetaucht.

Sowohl die markante Dornschließe des Silikonbandes als auch die Doppelfaltschließe des Metallbandes lassen sich ausgezeichnet bedienen. Faltschließen mit einseitigen Drückern öffnen sich bisweilen im Alltag, die verwendete Butterfly-Schließe besitzt zwei Drücker.

Das innen verspiegelte, kratzfeste und 3,5mm dicke sowie leicht gewölbte Saphirglas ermöglicht eine optimale Ablesbarkeit der Uhr am Tage, die Leuchtmasse gewährleistet eine optimale Nachtablesbarkeit.

Die Lünette der Lawless besitzt einen Leuchtpunkt für perfekte Nachtablesbarkeit und große Tauchtiefen. Sie besitzt 120 Raststellungen und ist nur einseitig drehbar, damit sie beim Tauchen nicht unbeabsichtigt einen längeren Luftvorrat anzeigt, falls sie sich verstellt, denn das Problem ist, dass ein Taucher durch die notwendige langsame Dekompression nicht plötzlich auftauchen kann.

Das Gehäuse der Tourby Lawless wirkt zwar kantig, bietet aber durch die leicht angeschrägte Lünette hinreichend wenig Angriffsfläche für auffällige Kratzer. Die nach unten gezogenen Bandanstöße ermöglichen ein gutes Anliegen der großen Uhr am Arm. 

Eine absolute Besonderheit der Tourby Lawless ist eine wunderschöne Bodengravur mit der Aufschrift „Imperium Neptuni Regis“. Als Vorlage diente eine alte Münze. Diese Gravur stabilisiert den Gehäuseboden zusätzlich, so dass er leichter als ein gerader Boden ausgefallen ist.

Boden und Krone sind verschraubt, ein Muss bei Taucheruhren mit hoher Druckfestigkeit. Der gravierte Boden ist wie das Gehäuse mit einem Gewinde versehen. Diese Verschraubung bietet bei Taucheruhren zumindest den theoretischen Vorteil gegenüber einer Verschraubung mit einzelnen Schrauben, da sich diese lösen könnten und dann Angriffsfläche für hohen Wasserdruck böten.

Handling

Wer braucht im Alltag eine Taucheruhr? Die immense Druckfestigkeit hat dennoch ihre Vorteile: Während eine bis 3 ATM druckfeste Uhr nicht einmal dem Wasserstrahl einer Dusche standhält, kann man mit der bis 50 ATM druckresistenten Tourby Lawless bedenkenlos Autowaschen, mit dem Hochdruckreiniger arbeiten und alle Wassersportarten ausüben. Nur den extremen Temperaturwechsel eines Saunabesuches würde ich persönlich jeder Uhr ersparen und die Uhr nach Salzwassereinsatz gründlich mit Süßwasser abspülen.

Wertigkeit

Die Tourby Lawless wirkt eigenständig und zeitlos zugleich. Ihr markantes Design läuft nicht Gefahr, sich mit einer Änderung der Mode abzunutzen - selbst wenn die Uhrenmode wieder kleinere Modelle bevorzugen sollte, es handelt sich schließlich zweifellos um eine funktionelle Taucheruhr. Der Wiederverkaufswert ist auf Grund des Geheimtipps der Marke derzeit nicht allzu hoch, da ohnehin nur die Leadermodelle bekannter Marken Steigerungen des Wiederverkaufswertes erzielen. Da die Lawless allerdings das erste unverwechselbare Modell der Kleinmanufaktur ist, könnte sie die Wahrnehmung der Marke entscheidend aufwerten.

Fazit

Mit der Lawless erhält man bei Tourby aus Westfalen eine professionelle Taucheruhr mit exzellenter Verarbeitung zu einem außerordentlich fairen Preis. Das Tragegefühl der ungeheuer massiven Uhr ist insbesondere mit Silikonband sehr viel komfortabler als vermutet. Anfangs war ich sicher, dass mir die Stahlvariante mit dem Metallgeflechtband besser gefällt, nach jeweils einem Tag des Testtragens hat die schwarze Tourby Lawless mit ihrem ergonomischen Silikonband ganz klar das Rennen gemacht.

Test, Text und Fotos: René Roland Katterwe

Bezugsquelle

Firma: Tourby Watches

Straße: Emilienplatz 15

Ort: 58907 Hagen in Westfalen

Web: www.tourby.de

Shop: www.tourby-watches.com

Referenznummern

Schwarz A-F5xx (Ref. 6010.4)

Stahl B-F2x (Ref. 6020.1)

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